Tödlicher Unfall in Lenzburg

07. November 2017 09:04; Akt: 07.11.2017 16:55 Print

«Warum hielt der Autofahrer nicht an?»

Ein Autofahrer (80) ist ungebremst in die 19-jährige E. O. gefahren, die einen Fussgängerstreifen überquerte. Sie verstarb im Spital. Die Familie und Augenzeugen sind geschockt.

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Der Cousin der getöteten 19-jährigen Fussgängerin E. O.* kann immer noch nicht glauben, was am Montagabend passiert ist: «Uns allen geht es unheimlich schlecht, die Mutter meiner Cousine bricht die ganze Zeit zusammen», sagt er zu 20 Minuten.

Passiert ist es um 20.45 Uhr auf der Hendschikerstrasse in Lenzburg: Seine Cousine verliess bei der Haltestelle auf Höhe der Neuhofstrasse den Bus und wollte danach den Fussgängerstreifen in Richtung Schloss überqueren.

Ein in Richtung Altstadt fahrendes Auto hielt an, worauf die Slowenin den durch eine Verkehrsinsel unterteilten Fussgängerstreifen betrat. Als sie sich auf der anderen Hälfte des Streifens befand, nahte von der Altstadt her ein Auto. Gelenkt von einem 80-jährigen Mann prallte dieses ungebremst gegen die junge Frau und schleuderte sie mehrere Meter weit weg.

Wurden ihr die Kopfhörer zum Verhängnis?

«Mein Sohn war aus dem selben Bus ausgestiegen», sagt ein Vater. O., dunkel gekleidet, sei wenige Meter vor ihm gelaufen, sie habe Kopfhörer und eine Kapuze getragen. Das Auto des Rentners war gemäss dem Augenzeugen schneller als die erlaubten 50 km/h auf den Fussgängerstreifen zugefahren. «Mein Sohn rief der Frau noch zu, sie solle sofort anhalten - leider nützte es nichts.»

Sein Sohn habe ihn nach dem Unfall sofort angerufen. «Ich war gleich am Unfallort. Andere Leute halfen der Frau bereits», sagt der Vater weiter. Zudem hätten sie umgehend Polizei und Ambulanz alarmiert.

Rettungsdienst und Polizei fanden die Fussgängerin nicht ansprechbar vor, wie die Kantonspolizei Aargau am Dienstagmorgen mitteilte. Eine Ambulanz brachte O. in kritischem Zustand ins Kantonsspital Aarau. Dort erlag sie noch in der Nacht ihren schweren Verletzungen. Der Automobilist kam mit dem Schrecken davon.

«Sie war so eine aufgestellte Person»

Der Cousin von O. sagt, die ganze Familie stehe unter Schock und könne nicht begreifen, warum der Autofahrer nicht angehalten habe: «Das Ganze ist unheimlich tragisch - meine Cousine war so eine aufgestellte Person.» Sie sei von der Arbeit heimgekommen, sie absolviere eine Lehre als Detailhändlerin bei der Migros.

Der Vater des Augenzeugen sagt, sein Sohn habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Und er kritisiert: «Dieser Fussgängerstreifen müsste besser beleuchtet werden.»

Die genaue Unfallursache ist laut Mitteilung noch unklar. Die Kantonspolizei Aargau hat ihre Ermittlungen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft ordnete bei beiden Beteiligten eine Blut- und Urinprobe an. Die Kantonspolizei nahm dem Automobilisten den Führerausweis zuhanden des Strassenverkehrsamtes ab.

*Name der Redaktion bekannt

(som)