Zürich

29. August 2017 10:09; Akt: 31.08.2017 09:52 Print

Stadion-Gegner wollen Hardturm-Brache erhalten

Hühner züchten, Pizza backen oder gärtnern: Die Hardturm-Brache ist zum beliebten Quartier-Treff geworden – und das soll auch so bleiben, findet ein neuer Verein.

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Blick auf das künftige Hardturm-Areal mit den beiden Hochhäusern. Die HRS Investment AG und Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse realisieren hier ein neues Stadion und zwei Wohn- und Geschäftshochhäuser. Das Team hat den Investorenwettbewerb mit dem Projekt Ensemble gewonnen. Die Architekten sind Pool Architekten (ZH), Caruso St John Architects (London) und Boltshauser (ZH). Die beiden Hochhäuser werden 137 Meter hoch ... ... und damit elf Meter höher als der 126 Meter hohe Prime Tower - aktuell das höchste Gebäude der Stadt. Aber zurück zum Hardturm-Projekt: Hier eine Visualisierung von der Pfingstweidstrasse her. Der Platz vor dem Stadion als Begegnungszone. Blick unter die (obere) Tribüne ... ... und ins Stadioninnere. In diesen Häusern werden die Genossenschaftswohnungen realisiert - und zwar von der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABZ). Die Wettbewerbsprojekte aller fünf Bieterteams sind vom 13. bis 23. Juli 2016 in den Wettbewerbsräumen des Amts für Hochbauten im Pavillon Werd, Morgartenstrasse 40 in Zürich, ausgestellt. Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 16 bis 20 Uhr; Sa und So, 14 bis 18 Uhr; 13. Juli 2016 nur von 18 bis 20 Uhr. Nun folgen die vier unterlegenen Projekte: Zwei Hochhäuser hatte auch das Projekt Portal Hardturm Team 1, PSP Swiss Property AG mit den Architekten Adrian Streich (ZH), Bob Gysin (ZH) sowie Burkard und Meyer (Baden). Letztere hatten bereits das 2013 abgelehnte Stadion entworfen. Es sieht denn auch bei der Neuauflage ziemlich ähnlich aus. Das Mi-ca-do Kollektiv (Team 3) begnügte sich mit einem Turm, der dafür 150 Meter hoch geworden wäre. Dahinter stecken die Anlagestiftung Turidomus/Anlagestiftung Adimora vertreten durch Pensimo Management AG mit den Architekten Baumschlager Eberle (ZH), Chabanne (Lyon) und BIG Group aus Dänemark. Weit weniger hoch wäre das Projekt Jalkapallo (Team 4) der Schweizerischen Lebensversicherungsgesellschaft AG geworden. Entworfen hatten dieses die Architekten Theo Hotz Partner (ZH), Burkhalter Sumi (ZH) und Philippe Cabane (BS). Und so hätte dieses Projekt von oben ausgesehen. Schliesslich noch das vierte Projekt, das unterlegen ist. Es heisst Blau Weiss (Team 5) und stammt vom Konsortium Helvetic/Berninvest AG mit den Architekten Huggenbergfries (Limmat-Tower Dietikon), Schwaar + Parner sowie Maier Hess. Im obersten Stockwerk des höchsten Hochhauses war eine Sky-Bar eingezeichnet. Fast so imposant wie die beiden geplanten Hochhäuser beim Zürcher Stadion war der Aufmarsch der Redner anlässlich der Medienkonferenz am 12. Juli 2016, bei der die Stadt das Ergebnis des Investorenwettbewerbs präsentiert hat. Es sprachen Zürichs Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne), ... ... Hochbauvorstand André Odermatt (SP), ... ... Stadtrat Gerold Lauber (CVP) als Schul- und Sportvorsteher, ... ... Stadtbaumeister Patrick Gmür, ... ... GC-Präsident Stephan Anliker ... ... und FCZ-Geschäftsführer Thomas Schönenberger. Vorderhand bleibt das Hardturm-Areal aber eine Brache. Wann das Stadion und die Hochhäuser gebaut werden können, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Sicher ist: Das Stadtparlament muss sich auch noch damit befassen - und ziemlich sicher auch das Stimmvolk. Und eben genau an der Urne war das vorherige Stadionprojekt am 22. September 2013 gescheitert. Diese Miniausgabe in Tortenform am selben Tag vor dem Match GC - Thun im Letzigrund präsentiert, konnte das Nein nicht abwenden. Das waren noch Zeiten: Blick ins Hardturm-Stadion während des spektakulären Meisterschaftsfinales gegen Sion am 8. Juni 1991. 3:2 gewannen die Grasshoppers und konnten damit eine Runde vor dem Meisterschaftsende den Pokal entgegennehmen. Sie wurden damit zum 22. Mal Schweizer Meister. Zwei Hochhäuser sind übrigens auch das Markenzeichen des Luzerner Fussballstadions.

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Bis auf dem Hardturm wieder der Fussball rollt, dauert es noch einige Jahre. Geht es allerdings nach der neu gegründeten IG Freiräume Zürich-West, soll hier gar nie mehr ein Spiel angepfiffen werden. Der Verein möchte die Brache erhalten und damit das geplante Stadion verhindern.

