Claudia Nielsen

16. Oktober 2017 11:15; Akt: 16.10.2017 12:21 Print

Zürcher Stadträtin will Kokain entkriminalisieren

Die Schweizer Drogenpolitik sei behäbig geworden, sagt die Zürcher SP-Stadträtin Claudia Nielsen. Sie fordert daher einen neuen Umgang mit harten Drogen.

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Es ist kein Geheimnis, dass die Stadt Zürich in Sachen Kokainkonsum weltweit stets auf den vorderen Plätzen zu finden ist. Laut Schätzungen gibt es in der Stadt 4500 Konsumenten harter Drogen – 2000 davon nehmen regelmässig Kokain und Amphetamine. Ebenfalls nicht neu ist, dass dieser Konsum auf kriminellen Strukturen und illegalem Handel basiert. Aus diesem Grund hat sich beispielsweise auch der neu gewählte Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) für eine Entkriminalisierung harter Drogen ausgesprochen – der beste Weg, Drogenmissbrauch zu bekämpfen, sei ein regulierter Markt.

Das sieht auch die Stadtzürcher Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) so: «Wir brauchen einen neuen Umgang mit harten Drogen wie Kokain», sagt die Stadträtin gegenüber der NZZ. Die Schweizer Drogenpolitik sei behäbig geworden. «Es braucht eine Entkriminalisierung von Konsumentinnen und Konsumenten sowie eine Schwächung des Schwarzmarkts», so Nielsen.

Ähnliches Modell wie bei kontrollierter Heroinabgabe

Eine komplette Legalisierung würde sie mit dem heutigen Wissen in der heutigen Situation aber nicht befürworten. «Vorstellbar wäre, dass man das Modell der kontrollierten Heroinabgabe auch bei anderen harten Drogen anwendet», sagt Nielsen. Allerdings gäbe es hier noch viele Fragen zu klären.

Für eine Legalisierung von Produktion, Verkauf und Konsum ist hingegen Michael Herzig, ZHAW-Dozent und ehemaliger Drogenbeauftragter der Stadt Zürich. Für wen eine Substanz erhältlich gemacht werden solle, müsse jedoch für jedes Suchtmittel separat bestimmt werden. «Es braucht wohl eine Registrierung und dazu eine Beratung für die Konsumenten», sagt Herzig gegenüber der NZZ. Und betont: Auf den freien Markt soll eine Droge wie Kokain aber nie kommen.

«Eine Legalisierung wäre dramatisch», sagt hingegen SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler. «Legal würde bedeuten, der Konsum von Kokain sei nicht schlimm», so die Präsidentin des Verbandes Drogenabstinenz Schweiz. Man könne eine Substanz so verharmlosen, die schnell abhängig und aggressiv mache. «Es ist wie bei der Schokolade am Kiosk. Man kauft sie eher, wenn sie offen in der Auslage liegt», so Geissbühler. Stattdessen plädiert sie für mehr Prävention und der Bund soll Abstinenz stärker fördern.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

@Tia Meier: Wer auf regelmässiger Basis Alkohol konsumiert, egal in welchen Mengen, ist stark suchtgefährdet. Nicht die Menge sondern die Regelmässigkeit ist verheerend. Lernt man by the way in jeder guten Schule... Wo Sie da wohl gerade waren? – Mr. Burns

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jonny am 16.10.2017 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dunkelziffer weitaus höher

    Niemals nur 2000 Konsumenten, da kann man locker noch eine 0 dranhängen.

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  • Ueli dr Hecht am 16.10.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral?

    "Man könne eine Substanz so verharmlosen, die schnell abhängig und aggressiv mache." Tja, liebe SVP, dann setzt euch doch einfach für eine Kriminalisierung von Alkohol ein.

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  • Fred Neuenschwander am 16.10.2017 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Jahrzehntelang den Hanf verbieten und dann Kokain legalisieren? Ernsthaft?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erwin Zollinger am 16.10.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Behäbig ....

    Das klingt jetzt für mich sehr nach aufgeben, werte Stadträtin. Oder wie ist behäbig zu verstehen? Leider hat der Begriff Abstinenz in der Drogenpolitik schon lange keinen Platz mehr. Auf der einen Seite nörgelt man an den rauchenden Mitmenschen herum und da will man den Konsum von harten Drogen entkriminalisieren. Ich störe mich schon an der schleichenden Legalisierung von weichen Drogen. Kokain ist eine üble Sache. Darum wurde dieser Stoff auch verboten. Den Alkohol können wir hier nicht anführen, da er legal ist. Aber den gleichen Fehler wieder machen?

    • der unangenehme am 16.10.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erwin Zollinger

      leider ist der Krieg gegen eine Sache eine sinnlose Verschwendung von Geld und Leben. da man das langsam erkennt, muss man neue Wege gehen, bei denen es kontraproduktiv ist, von sich auf jeden anderen Menschen zu schließen.

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  • Dani B. am 16.10.2017 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die härteste & brutalste Szene

    Warum wollen die Politiker gerade Cocain legalisieren, die Droge, die die Psyche am meisten verändert? Warum nicht Extasy, LSD oder Cannabis?

  • Benno am 16.10.2017 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verbote sind gescheitert.

    Ich nehme weder harte noch weiche Drogen (abgesehen von gelegentlich Alkohol und ab und zu ein bisschen Tabak). Der Verbotsirrsin hat in den letzten Jahrzehnten genau gar nichts gebracht. Weder wurde verhindert, dass Leute süchtig wurden, noch konnte überhaupt der Zugang zu Drogen verhindert werden. Dafür haben wir kriminelle Konsumenten (Beschaffung) und eine richtige Verbrechensindstrie geschaffen (ganz abgesehen von den Drogenkriegen in Übersee). Legalisiert das Zeug! Reguliert den Markt! Kassiert Steuern! Investiert in Prävention! Aber hört mir mit dem Verbotsquatsch auf!

  • Spiritualist am 16.10.2017 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reden reden reden...

    Und wieder wird fleissig von Laien (zumindest vermute ich dies an den Komentaren) über Sinn und Unsinn einer Entkriminalisierung, und NUR um das geht es, diskutiert. Ich nehme kein Kokain, trinke jedoch Kaffee, und bin nicht so naiv zu glauben, dass der Unterschied riesig ist. Auch ist für mich Hanf KEINE leichte Droge, wenn mann tagtäglich sich das 'Hirn wegraucht'. Kenne genug Fälle, die sonst halbwegs normal funtionieren im Job...aber halt nur noch dort.

    • Robo Cobo am 16.10.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      Sieger brauchen keine Drogen

      Ich bin deiner Meinung, auch wenn alle gegen uns sind. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Die Menschheit hat verlernt seine Probleme, oder besser gesagt die Herausforderung des Lebens zu meistern. Darum suchen sie in allen möglichen Substanzen die Lösung, um sich nicht mit sich selber abzugeben.

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  • Cornel Müller am 16.10.2017 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verwunderlich

    Zum ersten mal bin ich gleicher Meinung mit einer SPlerin ;)