Attacke auf orthodoxen Juden

08. Oktober 2017 10:23; Akt: 08.10.2017 17:27 Print

Hohe Freiheitsstrafe für Neonazi Kevin G. gefordert

Bis zu 2,5 Jahre Gefängnis drohen Kevin G. für die Attacke auf einen orthodoxen Juden in Zürich. Ein zweiter der rund 20 Angreifer soll eine Geldstrafe kassieren.

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Auf dem Heimweg von einem Synagogen-Besuch in Wiedikon wurde ein orthodoxer Jude im Juli 2015 von Neonazis attackiert. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Sie waren teils angetrunken, kamen von einem Polterabend, dann passierte es: Rund 20 Rechtsextreme stellten sich im Juli 2015 in Zürich-Wiedikon einem orthodoxen Juden in den Weg. Dieser hatte gerade eine Synagoge verlassen und wollte nach Hause. Die Neonazis machten den Hitlergruss und schrien antisemitische Parolen. Der Anführer der Gruppe, der heute 29-jährige Kevin G., bespuckte und schubste ihn zusätzlich. Er ist in der Schweizer Rechtsextremen-Szene bestens bekannt, unter anderem als Sänger der Rechtsrock-Band Amok.

G. wird bald vor Gericht antraben müssen. Die zuständige Staatsanwältin Susanne Leu will laut «NZZ am Sonntag» nächste Woche Anklage erheben wegen Verstosses gegen das Antirassismusgesetz und wegen Beschimpfung und Spuckens, das als Tätlichkeit geahndet werden kann. Sie beantragt eine bedingte Freiheitsstrafe von sieben bis acht Monaten.

Da er wegen diverser einschlägiger Vorstrafen –darunter auch Körperverletzung – immer noch auf Bewährung ist, drohen ihm bis 2,5 Jahre Freiheitsstrafe. G. bestreitet die Taten in Wiedikon zwar vehement, doch gemäss Staatsanwaltschaft sind nicht nur die Aussagen von G. widersprüchlich: Das Opfer hat den mutmasslichen Täter bei einer Gegenüberstellung auch erkannt.

Schon als Jugendlicher in der Neonazi-Szene

Ein zweiter, an der Attacke beteiligter Täter ist hingegen geständig, den orthodoxen Juden beschimpft zu haben. Er kassiert per Strafbefehl eine Geldstrafe. Gegen drei weitere Beteiligte soll das Strafverfahren eingestellt werden, wie die «NZZ am Sonntag» weiter berichtet.

Der gelernte Metzger G. bewegt sich seit seiner Jugend in der Rechtsextremen-Szene und wurde schon früh gewalttätig. Im Jahr 2007, da war er 19, schlug er in Glarus einen Polizisten. G. wollte dort eine bewilligte Demo von Jungsozialisten stören. 2012 verprügelte er in einer Bar einen Betrunkenen, im selben Jahr auf einer Chilbi einen Kontrahenten. Zumindest seine Gesangskarriere bei Amok will er mittlerweile an den Nagel gehängt haben: Er mache keine Musik mehr, sagte er letzten November dem Tages-Anzeiger.

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