Kanton Zürich

03. September 2015 15:06; Akt: 04.09.2015 08:06 Print

Wolf im Zürcher Oberland in Fotofalle getappt

Bei Gossau ist ein Wolf in die Fotofalle eines Jägers getappt. Es ist das zweite Mal, dass ein solches Wildtier im Kanton nachgewiesen wurde. Die Bauern sind besorgt.

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Bei der Fischerei- und Jagdverwaltung waren Ende August mehrere Hinweise von Leuten eingegangen, die einen Wolf gesehen haben wollten. Die Fotoaufnahme des Jägers vom 26. August bestätigt diese Hinweise nun, wie die Zürcher Baudirektion am Donnerstag mitteilte. Der Jäger hatte die Bilder seiner Fotofalle am Mittwoch ausgewertet.

Geschlecht, Herkunft und Alter des Wolfs lassen sich aufgrund der Fotoaufnahmen nicht eruieren. Rissspuren wurden keine entdeckt. Es konnten auch keine DNA-Spuren gesichert werden, wie die Baudirektion schreibt. Es sei gut möglich, dass das Tier sich bereits nicht mehr im Kanton Zürich aufhalte.

Zweiter Wolf im Kanton Zürich

Umherziehende Wölfe können grosse Distanzen überwinden. Ob es sich beim in Gossau gesichteten Wolf um ein Tier des Rudels aus Graubünden handelt, ist unklar. Am Calanda-Massiv im Grenzgebiet zum Kanton St. Gallen lebt seit drei Jahren das erste in der Schweiz entdeckte Rudel. Diese Woche wurde auch die Bildung eines Wolfsrudels im Tessin bekannt.

Im Kanton Zürich ist es das zweite Mal, dass ein Wolf nachgewiesen werden konnte. Im Juni 2014 war in Schlieren ein Tier von einem Zug überfahren worden. Dieses stammte aus dem Rudel am Calanda.

Bauernverband: «Abschuss, sobald Wolf negativ auffällt

Man sei auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet, schreibt die Zürcher Baudirektion. Man fördere diese aber nicht speziell. Wer einem Wolf begegne, solle unbedingt Distanz wahren und sich zurückziehen. Beobachtungen seien der Fischerei- und Jagdverwaltung zu melden.

Wenig erfreut über den neusten Wolf ist Ferdi Hodel, Geschäftsleiter des Zürcher Bauernverbandes: «Wir sind der Meinung, dass Wölfe nicht in ein so dicht besiedeltes Gebiet wie Zürich gehören.» Die Gefahr für Tiere und allenfalls sogar für Menschen sei existent: «Wir werden die Bauern jedenfalls zur Vorsicht anhalten und empfehlen, dass sie ihre Nutztiere noch intensiver überwachen und kontrollieren, schliesslich geht es um den Schutz dieser Tiere.»

Er hofft, dass die Regierung den Wolf zum Abschuss freigibt, sobald der negativ auffallen sollte. Am liebsten wäre es ihm, wenn seine Ausbreitung jetzt schon verhindert würde: «Dazu muss man ihn nicht töten. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, den Wolf in Gebiete zu bringen, die ihm den passenden Lebensraum bieten.»

«Panik unangebracht»

Wenig Verständnis für die Aufregung hat derweil David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz: «Panik ist unangebracht, denn noch ist ja gar nicht klar, ob das Tier überhaupt hier bleibt.» Hinzu komme, dass die Nutztiere im Mittelland primär eingezäunt seien, anders als in den Alpen. «Daher dürfte es kaum zu gerissenen Tieren kommen», so Gerke.

Gewiss sei das Mittelland «halbwegs dicht besiedelt», doch Angst brauche man keine zu haben: «Ein einzelner Wolf kann selbst hier den Menschen gut ausweichen.» Woher das Tier stammt, kann Gerke nur vermuten: «Möglich ist, dass es aus dem Toggenburg kommt, wo zuletzt Wölfe gesichtet wurden und vielleicht ist es ein junges Tier aus dem Calanda-Rudel.»

(som/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • The Spectator am 03.09.2015 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschönes Tier

    Genial, Wölfe sind wunderschön und auch die brauchen einen Lebensraum. Einfach Super und ich hoffe der Wolf lässt die Schafe&Co in Ruhe :-)

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  • Andy am 03.09.2015 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Blitzer

    Was, die Blitzen nun schon die Wölfe im Wald....Wusste ja, dass die mom vermehrt Kontrolle machen, abr dass sie nun so weit gehen...!?!

  • melanie am 03.09.2015 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    einfach grossartig

    seeeeehr cool.ich hoffe,er bleibt eine weile bei uns :) dann können die bergler nicht immer den flachländern vorwerfen,dass sie sich nur mit dem wolf solidarisieren,weil wir ihn nicht haben müssen.wunderschöne tiere,mit denen wir zu leben leicht erlernen können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • KellerGerd am 09.09.2015 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super, endlich ein Wolf in Zürich. Ich wünsche mir Haifische im Zürichsee und Krokodile in der Limmat.

  • Rabe am 06.09.2015 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hühnerhaut

    Ich finde den Wolf ein schönes Tier. Sympathisch finde ich das die Tiere im Rudel leben und so eine eigene Gemeinschaft bilden. Trotzdem hätte ich bei einem Kontakt in der Natur mit einem Wolf Hühnerhaut!

  • pewi50 am 04.09.2015 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bürger an der Nase herum führen

    4/5 Dennoch rügt der Jagdinspektor einzelne Bergkantone, dass sie - Zitat: immer noch von der Vorstellung ausgehen, dass keine Wölfe eine Option sei. Das ist aber nicht mehr möglich. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir mit diesen Wölfen und Bären in Zukunft leben müssen und wollen. Zitatende. Da stellen sich dem Bürger ganz klar 2 Fragen: Weshalb eigentlich hat man in der Vergangenheit nie etwas von diesen Massakern gehört? Und wer sind wohl diese Vereinigungen, die solches wollen und Massaker an Tieren und auch Menschen dem Leben vorziehen?

    • Berner Bär am 09.09.2015 09:33 Report Diesen Beitrag melden

      @pewi50

      Auch wenn sie Grossraubtiere offensichtlich hassen: In den letzten 200 Jahren ist es in Europa nur gerade zu 8 Wolfsangriffen auf den Menschen gekommen, bei denen man die Initiative für den Angriff eindeutig dem Wolf zuordnen kann oder Vieles dafür spricht.

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  • pewi50 am 04.09.2015 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bürger an der Nase herum führen

    1/5 Vielleicht haben die vergangenen schönen Sommertage Sie auch eingeladen, eine Wanderung mit ihren Kindern in den schönen Schweizeralpen zu unternehmen. Aber was, wenn Sie dabei wie ein italienisches Ehepaar von einem Bären angegriffen und verfolgt worden wären? Oder Sie übernachten in einem Ferienhaus und hören, wie ein Bär die Glastüre zertrümmert, in die Speisekammer eindringt und sich an Kartoffeln und Brot gütlich macht?

  • pewi50 am 04.09.2015 22:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bürger an der Nase herum führen

    2/5 Dies ist leider nicht blosse Angstmacherei, sondern im vergangenen Winter in der Schweiz tatsächlich geschehen. Nun berichtete das Schweizerradio SRF1 in den 8:00-Nachrichten von heute morgen einmal mehr von dem Konflikt zwischen der Bergbevölkerung und den Stadtbewohnern bezüglich der Frage, ob Wölfe und Bären in der Schweiz überhaupt ihren Platz haben sollen.