Leser bezeugen

18. Februar 2013 18:01; Akt: 18.02.2013 19:42 Print

«Wir wurden blutig entlassen»

von A. Hirschberg - Kaum operiert, schon wieder rausgeworfen: Zahlreiche Leser berichten von frühzeitig beendeten Spitalaufenthalten. Die Verbände wiegeln ab: Die Zufriedenheit sei gleich hoch geblieben.

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Immer wieder werden Patienten zu früh aus dem Spital entlassen. (Bild: Colourbox, Michèle Constantini)

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Dass Patientenstellen vermehrt Beschwerden wegen so genannten «blutigen Entlassungen» haben, hat zu einer Flut von Rückmeldungen von 20 Minuten-Lesern geführt. Viele haben das Gefühl, mit Opfer der Fallpauschalen geworden zu sein. So berichtet Heinrich Reich*, er habe seine mit Morphium vollgepumpte Frau am Tag der Operation mit nach Hause nehmen müssen. Einen Tag später sei sie wegen starken Schmerzen per Ambulanz wieder ins Spital gebracht worden. Für ihn ist dies klar eine Folge der Fallpauschale.

Nach einem Unfall war Daniel Zürcher* drei Tage im Spital. Am dritten Tag habe es plötzlich geheissen, dass er innert dreissig Minuten sein Zimmer verlassen und nach Hause gehen müsse. Reklamationen hätten nichts genützt. Später hiess es es habe ein Kommunikationsproblem gegeben.

Zu früh in der Reha

Der Vater von Sarah Bauer (Name geändert) musste notfallmässig ins Spital, weil er mit einem Glas in der Hand gestürzt war. Der Chirurg, der ihn an der rechten Hand operierte, rief Bauer am selben Tag an und teilte ihr mit, dass sie ihren Vater am nächsten Tag bereits mittags wieder abholen müsse, was ihr jedoch nicht möglich war. Nach Hause konnte ihr Vater jedoch nicht gehen. «Mein Vater ist alleine und die Spitex konnte noch nicht aufgeboten werden.» Der Arzt meinte ihr gegenüber aber, das sei nicht sein Problem. Sie habe aber dann erreicht, dass ihr Vater bis am Abend im Spital bleiben konnte. «Als Angehöriger muss man sich auf die Hinterbeine stellen und sich vehement wehren», sagt Sarah Bauer.

Auch Ralf Meier* war im Spital. Er wurde am Herz operiert und bekam einen Bypass. Nach rund einer Woche, während der er am Anfang an der Herz-Lungen-Maschine auf der Intensivstation lag, wurde er entlassen, obwohl er kaum laufen konnte. Ein Taxi fuhr ihn in die nächste Rehabilitationsklinik. Dort war man mit ihm laut seinen Aussagen überfordert, weil er noch ein Pflegefall war und noch nicht bereit für die Reha.

Besorgnis auch beim Personal

Doch nicht nur Patienten reklamieren. Auch das Pflegepersonal zeigt sich besorgt. «Immer wieder wird in den Aufenthaltsräumen des Pflegepersonals getuschelt, dass jemand viel zu früh und in bedenklichem Zustand gehen muss», erzählt eine Spitalsekretärin, die anonym bleiben möchte. Sie habe solche Fälle auch persönlich mitbekommen. Und: «Ich weiss, dass andere Abteilungen die gleichen Probleme haben», sagt sie.

Gemäss dem Verband der Schweizer Ärzte (FMH) gibt es noch keine Studie, die die Verweildauer in den Spitälern unter der Fallpauschale untersucht habe. Der Kostendruck auf die Spitäler sei aber hoch und es werde weiter daran geschraubt. «Dies führt dazu, dass in den kommenden Jahren der Druck auf die Spitäler, ihre Ärzte und Pflegenden weiter zunimmt», sagt Mediensprecherin Jacqueline Wettstein. Zentral sei, dass der Arzt entscheide, wann der Patient aus dem Spital austritt. «Es darf nicht sein, dass er von der Spitalleitung oder den Krankenversicherern dazu gedrängt wird.»

Bei Santésuisse, dem Branchenverband der Krankenkassen, kann man sich vorstellen, das die Spitäler noch nicht überall eine Routine entwickelt haben und es darum zu frühzeitigen Entlassungen komme. «Vielleicht muss auch eine Zwischenlösung aufgebaut werden, wo eine Akutpflege nicht mehr nötig ist», sagt Mediensprecherin Anne Durrer. Dies sei aber Aufgabe der Kantone.

Eine Million Patienteneintritte pro Jahr

Der Spitalverband Hplus wiegelt ab. Es gebe Richtlinien, die eine so genannte «blutige Entlassung» verhindern. «Wird ein Patient zu früh entlassen und muss deswegen danach nochmals hospitalisiert werden, so kann ein Spital die erneute Hospitalisierung nicht nochmals verrechnen», sagt Direktor Bernhard Wegmüller.

Bei SwissDRG, das die Fallpauschalen erarbeitet hat und weiterentwickelt, geht man von Einzelfällen aus, die sich leider nie gänzlich vermeiden lassen. In der Schweiz gebe es pro Jahr etwas mehr als eine Million Patienteneintritte. Und: «Eine erste Auswertung hat gezeigt, dass die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem nach wie vor sehr hoch ist», sagt Geschäftsführer Simon Hölzer. Ausserdem hätten alle bisherigen Ergebnisse der Begleitforschung ein positives Bild gezeichnet.

