Brockenhaus verzeigt

18. Dezember 2012 00:04; Akt: 18.12.2012 00:04 Print

Ärger wegen fehlender Preisschilder

von Roman Hodel - Weil Preisschilder teils fehlten, hat die Stadtpolizei das Brocki-Land in Zürich-Wiedikon verzeigt. Jetzt setzen sich sogar Politiker für das Brockenhaus ein.

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Im Brocki-Land Steinstrasse gibts neu alles für drei Franken – hier Mitarbeiterin Titâna Costa. (Bild: rom)

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Polstersessel, Aquarell-Bilder oder Cüpli-Gläser im 6er-Pack – egal, was man im Brocki-Land an der Steinstrasse kauft, alles kostet neu nur noch drei Franken. «Die Kunden freuts, dafür ist unser Umsatz so sehr eingebrochen, dass ich 13 meiner 62 Mitarbeiter entlassen muss», sagt Inhaber Mike Morf. Was ist passiert?

Jahrzehntelang konnte man im Brocki-Land feilschen, Preise an den Gestellen gabs nicht. Doch letzten Januar verwarnte die Stadtpolizei das grösste Brockenhaus der Stadt. Grund: Gemäss Preisbekanntgabeverordung des Bundes müssen alle Waren ausgezeichnet werden. Morf reagierte mit Preisangaben an den Gestellen. Bei einer weiteren Kontrolle letzten Oktober waren die Detektive aber erneut unzufrieden: So fanden sie etwa Gürtel in einer Kiste, die mit «Unterhosen 1.–» beschriftet war. Daraufhin wurde Morf verzeigt. «Der Einheitspreis war der einzige Ausweg aus der Misere», sagt er. «Jeden Artikel einzeln auszeichnen wäre für uns viel zu aufwändig.» Morf wundert sich ohnehin, weshalb seine langjährige Preispraxis nun plötzlich beanstandet wurde.

«Die Verfehlungen haben Detektive der Stadtpolizei im Rahmen ihrer üblichen Kontrollen festgestellt», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. «Grundsätzlich hätten sie das Brockenhaus schon bei der ersten Kontrolle verzeigen können.» Man habe jedoch zunächst verwarnt und das Gespräch gesucht.

Rückendeckung von der SP

Bei der SP hat man kein Verständnis für das Vorgehen und deshalb im Stadtparlament eine dringliche Schriftliche Anfrage eingereicht: «Die Polizei hätte mehr Augenmass walten lassen können – ein Brockenhaus ist kein gewöhnlicher Laden», sagt SP-Gemeinderätin Mirella Wepf. Vor allem, weil dort Menschen arbeiteten, die auf dem regulären Arbeitsmarkt wenig Chancen auf einen Job hätten. «Deshalb möchte ich, dass der Stadtrat hier nochmals genauer hinschaut.»

Morf erhofft sich vom Vorstoss, dass wenigstens die Mitarbeiter, die er entlassen musste, irgendwo wieder eine Stelle finden. «Und am liebsten würde ich wieder so geschäften können wie früher.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Meienhofer am 19.12.2012 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Rückendeckung durch diejenigen,

    die für diese Bundesverordnung mitbestimmt haben? Wissen diese Politiker eigentlich noch, was sie tun? Gesetze und Verordnungen werden schliesslich von ihnen gemacht und auch durchgesetzt. Und wer beinahe ein Jahr für die Umsetzung wartet, ist ja selber schuld -

  • ohne preis am 18.12.2012 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    preisschild

    schaut mal in die schmuckläde an der bhfstrasse, da hats auch keine preisschilder!

  • Roadrunner am 18.12.2012 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer kontrolliert die Warenhäuser?

    Kontrolliert doch einmal die grossen Warenhäuser in der Schweiz. Doch nervt man sich wirklich über nicht angeschriebene oder gar falsch angeschriebene Preisschilder. Aber das geht in die gleiche Kiste, wie man im Nationalrat über Plastiksäcke debattieren kann, statt über Notwendiges, was geändert werden müsste.

  • Peter (kinsky) Kälin am 18.12.2012 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    man weiss es ja......

    Anstelle ein Brockenhaus zu kontrollieren,gebe es noch viel mehr vielleicht gefährlichere Arbeit für die Detektive,aber lieber Menschen mit wenig Chancen,in der Arbeitswelt haben,dies auch noch zu vermiesen.Oder hat einfach wiedermal ein Snob im Nadelstreifenanzug reklamiert und eine Machtdemo vom Stapel gelassen......und schon wird "ghösselet"

  • Carol am 18.12.2012 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Da wird auf einem herum gehackt, der 100% mit fairen preisen arbeitet und Menschen beschäftigt, die sonst keine Arbeit hätten. Im Gegenzug sehe ich immer wieder Schaufenster-Auslagen, wo weit und breit kein Preis sichtbar ist, mit denen aber satte Gewinne erzielt werden. Wo schauen die Detektive da in? Sozialverträgliches wird mit allen Mitteln ausgerottet!

    • momus am 18.12.2012 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      recht hast du....

      und da wo es weniger menschlich zu und her geht, killt eine "Kostenstelle" jegliche Sozialkompetenz zwischen Mitarbeitern... weil wieso jemandem helfen wenn ich es nicht verrechnen kann (gibt nur ärger mit dem Chef). Danke an alle "Human Resource" Mitarbeiter.... da beginnt das ganze unding mit einem sehr kalten Wortverbund, der Menschliche Resourcen.

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