Zürcher Strassenstrich

16. Oktober 2012 08:21; Akt: 17.10.2012 12:34 Print

Frauen bedienen bis zu 30 Freier pro Nacht

Die Situation der Prostituierten am Sihlquai ist desolater denn je. Die Frauen werden missbraucht und ausgenutzt. Viele von ihnen arbeiten bis zu 70 Stunden pro Woche.

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Rund 30 bis 40 Prostituierte stehen jeden am Abend am Zürcher Sihlquai herum und warten auf Kundschaft. (Bild: Keystone/Archivbild)

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Die Stadt Zürich legt eine neue Studie zum grössten Schweizer Strassenstrich vor, die zeigt, wie elend der Alltag der Frauen wirklich ist. Dabei hat sie 120 Prostituierte zu ihrer Situation befragt. Fast alle sind Roma und stammen aus Ungarn.

Etwa die Hälfte der Frauen lebt in einer Beziehung, 60 Prozent haben Kinder. «Häufig ist das, was die Frauen verdienen, das einzige Einkommen für die ganze Familie. Doch sehen sie selber meist nicht viel vom Geld», sagt Michael Herzig vom Sozialdepartement der Stadt dem Nachrichtenmagazin «10vor10». Die Studie zeigt auf, dass die Frauen ausnahmslos aus sehr armen Verhältnissen kommen.

Bis zu 70 Stunden Arbeit pro Woche

«Es ist ein harter und gefährlicher Job. Die Prostituierten arbeiten bis zu 70 Stunden pro Woche», so Herzig weiter. Viele stehen jeden Tag am Sihlquai, laut Studie bedienen sie durchschnittlich 6 bis 7 Männer pro Nacht. Die Angaben reichen aber bis zu 30 Männern pro Nacht. «Der finanzielle Druck ist riesig, meistens sind sie stark verschuldet und nicht lange in der Schweiz. Das heisst, sie müssen unbedingt hier Geld verdienen, deshalb stehen sie so oft wie möglich auf der Strasse.»

Dass so viele Ungarinnen auf dem Strassenstrich arbeiten, erklärt sich Streetworkerin Lea Bösiger vor allem mit rechtlichen und finanziellen Gründen. «Die Frauen bekommen rasch eine Arbeitsbewilligung, es ist für sie relativ leicht, dort zu arbeiten. Dazu müssen sie nicht viel investieren – das ist für jemanden, der sehr arm ist, von grossem Vorteil», sagt sie «10vor10». Schon ab 50 Franken können Männer Oralsex verlangen, der Strassenstrich gilt im Milieu als unterste Stufe der Prostitution.

Viele der Frauen haben sich schon in ganz jungen Jahren prostituiert, bereits mit 12 Jahren die ersten Freier gegen Geld befriedigt. Oft nehmen sie während der Arbeit Drogen. 80 Prozent der Frauen geben an, dass sie sofort aussteigen würden, wenn sie nur könnten.

Gewalt und Schikane

Schockiert zeigt sich Michael Herzig von den vielen Berichten über Gewalt und Pöbeleien auf dem Strassenstrich. Die Frauen gaben etwa an, mit Gegenständen beworfen, bespuckt und belästigt zu werden. Es soll sogar Fälle geben, wo Frauen mit giftigen Flüssigkeiten übergossen wurden.

Die Aussagen der Frauen sind erschreckend: «Ein Freier hat mich schlagen wollen. Und dann hat er mich mit Gewalt ausgezogen. Ich habe gedacht, dass ich sterben und meinen Sohn nie wieder sehen würde», wird eine der 120 befragten Frauen in der Studie zitiert.

Auch was die Wohnverhältnisse betrifft, werden die Ungarinnen schikaniert. Sie bezahlen laut der Studie horrende Mieten. Die Frauen gaben an, monatlich zwischen 2250 und 2700 Franken für ein Bett in einem Mehrbettzimmer zu bezahlen, wie «10vor10» berichtet.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 16.10.2012 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz im Wachstum

    Ich seh schon. Überall viel Arbeit.

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  • S.R. am 19.10.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    seid ehrlich!

