Firma von HSG-Absolvent

16. Dezember 2015 08:00; Akt: 16.12.2015 09:04 Print

Fairer Kaffee sorgt für frisches Brot in Äthiopien

Ein junger Zürcher mit Wurzeln in Äthiopien produziert dort mit einer eigenen Firma Kaffee. Mit dem Erlös finanziert der HSG-Absolvent in seinem Herkunftsland auch eine Bäckerei.

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Kaffee ist für viele ein Genussmittel, über das man nicht besonders nachdenkt. Nicht so für Desta Kebede (26) aus Zürich. Der gebürtige Schweizer mit äthiopischen Wurzeln interessiert sich seit seinem 18. Lebensjahr für die Produktion von Kaffee – nicht zuletzt im Heimatland seines Vaters, in Äthiopien.

Als es gegen Ende der Gymnasialzeit darum ging, ein Thema für die Maturitätsarbeit zu finden, kam Kebede daher rasch auf den Kaffee. «Anfangs dachte ich, ich würde – wie alle meine Kameraden – Stunden in der Bibliothek verbringen und am Schluss einfach eine Arbeit abgeben», sagt er. Bald wurde ihm aber klar, dass es so nicht funktionieren würde.

Die soziale Funktion des Kaffees

«Schon nach kurzer Zeit wusste ich, dass ich nach Äthiopien reisen muss, um mir vor Ort ein Bild zu machen», so Kebede. Da es für seinen Vater immer schon wichtig war, dass seine Kinder den Kontakt zum Heimatland nicht verlieren, war dieses Unterfangen auch nicht schwer auf die Beine zu stellen. «Ich reiste also in die Provinz Kaffa, das Ursprungsgebiet des Kaffees, und lernte, dass das Getränk so viel mehr sein kann als ein einfacher Wachmacher.»

Denn in Äthiopien werde Kaffee ähnlich zelebriert wie beispielsweise Tee in Japan. «Es gibt – manchmal mehrmals täglich – ganze Kaffeezeremonien, die eine wichtige soziale Funktion übernehmen», erklärt Kebede. So würden beim Kaffeetrinken Probleme gelöst, Streitereien geschlichtet und wichtige Gespräche geführt.

Gründung von Handelsunternehmen

Auch nach dem Abschluss der Maturitätsarbeit liess Kebede das Thema nicht los: «Der wirtschaftliche Hintergrund des Ganzen hat mich immer schon interessiert. Deshalb beschloss ich, Betriebswirtschaft an der HSG in St. Gallen zu studieren.» Dies legte für ihn den Grundstein für seine Abschlussarbeit, die sich wieder ganz um das Thema fairer Kaffeeanbau und vor allem -handel in Äthiopien drehte.

In diesem Rahmen entwickelte er ein Unternehmensmodell, das es erlaubt, Kaffee vom Produzenten bis zum Konsumenten direkt und fair zu vertreiben. Gleichzeitig gründete er das Handelsunternehmen DDK Group und später auch Desta’s Coffee. «Das faire und ganzheitliche Konzept funktioniert für uns gut, da wir tatsächlich vor Ort sein können, und immer wieder überprüfen, ob alles gut läuft», so Kebede.

Auch mit Nespresso-Kapseln

Mit seinem Konzept will er Qualität, Fairness, Nachhaltigkeit und Lifestyle verbinden. Eine wichtige Voraussetzung sei zudem Biodiversität im Anbau. «Biodivers heisst, dass Felder mit mehr als nur einem Saatgut bepflanzt werden. Das ist landwirtschaftlich gesehen viel nachhaltiger als eine Monokultur», sagt der Unternehmer. Zudem werde sichergestellt, dass 20 Prozent des Profits an Äthiopien zurückfliessen. Mit diesem Erlös konnten bereits Brotbäckereien gebaut werden, wo heute schon täglich 1500 Brote produziert werden und direkt an bedürftige Kinder in ausgewählten Schulen gehen.

«Zwar sind wir mit 20 Tonnen Kaffeeimport noch ein kleines Unternehmen, aber wir wollen weiterwachsen», sagt Kebede. Ziel sei es, in den nächsten zwei Jahren europaweite Bekanntschaft zu erlangen und danach weltweite. Dabei sollen ihn nicht zuletzt Kapseln helfen, die für Nespresso-Maschinen einsetzbar sind. Kebede: «Eine Kapsel Kaffee stellt genau ein Brot in Äthiopien sicher, das ist unser Give-and-Take-Aspekt – während man geniesst, gibt man etwas zurück.»

(zed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniele B. am 16.12.2015 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat's gepackt

    Perfekt. Dieser junge Mann hat trotz seines Alters entdeckt, worum es im Leben geht. Wir alle sollten uns inspirieren lassen.

  • Wut Bürger am 16.12.2015 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch HSG!

    Da sieht man es wieder, in St. Gallen wird nur der Shareholder Value gelehrt und alle Absolventen sind Abzocker! Moment mal... Jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr ;)

  • Rapinsel am 16.12.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    ich hoffe nur, dass beim angestrebten Wachstum Fairtraid und die soziale Verantwortung weiter überleben werden.. Etliche Beispiele zeigen, dass beim grösserwerden genau solche Dinge untergehen.. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt drum hoff ich jetzt einfach mal :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karem Albash am 16.12.2015 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Der Business Spirit den es braucht

    Da freut es mich umso mehr, dass Desta wieder als Aussteller am Schweizer Querdenker-Tag sein wird. Das ist genau der Business Spirit, den es heute und in der Zukunft braucht ;)

  • Gina Muck am 16.12.2015 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Initiative!

