Winterthur

12. Mai 2017 19:43; Akt: 24.08.2017 14:01 Print

An'Nur-Präsident wurde aus U-Haft entlassen

von J.Furer - Drei Monate nach dem Angriff auf zwei Männer in der An’Nur-Moschee befinden sich noch sieben Verdächtige in Haft. Zwei Männer wurden inzwischen entlassen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Polizei hat am 21. Feburar in Winterthur zehn Personen verhaftet, die am 22. Novemember mutmasslich zwei Personen eingeschlossen, geschlagen und misshandelt hatten. Acht Erwachsene und ein Jugendlicher mussten in Untersuchungshaft. Der ebenfalls verhaftete Imam wurde nach zwei Tagen freigelassen.

Gemäss Recherchen von 20 Minuten ist seit Anfang dieser Woche auch der Präsident des Vereins An'Nur wieder auf freiem Fuss. Zudem wird auch der Jugendliche am kommenden Montag aus der Untersuchungshaft entlassen – unter Auflagen.

Aufruf zum Mord, Drohungen und Körperverletzung

Der Ursprung der Übergriffe vom 22. November war die Razzia der Zürcher Kantonspolizei in der An'Nur-Moschee, die am 2. November 2016 stattgefunden hatte. Damals wurde unter anderen der Imam, Scheich Abdurrahman, verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, in seiner Predigt zum Mord an gemässigten Muslimen aufgerufen zu haben.

Einen Tag später wurde bekannt, dass der Journalist Kurt Pelda, dies alles aufgedeckt hatte. Wie, war zunächst nicht klar. Am Abend des 22. November 2016 wurde die Polizei in die An'Nur Moschee gerufen. Es sei zu einer Auseinandersetzung in der Moschee gekommen, gab die Polizei danach bekannt.

Mit dem Tod bedroht

Rund drei Monate später, am 21. Februar 2017, wurden im Morgengrauen zehn Personen aus dem Umfeld der An'Nur-Moschee verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, an jenem 22. November 2016 in der Moschee zwei Muslime angegriffen, geschlagen, mit dem Tod bedroht und eingesperrt zu haben.

Die Angreifer verdächtigten mutmasslich ihre Opfer, den Inhalt der umstrittenen Predigt vom November an den Journalisten Kurt Pelda weitergegeben zu haben.

Ins Ausland zurückgezogen

Journalist Pelda sagt zu den Vorwürfen: «Ich habe mit dem Anwalt der Opfer gesprochen. Die beiden sind geschlagen und bespuckt worden.» Die Misshandlung sei zudem gefilmt worden. Einem habe man gedroht, man werde ihm den Kopf abschlagen. Pelda: «Man hat ihm gesagt: ‹Dein Blut ist so dreckig, das vergiessen wir nicht hier in der Moschee, wir schneiden dir den Kopf woanders ab.›»

Erst drei Monate nach dem Vorfall sei es zur Anzeige gegen die angeblichen Schläger gekommen. Dies, weil die beiden mutmasslichen Opfer ins Ausland zurückgezogen hätten – aus Angst.

Geschlagen, geohrfeigt, geboxt und bespuckt

Auch der Anwalt der mutmasslichen Opfer sagt: «Meine Klienten sagen beide, dass sie zu Aussagen genötigt worden seien.» Vorher habe man sie geschlagen, geohrfeigt, geboxt, bespuckt und ihnen Kopfnüsse gegeben. Man habe ihnen zudem mit Gewalt gedroht und sie daran gehindert, die Moschee zu verlassen.

Anders stellte es die An'Nur-Moschee dar: Man habe die beiden Informanten lediglich «gepäckelt» und zur Rede gestellt. Der Verein hat zudem Anzeige gegen die zwei mutmasslichen Opfer eingereicht, weil diese heimlich in der An-Nur-Moschee Aufnahmen gemacht haben sollen. Das hätten die mutmasslichen Opfer auch zugegeben.

Solange kein Urteil vorliegt, gilt für alle erwähnten Personen die Unschuldsvermutung.