Drogenrausch-Prozess in Meilen ZH

29. März 2017 20:18; Akt: 30.03.2017 07:15 Print

«V. hat 150 g Ketamin in einem Jahr weggemacht»

Schläge, Drogen, Vergewaltigung: Die Ex-Verlobte sprach über ihre Beziehung mit B. V. Er selber schwieg erneut eisern - auch als man ihm das Foto des getöteten Kollegen A. F. vorlegte.

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Kunsthändler-Sohn B. V. soll nicht nur unter Kokain- und Ketamineinfluss seinen Kollegen A. F. in der elterlichen Villa mit massiver Gewalt umgebracht haben. Am zweiten Tag des Prozesses gegen den 31-Jährigen vor dem Bezirksgericht Meilen ZH geht es heute um das mutmassliche zweite Opfer, seine damalige Verlobte.

Die Anklageschrift wirft ihm unter anderem vor, sie im Jahr 2014 in einem Hotel in London vergewaltigt und sexuell genötigt zu haben. Wenige Monate zuvor soll er ausserdem - unter Drogeneinfluss - versucht haben, sie auf Ibiza aus einem mit etwa 80 km/h fahrenden Taxi zu stossen. Diese Vorwürfe werden von der Verteidigung bestritten.

Sackweise Kokain und Ketamin

Das Opfer, eine grosse und hübsche junge Frau, schilderte wortreich eine gut einjährige Liebesbeziehung, die geprägt war von V.'s Drogensucht und damit einhergehend auch mit seinen Gewaltausbrüchen: «Es war für ihn normal, mir die Hand ins Gesicht zu schlagen, wenn ihm die Worte ausgegangen waren.» Ihr sei es mit der Zeit egal gewesen.

V. sei ja ständig auf« irgend etwas» gewesen. «Drogenfrei war er nie.» Sackweise seien Kokain und Ketamin verfügbar gewesen. «Er hat teils einen ganzen Sack auf seine Hand geleert und dann das Zeugs hochgezogen - eigentlich war kein Tag mit ihm normal.» Auf die Frage, ob sie selber Drogen konsumiere, antwortete die Frau mit einem entschiedenen Nein: «Nur Zigaretten - und Alkohol habe ich auch schon getrunken.»

«Das macht man doch als Frau nicht»

Sexuell sei ohnehin wenig gelaufen. «Er sagte mal zu mir, lieber eine Linie Ketamin als Sex», sagt sie. Bis zu jener Nacht in London, als er sie gegen ihren Willen zum Analverkehr gezwungen und beinahe mit einem Badetuch erstickt haben soll. «Ich dachte, jetzt dreht er komplett durch und will mich umbringen - noch nie habe so geschrien wie in jener Nacht.» Sie habe V. geliebt, doch was da passiert sei, und dass er auch im Nachhinein keine Reue gezeigt habe, das sei zuviel gewesen.

«Haben Sie ihn nach dem Vorfall explizit auf die Vergewaltigung angesprochen?», wollte der Gerichtsvorsitzende wissen. «Nein, das macht man doch als Frau nicht», sagte sie. Auch habe sie damals keine Anzeige erstattet, weil sie V. nicht habe «gegen sie aufbringen wollen». Erst nach dem Tötungsdelikt habe sie sich dazu durchgerungen, als sie beim Staatsanwalt die «unglaublich traurige» Mutter des getöteten Opfers F. gesehen habe.

Haben Sie auch mal an die Opferfamilien gedacht?

Die Mutter von F., die ebenfalls im Gerichtssaal sass, brach mehrmals in Tränen aus. Insbesondere, als ein Richter V. das Foto vorlegte, das die Leiche von F. mit der Kerze im Mund zeigte. «Warum haben Sie das getan?», fragte der Gerichtsvorsitzende. V. sagte nichts - so wie bislang während des ganzen Prozesses. Sein Kopf war nun aber weit nach unten gesenkt, Blick Richtung Tischplatte. Das Foto schaute er sich nicht an. «Bereuen Sie Ihr Vorgehen? Haben Sie einmal auch an die Opferfamilie Ihres langjährigen Freundes gedacht?» Keine Reaktion.

Der Gerichtsvorsitzende bombardierte V. regelrecht mit Fragen: «Können Sie sich an den Tatablauf erinnern? Wieviele Drogen hatten Sie und F. in dieser Nacht konsumiert? Warum gab es Streit, ging es ums Ketamin? Um 6.57 Uhr haben Sie die Polizei alarmiert, dann haben Sie offenbar noch geduscht - oder war es umgekehrt? Laut einer deutlichen Blutspur wurde die Leiche bewegt - waren Sie das?» V. sagte nichts. Im Saal wars still.

Nur einmal während der ganzen Befragung nickte der Beschuldigte. Als es darum ging, ob er die Vergewaltigung und die sexuellen Nötigung betreffend seiner Ex-Verlobten bestreitet.

*Namen der Redaktion bekannt

(sda/rom)