Zürich

06. April 2016 19:46; Akt: 06.04.2016 19:46 Print

Dirnen betäuben Millionär und nehmen ihn aus

von A. Szenogrady - Ein Prostituierter hat zusammen mit zwei Berufskolleginnen einen betäubten Millionär um 29'000 Franken erleichtert. Das büsst er nun mit einer happigen Geldstrafe.

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Das Bezirksgericht Zürich hat einen Prostituierten wegen Computerbetrugs verurteilt. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Der kriminelle Prostituierten-Ring der berüchtigten Chili's-Bar trieb nicht nur im Kreis 4 sein Unwesen. Wie ein Prozess am Bezirksgericht Zürich am Mittwoch aufzeigte, schlugen die Dirnen auch in gehobenen Kreisen zu. So in der Nacht auf den 20. Oktober 2013, als zwei Sex-Workerinnen und ein brasilianischer Prostituierter einen sehr wohlhabenden Kunden in dessen Luxus-Wohnung in der Nähe des Universitätsspitals aufsuchten.

Nach der vereinbarten Bezahlung verwöhnte der als Frau verkleidete Mann den Freier zunächst mit den von ihm gewünschten Sado-Maso-Spielen. Dann warf eine Prostituierte dem Opfer unbemerkt eine Dormicum-Schlaftablette in sein Getränk und schickte ihn damit ins Reich der Träume.

Da das Trio ein Kreditkarten-Lesegerät mitgenommen hatte und eine Prostituierte den PIN-Code des Geschädigten bereits kannte, war der Rest ein Kinderspiel. Fest steht, dass es den wohlhabenden Freier mit seiner Kreditkarte innerhalb einer Stunde um 29'000 Franken erleichtert hat. Dann liessen die drei den schlafenden Kunden in dessen Wohnung zurück.

Geständig, aber Raub bestritten

Da das bestohlene Opfer wegen seiner sozialen und beruflichen Position auf eine Anzeige verzichtete, flog der Fall nur aufgrund einer polizeilichen Telefonkontrolle in einer anderen Angelegenheit auf.

Am Mittwoch musste sich der männliche Liebesdiener aus Brasilien vor Gericht verantworten und wegen Raubes und Besitzes von wenig Kokain mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten rechnen. Der Beschuldigte zeigte sich zwar grundsätzlich geständig, stritt aber einen Raub ab. So sei er an der Planung der beiden Frauen nicht beteiligt gewesen und habe erst am Schluss mitgemacht. Der Verteidiger ging lediglich von einer Gehilfenschaft zu einem Computerbetrug aus und setzte sich für eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu 20 Franken ein.

Hinterhältiges und schamloses Vorgehen

Das Gericht schlug zum Schluss den Mittelweg ein. So sah es den Raub als nicht erwiesen an, da es keine Belege dafür gebe, dass der Liebesdiener am «Bewirken der Widerstandsunfähigkeit» des Opfers beteiligt gewesen sei. Klar war für die Richter jedoch ein vorsätzlicher Computerbetrug. So habe sich der Beschuldigte auch an der Teilung der Beute beteiligt.

Das Gericht setzte eine happige, aber noch bedingte Geldstrafe von 330 Tagessätzen zu 40 Tagen fest – abzüglich von 84 Tagen Untersuchungshaft. Der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann sprach von einem hinterhältigen und schamlosen Vorgehen des Beschuldigten. Die Identität des Opfers wurde am grundsätzlich öffentlichen Prozess von allen Parteien geheim gehalten.