Zürcher vor Gericht

04. Dezember 2012 14:06; Akt: 04.12.2012 14:31 Print

«Witz» auf Facebook - drei Wochen Knast

Er hatte via Facebook seinen Freunden mit Mord gedroht, weil sie ihm nicht zum Geburtstag gratuliert hatten. Die Polizei verhaftete ihn darauf. Nun sprach ihn auch das Bezirksgericht Zürich schuldig.

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Das Bezirksgericht Zürich hat am Dienstag einen 22-jährigen Zürcher wegen «Schreckung der Bevölkerung» verurteilt. Der Gymnasiast kündigte seinen 290 «Freunden» auf Facebook an, dass er sie alle vernichten werde, weil sie ihm nicht zum Geburtstag gratuliert hatten.

Das Gericht verurteilte den jungen Mann zu einer unbedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 10 Franken. Aufgeschaltet wurde die Statusmeldung am 22. März, als der offenbar frustrierte Gymnasiast an seinem Geburtstag vor dem Computer sass.

Auf seinem Profil kündigte er allen «Freunden» an, dass er es ihnen zurückzahlen werde, wenn sie sich heute nicht über seine Geburt freuen würden. Das sei keine Frage der Freundlichkeit, sondern eine Frage von Respekt und Ehre. Jetzt könne sie niemand mehr schützen. «Päng, Päng, Päng», beendete er seine Statusmeldung.

Schulleiter informierte die Polizei

Eine Mitschülerin informierte umgehend den Schulleiter, der wiederum die Polizei einschaltete. Bereits am nächsten Tag nahmen Fahnder der Stadtpolizei den jungen Mann fest. Er wurde für drei Wochen in Untersuchungshaft gesteckt und psychologisch betreut. Ein Experte beurteilte ihn als «nicht gefährlich».

Die Staatsanwaltschaft leitete dennoch eine Untersuchung ein. Der Angeklagte argumentierte vor Gericht vergeblich, dass es sich nur um einen unüberlegten Witz gehandelt habe. Die Kollegen hätten über den Inhalt denn auch nur gelacht, sagte er. Er kritisierte zudem den Schulleiter, der die Polizei informiert hatte.

Der junge Mann stritt ab, dass es sich um einen angekündigten Amoklauf gehandelt haben soll. Auch sein Verteidiger sprach von einem zynischen Witz, der nicht die Öffentlichkeit, sondern nur die «Freunde» erreicht habe. Das Bezirksgericht sah es anders und sprach ihn schuldig.

Keine Absicht «tatsächlich zur Tat zu schreiten»

Der Vorsitzende bezeichnete die Äusserungen als «geeignet, viele Leute zu ängstigen». Andererseits sprach er auch von einem «leichten Verschulden», da der Schüler wohl nicht die Absicht verfolgt habe, tatsächlich zur Tat zu schreiten. Trotzdem sei ein Freispruch nicht angebracht.

Die Strafe wurde unbedingt verhängt, weil es nicht die erste war, die der heute arbeitslose Mann kassierte. Er hat bereits eine Vorstrafe wegen einer Drogenfahrt mit einem Auto auf dem Kerbholz.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R2D2 am 04.12.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Verwarnung hätte gereicht

    Eigentlich müsste ich nun extrem Angst haben da in meinem Leben schon oft die Worte gefallen sind "Ich mach Dich kalt... " oder so ähnlich, vor allem als ich noch jung war und zum Beispiel die Freundin meines Freundes mit mir in den Augang ging ohne ihm etwas zu sagen, wir einen beispielsweise einen Uni-Freund versehentlich nicht an eine Party eingeladen hatten oder im Militärdienst mal nicht alles so gelaufen ist wie vorgesehen etc. Ich bin heute, trotz "Todesdrohungen fast 60 Jahre alt" :-) Eine Verwarnung hätte aus meiner Sicht gereicht.

  • Le Greffier am 05.12.2012 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    @t.d. unten

    Du hast es erlickt! Du hast ein ganz wichtiges Detail genau herausgepickt. Das was Du sagst ist ein winzig kleiner Teil dessen, was mit diesem Typen los ist. Und auch die Frage unten, wieso der an seinem Geburtstag vor dem PC sitzt, ist ein Teil von diesem bestimmten Ganzen. Dieses Urteil ist absolut durchdacht und gerechtfertigt.

  • Röbi am 04.12.2012 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    SEHR GUT!

    Wäre etwas passiert hätten alle gejammert, warum niemand eingeschritten ist! Es ist ein uraltes Prinzip: wenn ich jemandem mit dem Tod bedroht, auch nur aus Spass (womit man definitv keinen Spass macht), und derjenige stirbt tatsächlich, dann hat man ganz schlechte Karten. Und dass man gegen Menschen nicht einfach so Todesdrohungen auszusprechen hat, gehört in jede gute Kinderstube, und ist ein Frage der Erziehung. Jeder sollte sich über die Tragweite seiner Äusserungen im Klaren sein. Fehlt dazu die Intelligenz, kann es unangenehme Folgen haben. Zuerst denken, dann handeln.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Le Greffier am 05.12.2012 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    @t.d. unten

    Du hast es erlickt! Du hast ein ganz wichtiges Detail genau herausgepickt. Das was Du sagst ist ein winzig kleiner Teil dessen, was mit diesem Typen los ist. Und auch die Frage unten, wieso der an seinem Geburtstag vor dem PC sitzt, ist ein Teil von diesem bestimmten Ganzen. Dieses Urteil ist absolut durchdacht und gerechtfertigt.

  • Der Vollstrecker am 05.12.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    @Daniel Lenzin

    Ja sicher bin ich hier so anonym. Aber ich bin keiner von denen, die so dumm aggressiv über etwas motzen, das sie nicht verstehen. Wenn ich was zu motzen habe, dann nenne ich auch meinen Namen.

  • Florian Mauchle am 04.12.2012 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgsdelikt

    Eigentlich erstaunlich, dass das Bezirksgericht hier den Erfolg gem. Art. 258 StGB bejaht hat - haben so viele die Drohung ernst genommen? Bin gespannt auf die Urteilsbegründung

  • M. Z. am 04.12.2012 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wegen "Päng, päng, päng" Knast?

    Meine Güte, da habe ich ja mehrmals viel Glück gehabt. Wenn ich hier jetzt "Bombe" schreibe, kommt auch gleich die Polizei vorbei und verhaftet mich? Hoffentlich nicht - Päng, Bum, Bäng! (1. August-Knaller!) ;-) lächerlich

  • Sunny am 04.12.2012 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Entscheidung

    Jede Drohung sollte bestraft werden und nicht erst warten, bis schlimmeres passiert. Und gerade als Gymnasiast sollte man etwas mehr über die Folgen einer solchen Aussage bewusst sein.