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Der IG gehören unter anderem Anwohner an, aber nicht nur – auch Leute, die aus grundsätzlichen Überlegungen für die Freiräume sind. Dies sagte Markus Knauss, Gemeinderat (Grüne) und VCS-Zürich-Chef, zur NZZ. Er selber ist ebenfalls Mitglied, aber nicht im Vorstand. «Wir haben vor, eine breite politische Auseinandersetzung über die Frage der verschwindenden Grünräume zu lancieren.»

Er betont, dass der neu gegründete Verein nichts mit dem bestehenden Verein Stadionbrache zu tun hat. Letzterer hat einen Teil der Hardturm-Brache von der Stadt zur Gebrauchsleihe für nicht-kommerzielle Anlässe bekommen. Seit dem Jahr 2011 können sich auf der riesigen Fläche Gärtner, Hühnerzüchter, Pizzabäcker oder auch Musiker verwirklichen. Zudem finden ab und an grössere Anlässe wie ein Openair statt.

«Wir nehmen die Gründung des Vereins zur Kenntnis», sagt Patrick Pons, Sprecher des Stadtzürcher Finanzdepartements, zu 20 Minuten. Der Fokus liege für die Stadt zurzeit bei der Weisung der Baurechtsverträge zuhanden des Gemeinderats. Parallel dazu werde durch die Investoren der private Gestaltungsplan erarbeitet. Der Stadtrat und die HRS Investment werden die Öffentlichkeit im September über den neuesten Stand des Projektes und das weitere Vorgehen informieren.

Stadion-Projekte haben es schwer

Dass Fussballstadion-Projekte in Zürich einen schweren Stand haben können, ist bekannt: Das letzte Projekt auf dem Hardturm
– damals war die Stadt selber noch involviert – versenkten die Stimmberechtigten an der Urne. Und auch das Vorprojekt scheiterte unter anderem am massiven Widerstand aus dem Quartier.

Auf der Hardturm-Brache planen die HRS Investment AG und die Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse ein neues Fussballstadion, querfinanziert durch zwei Wohnhochhäuser mit bis zu 137 Metern Höhe. Am Rande des Areals sind zudem gemeinnützige Wohnungen geplant.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 29.08.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverwirklichung

    Hühner züchten? In einer Stadt? Gehts noch? Sowas macht man auf dem Land und ist auch kein "Hobby". Selbstverwirklichung für Musiker und Pizzabäcker stehe ich auch kritisch gegenüber. Klingt für mich eher wie eine Besetzung durch die linksautonome Szene.

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  • Robert am 29.08.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Danke, jetzt JA stimmen!

    Ok, danke, diesen Impuls habe ich noch gebraucht! Ich werde nun JA stimmen für das Stadion, egal was kommt! Dort gehört ein Stadion hin und kein Hipster-Mami-Spielplatz! Warum begeistern diese Eltern dort ihre Kinder nicht für Fussball? Zu wenig hip? Zu wenig Quartlierli-Stimmung?! Ich habe das letzte mal nein gestimmt, aber jetzt "isch gnueg Heu dunne". Baut endlich dieses Stadion! Der Quartierverein kann ja die andere nahegelegenen Ruheorte nutzen, oder man baut neben dem Stadion noch ein Pärkli damit alle glücklich sind, wo ist das Problem?!

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  • GCZ am 29.08.2017 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lässt die Finger vom Hardturm

    Der Hardturm steht für den GCZ, für Fussball und für die Fans! Da wird keine anderswertige Nutzung von irgendwelchen Öko Freaks geduldet!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schneeeule am 31.08.2017 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussballstadion für Zürich

    Zürich braucht ein richtiges Fussballstadion: es ist sehr schade, dass in den nächsten Jahren keines gebaut werden wird. In der grössten und wichtigsten Stadt der Schweiz, mit notabene zwei Clubs in der höchsten Liga.

  • züri am 30.08.2017 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meh bier und weniger cüpli

    lustig die bilder im und um stadion. keiner hat ein bier in der hand und leere dosen sind auch nirgens. realitätsfremd...haha

  • T. Trump am 30.08.2017 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Man könnte doch

    das Sihlquai endlich räumen und auf dem Hardturmareal so etwas wie Verrichtungsboxen aufstellen....

  • Jean am 30.08.2017 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Träumt weiter

    Scheinbar hat dieser Verein vergessen, dass wenn kein Stadion gebaut wird das Stück Land zurück zum CS gehen soll. Oder erwarten Sie, dass die Stadt Zürich mit das Geld der Bevölkerung es kauft damit sie sich Selbstverwirklichen können ?

  • Ricci am 30.08.2017 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Stadion Hardturm

    So lange in der Stadt ZH Links gewählt wird, wird sich diesbezüglich auch nichts ändern , lieber e Schissi für 600000 Fr ufstelle, oder en Krane id inne Stadt stelle......genau min Humor....