    Das ist doch eine sehr gut investierte Ausbildung und die Schweiz und Athiopien sollten stolz sein, dass Herr Kebede die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sinnvoll fördert. Ich würde den Kaffee sofort kaufen und auch in das Projekt investieren. Alles was die Situation der Menschen in Athiopien verbessert ist gut investiert ... ich verstehe diese ewigen Nörgler wirklich nicht!

  • der rechner am 16.12.2015 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    also bitte rechnet mal

    nur 20%??? gehts noch diesen menschen als gut hinzustellen? und diese 20% nur in projekte? warum nicht einfach in stetige lohnerhöhung? er behandelt sein eigenes mitvolk wie neugeborene.. schande über die schweiz die solche menschen produziert und sich mit lob krönen lassen den sie schlicht nicht verdienen. :) nicht mehr lange. :)

    • wieso Flüchtlinge? am 16.12.2015 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Doppelbürger

      wieso Schande über die Schweiz? er ist ja immer noch halber Äthiopier wie man sieht und sein Herz schlägt noch für dieses Land, so kann er vielleicht den vielen Flüchtlingen in seinem Land helfen und sie wieder zurückreisen lassen.

    • der rechner am 16.12.2015 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      also bitte..rechnet doch einfach.. :)

      lies nochmal die zahlen meiner rechnung. ich hoffe du kannst vokabeln auch lesen UND verstehen. ;) deine doppel-... stehen hier überhaupt nicht zur debatte. ;)

    • Das Universum am 16.12.2015 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Doppelerwürger du bist?

      Und dabei selbst reich werden so schnell wie niemand anderes von seinem Volk?Alles haben während die Anderen dort immernoch nichts haben? :) Klar. Sie waren ja nicht in der HSG. Denk daran wenn du das nächste Mal Brot isst.

    • Rapinsel am 16.12.2015 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Mich freut es...

      Das er biodivers anbaut, Fairness und Nachhaltigkeit versucht umzusetzen. Grundsätzlich also gut. Trozdem kann ich einen Punkt von der Rechner verstehen... Kindern Brot zu geben ist zwar sicher nicht komplett falsch, aber mir wäre lieber er würde was gegen Korruption und Hilfe zur Selbsthilfe leisten weil dieses Brotverteilen nur wieder neue Abhänigkeit schafft, dass nicht nur positive Folgen hat und schlussendlich ist es nicht mehr als reine Symtombekämpfung.

    • nicht der rechner am 16.12.2015 15:01 Report Diesen Beitrag melden

      besser als du

      eine firma muss als erstes profitabel sein. was er nun versucht ist einfach noch etwas soziales einzubringen und niemanden auszubeuten. ist schonmal besser als manch andere. also thumbs up von meiner seite.

    • Das Universum am 16.12.2015 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      Merkplatt

      Es gibt in unabhängigen Bioläden extrem viele verschiedene KaffeeSorten aus allen Ländern welche wirklich fair Entlöhnen. Aber dafür müsstet Ihr halt mehr bezahlen und da sind 20" dann schon viel viel viel screcklich zu viel!!! :D und dann noch das doppelte als fairtrade bezahlen? ne geht gar nicht ne! :D klar :)

    • Desta Kebede am 05.01.2016 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Rechnen ist gut! ;-)

      Hello :-) "Give a man a fish and you feed him for a day; teach a man to fish and you feed him for a lifetime" Wir handeln nach diesem Prinzip, wir verteilen also nicht nur Brote, sondern unterstützen in erster Linie mit Technologie- und Know-How Transfer die Brotproduktion. Das heisst es wurden auch schon Bäcker aus Deutschland nach Äthiopien geschickt, die den Leuten "best practices" gelehrt haben und zudem Maschinerien mitfinanziert und gesendet haben.

    • Desta Kebede am 05.01.2016 12:23 Report Diesen Beitrag melden

      Immer noch gut... :-)

      ...Zudem sichern wir die Existenz durch das, dass wir 1500 Brote pro Schultag abnehmen und direkt an bedürftige Kinder gehen (die wir mit dem Bildungsministerium und unabhängigen Organisationen eruieren, wo die Unterstützung von Zuhause finanziell fehlt) und die stark steigenden Lebensmittelpreise dem ärmsten Teil der Bevölkerung zu schaffen macht... So wollen wir direkt vor Ort unterstützen und die Gemeinschaft stärken sowie ein Geschäftsmodell zur Inspiration auch in Äthiopien vor Ort darstellen

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  • Konsument am 16.12.2015 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere Herr Desta Kebede, Super!

    Würde mich über ein Verbot von Firmen freuen, die nur Ausbeutung in Gewissen Länder betreiben, der Handel gehört in deren Hand im eigenen Land, so könnten wir auch viel Leid vermeiden. Nestle weiss von was ich schreibe. Hoffe das es bald soweit kommt das Firmen oder Menschen die nicht die Staatsangehörigkeit besitzen in solchen Länder keine Geschäfte mehr machen dürfen, vielen Verarmten Länder würde es Besser gehen, die Lebensqualität würde sich auch anheben, da das Geld denn Menschen zu gute kommen in ihrem Land

  • Walter Spahni am 16.12.2015 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklungshilfe die etwas bewirkt!

    Genau so muss das sein! Hoffentlich geht es in diesem Stil weiter.

    • Moni am 16.12.2015 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      Faire Entlöhnung sieht anders aus.

      Da wird nur einer Reich, die wirklichen Arbeiter haben vielleicht 2 Rappen mehr am Tag. Deckmatel Entw. Hilfe.

    • Markus am 16.12.2015 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      @Moni: Immerhin...

      2 Rappen mehr am Tag. Das verdoppelt den Lohn von ihnen ja schon fast ;-)

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