Kanton Zürich

17. April 2018 10:03; Akt: 17.04.2018 10:03 Print

Die Strasse ist eine Todesfalle für Biber

120 tote Biber haben Wildhüter im Kanton Zürich in den letzten sechs Jahren entdeckt – 100 davon allein im Weinland. Viele von ihnen sind im Strassenverkehr gestorben.

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Strasse überquert, vom Auto übersehen, und schon ist das Biberleben vorbei. Das passiert im Kanton Zürich immer wieder. Mindestens 9 Biber sind im Kanton Zürich zwischen dem 1. April 2017 und dem 31. März 2018 dem Strassenverkehr zum Opfer gefallen. Laut der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung wurde zudem 1 Tier von einem Zug überfahren. Bei weiteren 11 Tieren lässt sich die Todesursache nicht genau bestimmen.

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Sollte der Kanton die Biber auf den Strassen besser Schützen?

Wie die «Zürichsee-Zeitung» schreibt, werden etwa 80 bis 90 Prozent der toten Tiere im Zürcher Weinland gefunden, der Biberhochburg im Kanton. Von 120 toten Bibern im Kanton haben Wildhüter in diesem Gebiet in den letzten sechs Jahren 100 registriert. Auch hier war gemäss der Zeitung die häufigste Todesursache der Strassenverkehr.

Kein Grund zur Beunruhigung

Gemäss Urs Wegmann, Leiter der Biberfachstelle des Kantons Zürich, hat dies zum einen damit zu tun, dass Biber im Alter von zwei Jahren ein neues Revier suchen. Dabei überqueren sie bei ihrer Wanderschaft nicht selten stark befahrene Strassen. Zum anderen versuchen die Tiere auch bei der Nahrungssuche in landwirtschaftlichen Kulturen auf die andere Strassenseite zu gelangen. Sie verspeisen nämlich auch gern Zuckerrüben, Mais oder Getreide. Weil Biber dämmerungs- und nachtaktive Tiere und an Land eher behäbig unterwegs seien, sei das Risiko, dass sie überfahren werden, erhöht, so Wegmann.

Massnahmen, mit denen Biber vor den Autos geschützt werden könnten, zum Beispiel Zäune, Schilder oder Rampen, sind laut Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung aber nicht geplant. Obschon die Zahl der tot aufgefundenen Tiere seit 2011 zugenommen habe, bestehe kein Grund zur Beunruhigung, denn die Zahlen bewegten sich noch im normalen Rahmen.

Zahl der Opfer stark angestiegen

Trotzdem ist die Zahl der tot aufgefundenen Biber im Kanton in den letzten Jahren viel stärker angestiegen als das Populationswachstum im gleichen Zeitraum. 2011 wurden zwei tote Biber registriert, 2016 waren es schon über 20. Schätzungsweise leben mittlerweile etwa 400 Tiere im Kanton.

Philip Taxböck, Biberfachmann und Projektleiter bei Pro Natura, ist deshalb dankbar für Hinweise aus der Bevölkerung, wenn in einem Gebiet besonders viele Biber sterben. So könnte man gemeinsam mit dem Kanton versuchen, neuralgische Stellen für Biber sicherer zu machen. Das ist in Nachbarkantonen bereits geschehen, wo etwa Schilder auf gewissen Strassenabschnitten auf die Tiere aufmerksam machen.


(som)