    Mal ehrlich Männer, ist es schön oder aufregend mit einer Frau "zu schlafen" - eigentlich eher das Gegenteil ;-)) - welche dies beruflich tut, ausser wenn jemand auf Dominas oder sonst etwas Unübliches steht? Bin zwar eine Frau, doch kann ich mir nicht vorstellen, Sex mit jemandem zu haben, bei welchem 30 Leute davor "Gast" waren. Zudem man vielleicht noch damit rechnen muss, dass diese Person dies nicht freiwillig tut.

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  • Greg Inglid am 16.10.2012 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterstes niveau

    Nur die kränksten und gewaltbereitesten gehen dort vorbei sollte man doch mal eine razia bei diesen freiern vornehmen, kann ja nicht sein das normale leute so herablassend reagieren, wünschte die frauen hätten eine andere wahl

Die neusten Leser-Kommentare

  • S.R. am 19.10.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    seid ehrlich!

    Mal ehrlich Männer, ist es schön oder aufregend mit einer Frau "zu schlafen" - eigentlich eher das Gegenteil ;-)) - welche dies beruflich tut, ausser wenn jemand auf Dominas oder sonst etwas Unübliches steht? Bin zwar eine Frau, doch kann ich mir nicht vorstellen, Sex mit jemandem zu haben, bei welchem 30 Leute davor "Gast" waren. Zudem man vielleicht noch damit rechnen muss, dass diese Person dies nicht freiwillig tut.

    • F. am 20.10.2012 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naiv 

      Die wollen es nicht schön...wo lebst du eigentlich?

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  • Harry Hasler am 18.10.2012 00:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kostenteilung 

    Wo liegt denn dass Problem der Kostenteilung? Die Prostituierten verdienen doch genug, da ist es nichts als gerecht, wenn Andere, welche indirekt beteiligt sind, mitverdienen. So funktioniert Wirtschschaft. Eine Kellnerin gibt auch einen gewissen Prozenzsatz ihres Trinkgeldes ab. Warum sollte eine Prostituierte nicht das gleiche tun. Der Zuhälter beschützt sie ja auch vor unangenehmer Kundschaft. Und der muss ja schliesslich auch von etwas leben.

  • Stephan H. am 17.10.2012 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt da die Menschenwürde?

    Ein Teil der am Sihlquai arbeitenden Frauen sind Opfer von Menschenhandel oder wurden von "Bekannten" der Prostitution zugeführt und üben diese Tätigkeit widerwillen aus. Diese Frauen arbeiten unter widrigsten Umständen, das ist einfach nur menschenverachtend und unter jeder Würde - und das in einem Staat wie dem unseren - Schande! Wenn die Frauen zur Prostitution gezwungen werden und Sex widerwillen haben, so ist jeder Freier, der diese Dienste in Anspruch nimmt, ein potentieller Vergewaltiger und fördert indirekt den Menschenhandel. Es geht hier um Menschen und nicht um Ware!!!

  • R.Z. am 16.10.2012 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähigkeit

    Mal schauen, wie lange diese elende, grausame Schweinerei dauert, bis endlich aufgeräumt wird! Es hat sehr, sehr lange gedauert bis der Plattspitz und Letten geräumt wurden. Anscheinend hat die Zürcherbehörde wichtigere Projekte...

  • Mann am 16.10.2012 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eieier

    Das Problem sind die Freier. Ich - Mann - finde es absolut verachtenswert wie die Käuflichkeit von Körperöffnungen so selbstverständlich vorausgesetzt wird. Um 'lustvoll' abzuspritzen nimmt mann es in Kauf jemanden zu benutzen die unter grässlichsten Umständen hier auf dem Strich gelandet ist. Die Argumentation, keine Prostitution = mehr Vergewaltigungen ist eine Behauptung. Es bräuchte vielmehr einen bewussten Umgang mit Sexualität, auch wenn manchmal kein Gegenüber da ist. - Ein Recht auf 'Abschuss' gibt es nicht - im Gegensatz zum Recht auf Unversehrtheit. Sowohl physisch wie psychisch

    • Phill am 17.10.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Das glaube ich auch

      Vergewaltigung kommt vom Wort Gewalt, ist also hauptsächlich eine Ausübung von Gewalt und hat mit Sex nichts zu tun.

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