*Namen geändert.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Also ich wurde vor 4 Wochen an der Bandscheibe operiert und ging nach 5 Tagen nach Hause. Mir wurde sogar nahegelegt noch übers Wochenende zu bleiben....wollt ich aber nicht. Obwohl ich mich sehr gut aufgehoben fühlte. Ein grosses Lob ans Spital Zollikerberg!! Sehr zu empfehlen.... – Sandra E.

Ich wurde vor etwa 5 Jahren im Triemli Operiert und war sehr zufrieden. Ich hatte ein eigenes Zimmer und das Personal war super. Ich erfuhr dort, dass die Aerzte recht lange Arbeitstage haben und war darüber erstaunt, wie freundlich sie trotzdem waren. Trotzdem wollte ich raus und in die Reha und hätte aber wegen Fieber fast länger bleiben müssen, durfte aber dann doch gehen. Wenn man krank ist ist man natürlich psychisch belasteter, aber wenn ich zurückdenke, war ich sehr zufrieden. Aber vermutlich ist nicht jeder fall gleich – Bruno

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Krankenschwester am 20.02.2013 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel erreicht !

    Ich sage nur Fallpauschale sei Dank. Und das das nicht funktionieren kann, weiss man schon von Deutschland. Aber da ging es halt mal wieder nur um den Profit. So gesehen: ein riesiger Erfolg! Den Politiker ist es egal. Die sind alle privat versichert und können sich eine gute Versorgung immer noch leisten.

  • peter-brunner interlaken am 19.02.2013 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Heute oder morgen...

    Ich war jetzt gerade im Spital Interlaken. Pflege und Personal super. Der Chefarzt bot mir an: Sie können schon Heute nachhause gehen oder wenn sie wollen auch erst morgen. Das ist noch Service, was????

  • Kira Meili am 20.02.2013 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Teuerer ist halt besser in der KK

    Es ist nun mal so wer mehr zahlt darf auch länger bleiben. Die Grundversicherung beinhaltet dank Ruth D. sowieso viel zu viel. Wer besser behandelt werden will zahlt eben wie ich Privat ein. Habe die KK noch nie in Anspruch genommen bin aber froh bin ich gut versichert. Fahre auch nicht 3x in die Ferien wie andere dafür lieber ihr Geld ausgeben. Nicht klönen sonder richtig wählen was es mir im Notfall eben auch wert ist. Könnte auch viel Geld sparen und Konsumtrottel spielen -

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kira Meili am 20.02.2013 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Teuerer ist halt besser in der KK

    Es ist nun mal so wer mehr zahlt darf auch länger bleiben. Die Grundversicherung beinhaltet dank Ruth D. sowieso viel zu viel. Wer besser behandelt werden will zahlt eben wie ich Privat ein. Habe die KK noch nie in Anspruch genommen bin aber froh bin ich gut versichert. Fahre auch nicht 3x in die Ferien wie andere dafür lieber ihr Geld ausgeben. Nicht klönen sonder richtig wählen was es mir im Notfall eben auch wert ist. Könnte auch viel Geld sparen und Konsumtrottel spielen -

    • Susanne am 21.02.2013 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      Keine 2. Klass Medizin

      Liebe Kira! Privat versichert sein gibt ihnen nicht das Recht auf bessere Behandlung. "Besser" behandelt werden sie nur, weil man bei privat versicherten das Geld holen kann. Da wird auch gerne eine unnötige Untersuchung durchgeführt, was wiederum die Kosten im Gesundheitwesen steigen lässt. Also sind in diesem Fall genau genommen die privat versicherten Schuld an den verursachten Kosten. Ich bin selber auch Fachangestellte Gesundheit & behandle alle gleich. Verstehe nicht, weshalb ich jemanden bevorzugt oder besser behandeln soll. Diese Meinung von vielen halb-/privat Vers. nervt gewaltig

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  • Krankenschwester am 20.02.2013 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel erreicht !

    Ich sage nur Fallpauschale sei Dank. Und das das nicht funktionieren kann, weiss man schon von Deutschland. Aber da ging es halt mal wieder nur um den Profit. So gesehen: ein riesiger Erfolg! Den Politiker ist es egal. Die sind alle privat versichert und können sich eine gute Versorgung immer noch leisten.

  • Elisabeth K. am 19.02.2013 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Auf ein Wort

    Dieses Gesundheitssystem ist nicht perfekt, vielleicht auch nicht gerecht, aber es ist das Beste, das man haben kann.

  • KSW patient am 19.02.2013 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt auch positive beispiele!

    Ich, allgemein versichert ohne spitalzusatz oder sowas, hatte im 2012 eine grosse OP und war sehr zufrieden mit der Betreuung, dem Entlassungsdatum und allem drum und dran.

  • Lisa 1134 am 19.02.2013 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Ich komme aus dem gesundheits bereich und wir müssen uns damit abfinden, das wir immer früher nach einer operation entlassen werden ob wir es wollen oder nicht

    • Mescador am 20.02.2013 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      Zukunft

      Nein Lisa - damit muss man sich nicht abfinden, weder als Patient noch als Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Gegen solches rein profitmaximiertes Gebaren ist vorzugehen - wir sind immer noch in einer Demokratie. Bisher wurde reinen "Managemententscheiden" einfach kein "Widerstand" entgegengesetzt - das muss sich ändern.

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