Demo für die «Limmatwave»

21. August 2009 21:52; Akt: 23.08.2009 00:12 Print

«Die Unterstützung ist je länger je besser»

von Amir Mustedanagic - Demo der besonderen Art: Der Verein «Stehende Welle» versammelt seine Anhänger am Samstag zu einer Kundgebung. Statt Fahnen und pfeifen, gibt es Neoprenanzüge und Surfbretts. Die Wassersportler demonstrieren zum vierten Mal seit 2004 für eine künstliche Welle - «und wir geben noch lange nicht auf», sagt Mitinitiant Philipp Kempf im Interview mit 20 Minuten Online.

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Surfen am Letten: Für die Initianten der stehenden Welle kein Traum. (Foto/Montage: Fabian Staehelin)

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In der Schweiz gibt es zwischen 5000 und 10 000 Surfer. Ihrem Hobby können sie aber nur bedingt in der Schweiz fröhnen. Der Verein «Stehende Welle» möchte das ändern - zumindest in Zürich. Ihr Ziel: Eine künstliche Welle mitten in der Limmat. Die Surfszene ist begeistert, die Anwohner interessiert und Geldgeber winken mit den Geldscheinen. Doch die Zürcher Politik lahmt, sagt Mitinitiant Philipp Kempf. Das eingereichte Postulat ist immer noch im Gemeinderat hängig.

20 Minuten Online: Herr Kempf, Sie demonstrieren zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren für eine stehende Welle in der Limmat. Warum geben Sie nicht auf?
Philipp Kempf: Wir haben uns vorgenommen, einen langen Atem zu beweisen. Das Flusssurfen ist eine Sportart, die man nicht kennt. In Zürich brauchen aber sogar populäre Sportprojekte wie das Hardturm-Stadion oder der Freestyle-Park Jahre, um realisiert zu werden. Wir geben also noch lange nicht auf, schliesslich heisst es doch: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das Projekt liegt seit 2004 vor. Wie weit ist es?
Das Postulat für die stehende Welle ist immer noch beim Gemeinderat hängig. Wir haben aber in der Zwischenzeit die Bewilligungsfähigkeit abgeklärt. Mit Erfolg: Das Projekt wurde als «bewilligungsfähig» eingestuft. Zudem konnten wir Kontakte zu Politik und Anwohnern knüpfen.

Mit welchem Resultat?
Ursprünglich wurden wir vor allem von Gerold Lauber sehr stark unterstützt. Inzwischen muss er sich dem Solidaritätsprinzip des Stadtrats unterordnen und somit seine eigenen Interessen zurück stellen. Wir konnten aber zahlreiche andere Exponenten verschiedenster Parteien für die Welle interessieren. Sogar einige Exponenten der SVP haben uns signalisiert, dass sie die Welle unterstützen könnten. Vorraussetzung sei, dass sie nicht vom Steuerzahler finanziert wird. Aber dass war gar nie unser Ziel. Ausserdem haben sich bereits einige Investoren und Interessengemeinschaften gemeldet. Die Unterstützung ist also je länger je besser und stärker. Wir haben die Schublade der komischen Projekte hinter uns gelassen. Die Leute haben erkannt, dass hinter der stehenden Welle keine Freaks stecken, sondern richtige Sportler.

Im vergangenen Jahr strampelten 200 Kanuten und Surfer an der Demo. Wie viele erwarten Sie am Samstag?
Wir erwarten etwa gleich viel Demonstranten wie 2008. Natürlich wäre es schön, wenn es mehr werden. Es ist auch jeder willkommen, der sich dafür einsetzen möchte. Einzige Vorraussetzung ist eine Schwimmhilfe. Ohne wird die Demo ziemlich anstrengend und zu gefährlich. Wir können nicht riskieren, dass jemand zu Schaden kommt.

Tatsächlich sind in diesem Sommer bereits zwei junge Menschen bei Bungee-Surfing-Unfällen ertrunken. Befürchten Sie nicht einen Imageschaden für das Flussurfen und ihr Projekt?
Wir werden für die beiden Surfer am Samstag eine Schweigeminute abhalten und die Gelegenheit nutzen, nochmals Sicherheitsfragen anzusprechen. Wir wollen Spass haben mit unserem Sport und keine Risiken eingehen. Es kann aber durchaus sein, dass die negativen Schlagzeilen unser Image beschädigt haben. Aber eigentlich nur, weil die Leute nicht wissen, dass es zwei unterschiedliche Sportarten sind. Flusssurfen ist weit weniger gefährlich als Bunggee-Surfen.

Wieso?
Wir verwenden keine Seile und sind in keiner Art mit dem Brett verbunden. Es kann sich somit auch niemand irgendwo verheddern und ertrinken. Ausserdem haben wir für die stehende Welle ein Sicherheitskonzept. Es wird immer ein Rettungsschwimmer anwesend sein und für Anfänger bestünde Helmpflicht. Risiken bleiben immer, aber wir könnten und würden sie minimieren. Die Limmatwave soll ein Gewinn für Zürich und die Sportszene sein und nicht ein Risiko.

Aufs Brett für die Limmatwave:
Start: 12:30 beim Bürkliplatz, Schwanenrampe. Die Route führt die Limmat hinab bis zum Platzspitz-Park. Weitere Infos: Limmatwave.ch.