Dietikon ZH

16. Dezember 2014 15:03; Akt: 16.12.2014 15:05 Print

Hellseher soll für vier Jahre ins Gefängnis

von Attila Szenogrady - Ein Hellseher hat laut Anklage Dutzende Kunden mit erpresserischen Methoden um über 156'000 Franken geprellt. Dafür drohen ihm vier Jahre hinter Gittern.

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Ein Hellseher musste am Dienstag vor dem Bezirksgericht in Dietikon aussagen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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«Ich habe in der Untersuchungshaft ein falsches Notgeständnis abgelegt», erklärte der heute 42-jährige Beschuldigte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon. Unbestritten war jedoch, dass der gebürtige Aargauer zwischen 1998 und 2004 als Hellseher arbeitete und von Unterengstringen aus Telefondienste für Lebenshilfe, Parapsychologe und schwarze Magie anbot. Anfänglich mit beachtlichem finanziellen Erfolg.

Als jedoch eine Hauptkundin, die ein ganzes Vermögen in den faulen Zauber investiert hatte, absprang und die Konkurrenz grösser wurde, geriet der Wahrsager in finanzielle Bedrängnis. Worauf er sich laut Staatsanwaltschaft auf kriminelle Methoden verlegte. So stellte er den meisten seiner früheren Kunden frei erfundene Rechnungen zu und drohte mittels vorgeschobenen Inkasso-Firmen nicht nur mit Betreibungen, sondern auch mit Enthüllungen aus den intimen Gesprächen. Sei es am Arbeitsplatz oder gegenüber den Ehepartnern.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Laut Anklage gaben Dutzende der über 100 Geschädigten dem Druck nach und überwiesen dem Beschuldigten innerhalb von mehreren Jahren 156'000 Franken. Forderungen von weiteren 166'000 Franken kamen andere Privatkläger nicht nach.

Der letztlich verzeigte Beschuldigte wurde seit dem Herbst 2009 von der Polizei gleich drei Mal in Untersuchungshaft gesteckt und verbrachte dabei insgesamt rund ein Jahr im Gefängnis. Ein psychiatrisches Gutachten ergab, dass der langjährige Parapsychologe unter einer dissozialen und narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet und gegenüber den Geschädigten ein herzloses Unbeteiligtsein an den Tag gelegt hat. Er habe zudem die Neigung, andere zu beschuldigen und sei unfähig, Schuldbewusstsein zu erleben.

Vier Jahre Haft gefordert

Der Beschuldigte machte eine Lebenskrise und Depressionen für sein früheres Verhalten verantwortlich, schob aber die Schuld auf Drittpersonen ab. Unter anderem auf seine frühere Rechtsanwältin. Heute arbeite er als Unternehmensberater und verdiene bis zu 5000 Franken im Monat, sagte er. Im Gefängnis habe er gewisse Vorwürfe nur zugegeben, um schnell wieder in die Freiheit zu gelangen.

Der zuständige Staatsanwalt sprach von einem schweren Verschulden und verlangte wegen gewerbsmässiger Erpressung und weiteren Delikten eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren. «Der Beschuldigte hat unzählige Geschädigte geplagt und ausgenommen», führte der Ankläger aus.

Auf die Arbeitsweise von Mike Shiva berufen

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch von den Hauptvorwürfen. Bereits sein Klient hatte sich auf die Arbeitsweise von Mike Shiva berufen, der heute als Erfolgs-Wahrsager gilt. Die Verteidigung räumte eine chaotische Organisation des Beschuldigten ein, verneinte aber den kriminellen Charakter des Vorgehens des Beschuldigten.

Das Gericht zog sich nach den Plädoyers zur geheimen Urteilsberatung zurück. Voraussichtlich wird es den Entscheid nach den Festtagen im nächsten Jahr eröffnen.