Zürcher Obergericht

05. Oktober 2017 23:34; Akt: 05.10.2017 23:34 Print

«Sauchrüppel!» – Streit unter Hündelern eskaliert

Zwei Hundehalter gerieten sich in die Haare und zogen wegen des Streits bis vor Obergericht. Dieses entschied nun, dass keiner im Recht ist. Zurück bleiben für beide je 700 Franken Kosten.

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Das Zürcher Obergericht erteilte gleich beiden Hundehaltern eine Abfuhr. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Auslöser für den Rechtsstreit, bei dem vor allem viel Papier produziert wurde, war ein Spaziergang im Dezember 2016. Die Hundehalterin war mit ihrem Liebling unterwegs, als sie ihrem künftigen Kontrahenten - ebenfalls mit Hund - begegnete.

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Die Situation eskalierte, weil ihr Hund nach dem anderen Vierbeiner schnappen wollte. Der Mann habe sie und ihren Hund zu treten versucht, sagte die Frau aus. Zudem habe er gedroht, den «Sauchrüppel» - gemeint ist damit der Hund - umzubringen.

Hund und Frauchen blieben trotz wüster Worte unverletzt. Weil sie nach dem Spaziergang aber verängstigt und schockiert war, erstattete die Frau trotzdem Anzeige, wegen Drohung, Körperverletzung, Tätlichkeiten und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz.

Der Hündeler bestritt in der Befragung jedoch, die Frau und ihren Hund bedroht zu haben. Und auch wenn, fügte er an - in der Hitze des Gefechts könne dies halt mal passieren, ohne drohende Absicht.

Hund blieb unverletzt

Die Staatsanwaltschaft entschied, kein Strafverfahren gegen den Mann einzuleiten. Er übergab die Akten jedoch dem Statthalter. Dieser solle entscheiden, ob das Verhalten des Mannes allenfalls eine Übertretung beinhalte und eine Busse fällig sei.

Die Hundehalterin fühlte sich dadurch nicht ernst genommen und erhob Beschwerde gegen diese so genannte «Nichtanhandnahme». Gleichzeitig reichte auch der Mann eine Beschwerde ein. Ihn störte es, dass die Akten an den Statthalter gingen und ihm so wegen seines Ausrasters doch noch eine Busse blühen könnte.

Gleichzeitig verlangte er in seiner Beschwerde, dass die Hündelerin sämtliche Verfahrens- und Gerichtskosten übernehmen soll. Schliesslich habe sie ihn angezeigt.

Das Obergericht liess beide abblitzen: Den Hündeler, weil er gar nicht dazu legitimiert sei, Beschwerde zu erheben, wenn ein Fall an den Statthalter weitergegeben werde. Die Hündelerin, weil es gar nicht erwiesen sei, dass diese Szene wirklich so stattgefunden. Sie selber und ihr Hund seien zudem unverletzt geblieben.

Weil beide verlieren, bleiben auch beide auf den Gerichtskosten sitzen: Die Hundehalter müssen je 700 Franken zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide können es noch ans Bundesgericht weiterziehen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AlexCH am 06.10.2017 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chindergarte

    Sie hören von meinem Anwalt. Ist die erwachsene Version von das sage ich meiner Mama

  • @li am 06.10.2017 03:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    haha

    teurer spaziergang

  • Mikymela am 06.10.2017 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    boah

    einfach mal so jeden anzeigen. Das sowas überhaupt möglich ist

Die neusten Leser-Kommentare

  • Trucker am 06.10.2017 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Keiner bekam Recht...

    ...dafür garniert der Staat je 700.- Noch Fragen?

  • Baur Brigitte am 06.10.2017 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundebesitzer seid freundlich miteinander

    Hündeler sollten zusammenhalten, uns weht sowieso ein rauer Wind mit Vorschriften entgegen. Mit einem Schnappihund muss man halt einen Bogen um andere Hunde machen. Entschärft die Hundebegegnungen und schont die Nerven.

  • Negan am 06.10.2017 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du meine Güte

    Was ich schon alles mitbekommen habe auch gegen Dritte...Leinengebell gilt gleich als hochgradig aggressiv, der eigene Mini-Fifi tut nix (an der Leine) und kläfft bzw hupt von irgendwo her und die Besitzer sind manchmal um wüste Worte nicht verlegen. Zwei Bekannte gingen vor unseren Augen schon fast aufeinander los und haben es ohne Anwalt geschafft

  • Sony am 06.10.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt mir bekannt vor

    Region Zürich treibt sich auch so ein agressiver Typ herum. Ich habe auch einmal so eine Erfahrung gemacht und diesem Typen entgegenkommenderweise meinen Namen genannt. Damit habe ich mir anonyme Telefone, Drohungen und extrem agressives Verhalten seinerseits eingehandelt. Es wäre echt wünschenswert, wenn die Hundehalter etwas normaler wären. Das sich Hunde zwischendurch einmal raufen und schnappen ist doch normal. Und wenn etwas mehr passiert sollte man vernünftig reagieren.

  • Strafen zu lasch am 06.10.2017 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    gibt leider solche

    Das Problem ist leider, dass sehr viele gestörte Spinner rumlaufen, die tatsächlich nach Tieren treten, weil die halt stören oder den eigenen Fifi mal anbellen, knurren, schnappen. Gewalt gegen ein Tier ist wohl erst erlaubt, wenn das eigene oder man selbst in Gefahr ist. Ist auch eine Saumode der heutigen zeit, eine hitzige Diskussion artet schnell mal in eine Schlägerei aus, weil man sich nicht unter Kontrolle hat und sich in "seiner Ehre" (und ähnlichem Seich) zu schnell beleidigt fühlt