Zoo Zürich

12. Juli 2017 09:31; Akt: 12.07.2017 14:22 Print

Fusstritt gegen Äffchen wegen Cocktail-Becher

Eine Zoo-Besucherin sieht, wie ein Mitglied des Freiwilligen-Teams des Zoos Zürich einem Roten Vari einen Fusstritt verpasst. Sie und weitere Augenzeugen sind schockiert.

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Mit ihrer Familie besuchte Maria P.* am vergangenen Sonntag den Zoo Zürich. In der Masoala-Halle beobachteten sie einen Roten Vari, der dort frei herumlaufen darf. Das Äffchen sass keck auf einer Notausgang-Leuchte, in den Pfoten vor sich einen leeren Cocktail-Becher mit zermatschten Früchten drin. «Viele Besucher zückten ihre Handys», sagt P. «Vor allem die Kinder hatten grosse Freude daran.»

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Plötzlich sei ein Zoo-Mitarbeiter aufgetaucht und fauchte den Roten Vari an: «Was machst du da?» Dann habe er dem Tier einen Fusstritt verpasst, sodass es auf den Baum flüchtete. «Dieses grobe Eingreifen hat uns alle schockiert», sagt P. Der Mitarbeiter sei danach verschwunden, die Augenzeugen hätten aber in der Folge noch mit einem anderen Mitarbeiter gesprochen. «Dieser meinte bloss, man müsse Tiere erziehen wie Kinder.»

P. findet das Verhalten beider Personen daneben: «Was sollen wir denn den Kindern, die den Fusstritt mitbekommen haben, sagen – dass eine solche Behandlung normal ist?»

«Fusstritt galt nicht dem Roten Vari»

Der Zoo Zürich stellt die Situation etwas anders dar: «Bei den angesprochenen Mitarbeitern handelt es sich um Mitglieder des Freiwilligen-Teams des Zoos», sagt Kurator Robert Zingg. «Sie befürchteten, es sei Alkohol im Becher.» Da sich der Vari nicht vertreiben liess, hätten sie den Becher mit dem Fuss wegkicken wollen. Das sei mit dieser Aktion nicht gelungen. Das Tier entfernte sich daraufhin.

Laut Zingg dürfte ein Roter Vari schon gar nicht an einen solchen Becher kommen – es gilt ein striktes Fütterungsverbot. Allerdings gibt es in der Halle eine Bar. «Die war am Sonntag geöffnet und ein Besucher hat den Becher wohl irgendwo stehen gelassen.» Er betont: «Der Fusstritt galt ganz sicher nicht dem Roten Vari.» Die Mitglieder des Freiwilligen-Teams würden die Äffchen bestens kennen. «Sie haben keinen Grund, Tiere zu belästigen – sie erfüllen vielmehr in der Halle auch eine Aufsichtsfunktion.»

*Name der Redaktion bekannt

(rom)