Hetze gegen «Blick»

11. November 2011 14:39; Akt: 11.11.2011 21:51 Print

«So etwas habe ich noch nie gehört»

Tote Fische im Briefkasten, Hetzflyer und Telefonterror: So gingen Unbekannte gegen «Blick»-Journalisten vor. Damit sei eine neue Dimension erreicht, findet Medienexperte Peter Studer.

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Solche Plakate mit den Telefonnummern der Journalisten wurden am 11. November an mehreren Orten in Zürich angebracht.

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Peter Studer, ehemaliger Präsident des Presserats, gibt die Hetze gegen fünf «Blick»-Journalisten zu denken. «In dieser Art, so massiv, ist mir das neu», sagt Studer. So etwas habe er noch nie gehört. Dass er dies aufs Schärfste verurteile, sei ja klar. Studer verweist auf den Tatbestand Drohung, Art. 180 des Strafgesetzbuchs, Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe.

Der «Blick» hat bereits Strafanzeige eingereicht, wie Stapo-Sprecher Marco Cortesi bestätigte. «Die Ermittlungen laufen, wir stehen in Kontakt zu den betroffenen Journalisten».

Racheakt von FCZ-Fans?

Die Aktion fand in der Nacht auf Freitag statt. Unbekannte legten fünf Journalisten tote Fische in die Briefkasten, verteilten Drohflyer und veröffentlichten Plakate mit den Gesichtern sowie den Telefonnummern der «Blick»-Angestellten. Dies alles geschah nicht ganz überraschend und ist wohl ein Racheakt von Fussball-Anhängern. Solche diskutieren in verschiedenen Foren und auf Facebook schon seit mehreren Tagen über die Berichterstattung des «Blicks» im Zusammenhang mit dem Fan, der in Rom durch eine Petarde verletzt wurde. Das Blatt nannte den Mann in mehreren Beiträgen «Petarden-Trottel». Ein Fan schrieb mit Bezug auf einen «Blick»-Redaktor: «Dem gehört das Maul gestopft.»

Beim «Blick» ist man überzeugt, dass die Hetze mit den «Petarden-Trottel-Geschichten» zu tun hat. Ringier-Sprecher Edi Estermann sagte zu 20 Minuten Online: «Alle Opfer arbeiteten an den entsprechenden Stories.» Die Berichterstattung über den FCZ-Fan bezeichnet er als «hart, aber fair».

«Die Pranger-Funktion halte ich für bedenklich»

Dieser Meinung sind nicht alle. Im Gegenteil. Esther Diener-Morscher, Vize-Präsidentin des Presserats, sagte der «TagesWoche»: «Die Pranger-Funktion des ‹Blicks› halte ich für bedenklich. Für die Bestrafung dieses Mannes ist das Gericht zuständig, die Zusatzstrafe durch die Medien ist unnötig.» Das sei zwar «nur» ihre persönliche Haltung, sie könne sich aber vorstellen, dass die Kollegen im Presserat ähnlich denken. Blogger Philippe Wampfler stellte die Frage in den Raum «Ein Fall für den Presserat?» und auf dem Blog «Nation of Swine» nannte Peer Teuwsen, Chef des Schweizer-Büros der «Zeit», die «Blick»-Kampagne einen Skandal.

Der «Blick» schrieb mehrere Geschichten über den verletzten Fan. Die Titel: «Entlarvt! Das ist der Petarden-Trottel von Rom», «Er ist nicht da, er ist verunfallt», «Canepa bittet Petarden-Trottel zur Kasse», «Sein Vater ist Schul-Psychologe!» und «Petarden-Trottel kriegt keine IV!». Dazu wurde das Gesicht des Anhängers gezeigt, verdeckt mit einem Balken. Studer hat damit keine Probleme. Medienrechtlich sei wichtig, dass der Mann und seine Angehörigen nicht identifiziert werden können. Die Bezeichnung «Petarden-Trottel» hält Studer als Ausdruck der Meinungsäusserungsfreiheit für rechtens.

(feb/amc)