Zürcher Langstrassen-Quartier

09. Juli 2017 14:59; Akt: 10.07.2017 11:07 Print

Faustschläge, Tritte und Flaschen gegen Polizisten

Mehrfach wurden Polizisten bei Einsätzen in den letzten Tagen angegriffen und verletzt. Die Stadtpolizei Zürich spricht von einer «ungewöhnlichen Häufung».

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Ausnahmezustand herrschte am Wochenende im Zürcher Langstrassen-Quartier. Rund 350'000 Besucher waren am Caliente Festival unterwegs. Die meisten friedlich. Doch es gab auch andere. In der Nacht auf Samstag gegen 2 Uhr kontrollierte die Polizei bei der Piazza Cella einen 19-jährigen Schweizer, der zuvor eine Patrouille beschimpft und auf ein Polizeiauto eingeschlagen hatte. Dabei griff der junge Mann einen Polizisten an und verletzte ihn leicht. Der Angreifer wurde mit Reizstoffspray gebändigt.

In der Folge solidarisierten sich diverse Personen mit dem 19-Jährigen, in dem sie die Polizisten bedrängten und Flaschen nach ihnen warfen. Ein Aussenstehender schlug einen Polizisten gar mit Fäusten und Fusstritten. Dieser wurde am Kopf verletzt und musste ins Spital. Inzwischen erhielt die Patrouille Verstärkung. Die Einsatzkräfte konnten «die aggressive Menge» schliesslich mit Reizstoff distanzieren, wie die Stadtpolizei Zürich mitteilte. Insgesamt vier Männer im Alter von 19 bis 28 Jahren wurden verhaftet. Sie stammen aus der Schweiz und Deutschland.

Verdacht auf illegale Drogen

Zu einem weiteren tätlichen Angriff gegen Polizisten kam es gegen 8 Uhr unweit der Piazza Cella, an der Ecke Diener-/ Tellstrasse. Eine Patrouille kontrollierte einen Mann wegen Verdachts auf illegale Drogen. Dieser verhielt sich zunehmend aggressiv, konnte aber «mit vereinten Kräften» festgenommen werden. Auch hier solidarisierten sich dazugekommene Personen mit dem Verhafteten und griffen die Polizisten an. Zwei davon erlitten diverse Prellungen - einer wurde zusätzlich im Gesicht verletzt. Die Polizei verhaftete total zwei Männer im Alter von 24 und 26 Jahren, beides Schweizer.

Erst vergangenen Montag und Dienstag waren in der Stadt Zürich bei Einsätzen mehrere Polizisten ebenfalls angegriffen und teils verletzt worden. So musste eine Polizistin ins Spital und ist derzeit arbeitsunfähig. «Dass Polizisten im Einsatz angegriffen werden und sich insbesondere im Ausgehviertel Aussenstehende mit kontrollierten Personen solidarisieren ist leider nicht neu», sagt Stapo-Sprecherin Judith Hödl. «Eine derartige Häufung von solchen Vorfällen innerhalb von einer Woche ist allerdings ungewöhnlich und umso mehr zu verurteilen.» Alle Verhafteten seien in der Zwischenzeit der Staatsanwaltschaft zugeführt worden.

Beim Polizeibeamtenverband der Stadt Zürich beobachtet man die Entwicklung mit Sorge: «Zwar weiss man als Polizist, dass Pöbeleien und Handgreiflichkeiten zum Job gehören - doch irgendwo hat es Grenzen», sagt Vizepräsident Gabriel Allemann. Unverständnis herrsche im Korps vor allem über die meist milden Strafen bei Gewalttaten gegen Polizisten. «Diese müssten härter ausfallen, sonst haben sie gar keine Wirkung», so Allemann. Diesbezüglich hofft er auf Politiker und Staatsanwälte. Die zunehmende Gewalt gegen Polizisten ist eines von mehreren Themen, das seit einiger Zeit auch die polizeiinterne Arbeitsgruppe Pius beschäftigt. Der Schlussbericht steht noch aus.

(rom)