Konkordat angenommen

05. November 2012 13:13; Akt: 05.11.2012 16:21 Print

Zürcher Hooligans werden härter angepackt

Der Kantonsrat Zürich hat dem Gesetz über den Beitritt zum verschärften Hooligan-Konkordat zugestimmt. Für Sicherheitsdirektor Mario Fehr ein «Instrumentarium für die Unverbesserlichen».

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Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

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Der Kanton Zürich befürwortet strengere Massnahmen, um Ausschreitungen bei Sportveranstaltungen einen Riegel zu schieben. Der Kantonsrat stimmte am Montag dem Gesetz zum Beitritt zum verschärften Hooligan-Konkordat deutlich zu.

Die Vorlage wurde mit 132 zu 23 Stimmen angenommen. Zu den Neuerungen gehören etwa eine Bewilligungspflicht für die Veranstalter von Spielen der obersten Liga, Vorschriften für die An- und Rückreise der Fans, Ausweiskontrollen, Körperdurchsuchungen oder ein Rayonverbot.

Verstossen die Veranstalter gemäss neuem Konkordat gegen die Auflagen des Kantons oder der Gemeinden - etwa beim Alkoholverkauf, bei Pyros, beim Transport der Gästefans oder beim Ticketverkauf - kann ein Spiel abgebrochen oder gar nicht erst angepfiffen werden.

Rayonverbote können mit dem neuen Instrumentarium zudem für bis zu drei Jahre verhängt werden statt wie bisher für ein Jahr. Schweizweit vereinheitlicht wurden die Zugangs- und Personenkontrollen.

«Instrumentarium für die Unverbesserlichen»

Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) hatte das neue Regelwerk der Kantone bei den Beratungen als «Instrumentarium für die Unverbesserlichen» bezeichnet. Dort, wo man auf Unverbesserliche treffe, sei der Staat verpflichtet, einzuschreiten.

Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) hatte sich Anfang 2012 auf die Verschärfungen geeinigt. Rechtskräftig ist das neue Konkordat erst in den Kantonen St.Gallen und Appenzell-Innerrhoden. In Uri läuft die Referendumsfrist. In Luzern ist die Vorlage auf Parlamentsebene hängig.

Inhaltlich kann ein Kanton am neuen Konkordat allerdings nichts ändern. Entscheiden kann er nur über Beitritt oder Nicht-Beitritt. Das letzte Wort haben wird im Kanton Zürich möglicherweise aber das Volk: Ein Bündnis aus verschiedenen Zürcher Fanlagern hat am Montag das Referendum gegen das Hooligan-Konkordat angekündigt.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • GC-Fan am 06.11.2012 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz!

    Ich bin häufig in der Kurve anzutreffen und gegen Gewalt in jeglicher Form. Warum ich (wohne im Freiamt) nun aber den Extrazug nehmen muss um in Luzern ins Stadion zu kommen ist ein Witz!

  • Friedlicher Sportfan am 05.11.2012 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Super, wurde auch Zeit

    Das ist ein sehr gutes Gesetz und muss unbedingt flächendeckend eingeführt werden.

  • C.M am 05.11.2012 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Repressionen fördern Gewalt..

    An all die lieben Leute die die kriminalisierung der Fussball Fans nur durch medien erfahren und keine einzige Stadionerfahrung haben sollten sich nicht an so einer Diskussion beteiligen, man sieht immer nur die Schattenseite, denn negative Nachrichten verkaufen sich besser.. Statistiken zeigen dass die Gewalt in und um dass Stadion abnimmt, und ihr ermöglicht ein Gesetz dass willkürliche Nacktdurchsuchungen erlaubt?! Repressionen haben gegen Gewalt vorprogrammiert.. Vielen dank! Ein Gesetz dass nichts bewirkt..

  • Johan am 05.11.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Symptombehandlung 2

    ... Nachts um 12 durch einen Bahnhof. Nein, sie sehen die Medial Hervorgehobene Berichterstattung und "reagieren" auf die einzelnen Artikel, welche bei den Lesern dank den tollen Bildern mit Pyros auch ankommen. Politik sollte auf Basis von aktuellem Geschehen passieren, und nicht auf Basis von medialer Berichterstattung. Aber Fernsehen und Zeitunglesen bildet, oder?

  • Johan am 05.11.2012 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Symptombehandlung 1

    Anstatt die Probleme bei der Wurzel anzupacken, was im übrigen von der Fanseite bereits seit Jahren an vielen Orten gut wirkt, muss sich die Politik auf eine Symptombehandlung festlegen, welche sich auf alle Fans, 99.9% davon gute, liebe und harmlose auswirkt. Es ärgert mich, dass die Politik Probleme schafft, welche gar nicht existieren. Würden die Medien mal von den zahlreichen Raubüberfällen an Bahnhöfen in diesem Umfang berichten, wie über das Hooligentum, würde die Politik vielleicht mal solche Probleme anpacken. Aber diese Damen und Herren gehen weder an ein Fussballspiel, noch gehen sie

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