Flucht aus Gefängnis

30. März 2017 14:50; Akt: 30.03.2017 17:17 Print

Hassan Kiko muss im Mai vor Gericht

von J.Furer - Dem verurteilten Vergewaltiger Hassan Kiko wird Ende Mai der Prozess gemacht – wegen Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen.

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Der verurteilte Vergewaltiger Hassan Kiko wurde am 12. Mai 2016 von Italien an die Schweiz ausgeliefert. Dort wurde er gleich von der zuständigen Staatsanwältin verhört. Valentin Landmann hat auf Kikos Wunsch hin dessen Verteidigung übernommen. Der bekannte Zürcher Jurist war in der Vergangenheit immer wieder an der Seite von Angeklagten in aufsehenerregenden Prozessen zu sehen - zuletzt im Zusammenhang mit der Affäre um die Devisengeschäfte des ehemaligen Präsidenten der Schweizer Nationalbank Philipp Hildebrand. In Chiasso übernahmen am 14. April 2016 Schweizer Polizisten Angela Magdici. Die Gefängnisaufseherin war zusammen mit dem Häftling Hassan Kiko am 9. Februar aus dem Gefängnis Limmattal geflohen. Am Karfreitag wurden die beiden in Italien verhaftet. Nach sechswöchiger Flucht nahm die Polizei Angela Magdici (links) und Hassan Kiko in der Nacht auf Freitag, 25. März 2016, fest. Ihr Vater Kurt Bill (rechts) war erleichtert und sprach gegenüber 20 Minuten von einer «frohen Botschaft». Mit diesem Auto flüchtete Angela Magdici Anfang Februar. Wenige Stunden nach der Flucht wurde das Kontrollschild an der Grenze zu Italien von intelligenten Kameras erfasst. Das ist das Bild, mit dem die Polizei nach der 32-Jährigen fahndete. Mit ihm brannte Angela Magdici durch: Der verurteilte Sexualstraftäter Hassan Kiko kommt ursprünglich aus Syrien und sass im Gefängnis Limmattal. Auf Facebook posierte Kiko im Fitnessstudio. Vor seiner Verhaftung im März 2015 war Kiko als Coiffeur tätig. Magdici arbeitete seit 2013 für die Gefängnisse des Kantons Zürich. Privat stieg die Wärterin öfter in den Boxring. Angela ist seit 2014 verheiratet. Sie sollen mittlerweile geschieden sein. Der Ex-Mann von Magdici wusste damals nicht, wo sich die Flüchtigen aufhielten. Er vermutete aber, dass das eigentliche Ziel von Magdici mit Kiko Syrien war. Dies bestätigte sich jedoch nicht, die beiden wurden in Italien gefasst.

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Die Ex-Gefängnisaufseherin Angela Magdici befreite in der Nacht auf den 9. Februar 2016 den syrischen Häftling Hassan Kiko, der erstinstanzlich wegen Vergewaltigung verurteilt worden war, aus seiner Zelle im Gefängnis Limmattal in Dietikon ZH — «aus Liebe», wie sie später sagte.

Nun ist klar: Kiko kommt wegen dieses Vorfalls vielleicht nicht ungeschoren davon. Er muss sich wegen Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Der Prozess findet am 23. Mai statt.

Bezirksgericht lehnte Prozess erst ab

Am 11. November hatte das Bezirksgericht Dietikon noch mitgeteilt, dass das Verfahren gegen Kiko eingestellt werde. Ihm werde Anstiftung zu einer Selbstbegünstigung vorgeworfen, die nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung straflos sei. Die Staatsanwaltschaft war aber anderer Meinung und legte beim Zürcher Obergericht Beschwerde gegen diesen Entscheid ein — mit Erfolg. Das Obergericht hält ein Verfahren für angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft fordert, dass Kiko eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten kassiert. «Obwohl Angela Magdici die Bitte des Beschuldigten, ihm bei der Flucht zu helfen, anfänglich ablehnte, bat der Beschuldigte sie immer wieder, ihm zur Flucht zu verhelfen», heisst es in der Anklageschrift. «Er weckte in ihr den Entschluss, ihn aus dem Gefängnis entweichen zu lassen, indem er sie hierzu überredete, obwohl sie anfänglich seine diesbezüglichen Bitten noch abgelehnt hatte», heisst es weiter.

Erstmals soll Kiko die Wärterin am 3. Dezember 2015 auf eine Flucht angesprochen haben. Rund zwei Monate später habe Magdici «wegen des konstanten Bittens» den Entschluss gefasst, Kiko entweichen zu lassen.

Anwalt von Kiko fordert Freispruch

Anders sieht das der Verteidiger von Kiko, Valentin Landmann. Laut ihm hat sein Mandant Magdici gebeten, ihn freizulassen: «Für uns ist fraglich, ob eine reine Bitte oder Frage bereits eine Anstiftung darstellt.» Landmann wird auf Freispruch plädieren.

Angela Magdici stand wegen der Flucht bereits am 24. Januar vor dem Bezirksgericht Zürich. Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt verurteilt — muss also nicht hinter Gitter. Schuldig gesprochen wurde sie des Entweichenlassens von Gefangenen, der vorsätzlich groben Verletzung der Verkehrsregeln und der Sachentziehung. Betreffend Begünstigung gab es einen Freispruch.


Das sagten Angela Magdici, ihr Verteidiger und die Staatsanwältin zum Urteil von Magdici. (Video: jen)