«Er staucht die Köche zusammen»

06. Oktober 2017 10:52; Akt: 09.10.2017 10:02 Print

Rusticana-Wirt geht auf Bumann los

Der Seegräbner Rusticana-Wirt hat sich bei «Bumann, der Restauranttester» einen zweifelhaften Ruf eingebrockt. Jetzt kritisiert er die Sendung und die Arbeitsmoral in der Branche.

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Die «Bumann, der Restauranttester»-Episode über das Restaurant Rusticana in Seegräben ZH wurde nach der Ausstrahlung Mitte September heftig diskutiert. Grund: Spitzenkoch Daniel Bumann konfrontierte den Wirt Jürg Kammermann mit Vorwürfen, dass Löhne nicht pünktlich oder gar nicht bezahlt würden.

Eine junge Frau, die im Rusticana arbeitete, musste gar bis vor das Bezirksgericht, und auch ehemalige Angestellte der City-Video-Videotheken, wo Kammermann Chef war, klagten über verspätete oder nie erhaltene Lohnzahlungen.

Wirt fühlt sich von Bumann hinters Licht geführt

Gegenüber dem «Zürcher Oberländer» holt Kammermann nun zum Rundumschlag aus: «Seit der Ausstrahlung und der Berichterstattung über die Sendung kommen aus der Region so gut wie keine Gäste mehr», sagt der Wirt.

So habe er etwa schon zu Beginn der Sendung in die Kamera gesagt, dass man Betreibungen und arbeitsrechtliche Probleme habe – das sei aber rausgeschnitten worden: «Die Sendung ist darauf angelegt, das Negative zu zeigen», sagt Kammermann. Das bringe Einschaltquoten. Er fühle sich von Bumann hinters Licht geführt.

«Mir stinkt diese Arbeitsmoral»

Das Problem mit dem Personal des Rusticana würde sich mit dem Ansatz des Spitzenkochs ebenfalls nicht lösen: «Er staucht die Köche zusammen, damit sie machen, was er sagt.» In der Sendung funktioniere das, in der Realität aber nicht.

Generell beklagt sich Kammermann darüber, wie schlecht das Personal im Gastgewerbe teilweise arbeite: «Mir stinkt diese Arbeitsmoral.» Es sei schwierig, die Fähigkeiten der Bewerber im Vorhinein abzuschätzen.

Streit über Bestellungen – Bolognaise statt Stroganoff

So habe beispielsweise ein Koch Poulet Stroganoff als Sauce bolognaise zubereitet, und wiederum andere Köche hätten sich derart lautstark über die Bestellungen von Gästen geärgert, dass es die Gäste hörten. Aus Wut sei auch schon mal eine Pfanne durch die Küche geworfen worden, worauf der Gast das Lokal verlassen habe.

Die Probleme bei der Lohnauszahlung hätten auch mit Missverständnissen zu tun, wie Kammermann gegenüber dem «Zürcher Oberländer» erklärt. Da das Lokal nicht immer liquid sei, habe er den Lohn in Tranchen auszahlen wollen, was teilweise falsch verstanden worden sei. Zudem sei der Buchhalter im Frühling tödlich verunglückt. «Das hat zur grossen Unübersichtlichkeit in Sachen Lohnauszahlungen geführt», so der Wirt. Das sei mittlerweile aber geklärt.

Wie lange Kammermann im Rusticana weitermacht, lässt er offen. Aber: Zuerst will er das negative Bild wieder abschütteln – mit zwei neuen Köchen.

(20M)