Ärger wegen Busse in Zürich

05. Dezember 2017 05:51; Akt: 05.12.2017 09:00 Print

«Polizei behandelt nicht alle Velofahrer gleich»

Weil er ein Fahrverbot missachtet, kassiert ein Velofahrer eine Busse. Er sieht kurz darauf, wie die Polizei einen anderen Sünder nicht büsst, und fragt sich: «Warum er nicht?»

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Es war kürzlich unter der Woche, später Nachmittag. S. B.* fuhr auf dem Velo beim Zürcher Hauptbahnhof, Seite Bahnhofplatz, durch den Taxi-Standplatz. Zugelassen sind dort nur Taxis. B. hatte das Fahrverbot übersehen. Prompt wurde er von einem Polizisten angehalten. «Ich habe mich entschuldigt und ihm erklärt, dass ich noch nicht lange in Zürich wohne – vergeblich.»

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Der Polizist habe ihm in ziemlich unfreundlichem Ton zu verstehen gegeben, dass es nichts zu diskutieren gebe. «Er sagte, Gesetz sei Gesetz – 30 Franken koste die Busse und ob ich bar zahlen wolle oder per Post.» Er habe zum Glück 30 Franken im Portemonnaie gehabt und die Geldscheine dem Polizisten ausgehändigt. Dann sei er weitergefahren.

«Kenne ich Sie?»

Rund 40 Minuten später sei er zu Fuss nochmals an derselben Stelle vorbeigekommen. Was B. nun beobachtete, machte ihn ziemlich sauer: «Aus einer Distanz von wenigen Metern sah ich, wie der Polizist einen anderen Velofahrer ebenfalls stoppte, ihn nach Dokumenten fragte, danach aber ohne Busse ziehen liess.»

Er habe danach allen Mut zusammengenommen und den Polizisten angesprochen: «Warum kriegt dieser Velofahrer keine Busse – ich aber schon?» Der Polizist habe ihm bloss geantwortet: «Kenne ich Sie?» B. hielt ihm den Strafzettel von eben entgegen: «Da hat sich der Polizist, ohne etwas zu sagen, umgedreht.» Er sei wütend darüber, dass die Polizei offensichtlich nicht alle Velofahrer gleich behandle.

«Gnade vor Recht»

Diesen Ärger kann Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, verstehen, weil das Fahrverbot für alle gelte: «Die Polizisten haben aber von Gesetzes wegen einen Ermessensspielraum.» Beim sogenannten Opportunitätsprinzip hätten sie die Möglichkeit, bei Übertretungstatbeständen auch mal ein Auge zuzudrücken.

«In diesem Fall war der Velofahrer ein Kurier», so Cortesi. Dieser habe dem Polizisten erklärt, dass er dringend ein Paket auf den Zug bringen müsse, der kurz vor der Abfahrt stehe. «Deshalb hat der Polizist bei ihm ‹Gnade vor Recht› walten lassen. Das kann ich in diesem Fall auch nachvollziehen.»

*Name der Redaktion bekannt

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DomDom33 am 05.12.2017 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein nein und nochmals nein

    Die Kurierfahrer sind die schlimmsten von allen. Reine Wild West Manier was die sich leisten. Im Umkehrschluss haben Autofahrer welche das Auto beruflich benötigen ja auch kein Freipass. Ich könnte mich sooo aufregen. geht gar nicht.

  • Sanji am 05.12.2017 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuriere

    Entweder alle gleich bestrafen oder gar keinen. Den Kurier hätte ich sowieso gebüsst. Die fahren nämlich alle gleich und sind noch schlimmer als "normale" Velofahrer

  • Pegasus77 am 05.12.2017 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau da nicht.

    Genau bei Velokurieren verstehe ich das nicht. Sie fahren häufig über Rot, ignorieren Fuss-wege und Streifen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ab del Surd am 05.12.2017 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lizenz für gewerbliche Velofahrer

    Es ist völlig absurd, dass Taxifahrer eine Lizenz benötigen, und die Horden von Rowdys der Velokurierern nicht

  • B. Friedrich am 05.12.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Radfahrverbot HB Zürich

    ..Vor dem Gesetze sind gleich.. Schwache Argumente der Polizei mit Begründung, die einen zu büssen, und andere laufen zu lassen.. Das ist Willkür..

  • Mortesi am 05.12.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    und Nachsicht bei Autofahrern?

    Dann sollen die mal Gnade vor Recht ergehen lassen bei flasch parkierten Autos.

    • Rohu66 am 05.12.2017 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mortesi

      Flasch parkierte Fahrzeuge werden auch nicht gebüsst. Falsche ja, flasch nicht

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  • Chrümel am 05.12.2017 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velofahrer

    Wieder einmal mehr ein berauschender Bericht über die ja immer so verkehrsgesetz brechenden Velofahrer.

  • Trucker am 05.12.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Oh Wunder-es geschieht doch

    Verkehrsregeln sind für alle Verkehrsteilnehmer gültig. Wer sich nicht daran halten kann, soll bitte zu Fuss gehen, oder noch besser, zu Hause bleiben.