Ex-Sittenpolizist verurteilt

01. Juni 2016 12:42; Akt: 01.06.2016 12:42 Print

«Eine Beziehung mit Sprengstoff»

von A. Szenogrady - In einem ersten Prozess der Chilli's-Affäre hat ein Ex-Sittenpolizist eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten kassiert. Der Beamte hatte eine befreundete Dirne gedeckt.

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«Ich wollte meiner Partnerin helfen, es war aber eine schlechte Idee», räumte der heute 52-jährige Beschuldigte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich ein. Der Beschuldigte wurde am 12. November 2013 festgenommen und verbrachte danach 73 Tage in Untersuchungshaft. Er verlor in der Folge seinen Job und ist gemäss seinen Angaben noch heute auf Arbeitssuche.

Vor Gericht zeigte er sich umfassend geständig und wurde im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens wegen mehrfacher Begünstigung, Amtsmissbrauchs, mehrfacher Vorteilsnahme sowie Verletzung des Amtsgeheimnisses anklagegemäss zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Freundin war eine Chilli's-Prostituierte

Der Beschuldigte war aufgrund der Vorkommnisse um das berüchtigte Cabaret-Hotel Chilli's im Kreis 4 ins Visier der Untersuchungsbehörden geraten. So hatten dort Prostituierte diverse Freier betäubt und finanziell ausgenommen.

Der Polizeibeamte war mit einer der Prostituierten intim befreundet und lebt heute noch mit ihr zusammen. Fest steht, dass er die Spanierin vor einer Strafverfolgung schützte und eine Berufskollegin sogar aufforderte, einen Verzeigungsrapport wegen illegaler Prostitution zu löschen. Zudem versorgte er sie auch mit geheimen Polizeidaten und sah von einer Verzeigung von einer weiteren Prostituierten ab. Nicht zuletzt informierte er auch einen Nachbarn mit geheimen Daten über eine Person.

Gratis-Essen am Oktoberfest

Der Verteidiger des Beschuldigten führte rechtfertigend aus, dass es das Ziel seines Klienten gewesen sei, seine Partnerin aus der Sache herauszuziehen.

Allerdings gab dieser auch die Vorteilsnahme unumwunden zu. So wurde er vom Wirt eines Milieu-Lokals an das Oktoberfest auf dem Bauschänzli eingeladen und konnte dort unentgeltlich essen und trinken. Dadurch sei er durch den Wirt günstig gestimmt worden, schrieb der Staatsanwalt. Es folgte auch ein zweites bezahltes Essen in einem Thai-Restaurant.

Kein leichtes Verschulden

Das Gericht ging bei der Urteilseröffnung von einem sicher nicht mehr leichten Verschulden des Ex-Polizeibeamten aus. Das Verhalten gegenüber seiner Freundin sei zwar menschlich verständlich. Es habe sich aber um «eine Beziehung mit Sprengstoff gehandelt», erklärte der Vorsitzende.

Zudem sei die allgemeine Tendenz des Beschuldigten, geheime Daten einfach weiterzugeben, schlimm gewesen. Er habe sich auch nicht mehr um interne Richtlinien geschert. Mit dem Urteil wurde dem Ex-Polizisten auch die Gerichtsgebühr von 1500 Franken auferlegt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oski von Allmen am 01.06.2016 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    von wegen Decken

    Eigentlich erübrigt sich für mich ein weitergehender Kommentar. Aber demjenigen der die Eingangszeilen geschrieben hat, gratuliere ich. "Polizist hatt eine befreundete Dirne gedeckt!" Er hat die Sache auf den Punkt gebracht!

  • Polizeibeamter am 01.06.2016 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande

    Solche "Kollegen" sind eine Schande für die Uniform die wir tragen und den Beruf den wir ausüben. In einer Zeit in der wie nie zuvor auf Polizisten und deren Arbeit geachtet wird dürfen solche Dinge nicht passieren. Ich wurde Polizist um die Schwachen zu schützen und die "Bösen" zu jagen. Nicht um Strafzettel zu verteilen fürs Falschparken und um gratis den Service von Dirnen in Anspruch zu nehmen.

  • Franz Gsell am 01.06.2016 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zivile Profiteure

    3 Jahre und erst so schwache Ergegnisse? Die Zivilen sind nicht besser, doch niemand kontrolliert die Typen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr.Spock am 02.06.2016 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was lauft

    Was lauft jetzt im Chillis? Gibts immer noch die hübschen Girls dort?

  • Kein Pol am 02.06.2016 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergehen

    Au ich muss meinen Job gut machen, ansonsten bin ich draussen!! Ein Polizist weiss das halt nicht !!

  • Martial Kohler am 01.06.2016 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielseitiges Lokal...

    Chilli ist nicht nur scharf, aber mit Sprengstoff herrscht noch Bombenstimmung !!

  • Stefan am 01.06.2016 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    normal im K4

    Wie erwartet, ein mildes Urteil. Es wäre interessant, zu erfahren was dort noch so alles lief hinter den Kulissen... Dem Betreiber kann man ja offenbar nichts nachweisen, ist immer noch der wahre Chef (zumindest vom "Hotel").

    • Segeln13 am 01.06.2016 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Die Linken Chaoten wohnen jahrelang in besetzten Häusern zahlen keine Miete und können jederzeit Scheiben einschlagen, Fassaden besprayen ohne jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden.

    • Stefan am 01.06.2016 20:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Segeln13

      Stimmt, ist noch viel übler als der Sturm im Chillis-Wasserglas. In Zürich-City ist einiges im Argen, aber wegschauen scheint zzt. gross in Mode. Ist halt am einfachsten & bequemsten :). Ausser die paar Strassen-WGs an der Langstrasse und die Falschparker drangsalieren, das gibt easy Kohle.

    einklappen einklappen
  • Polizeibeamter am 01.06.2016 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande

    Solche "Kollegen" sind eine Schande für die Uniform die wir tragen und den Beruf den wir ausüben. In einer Zeit in der wie nie zuvor auf Polizisten und deren Arbeit geachtet wird dürfen solche Dinge nicht passieren. Ich wurde Polizist um die Schwachen zu schützen und die "Bösen" zu jagen. Nicht um Strafzettel zu verteilen fürs Falschparken und um gratis den Service von Dirnen in Anspruch zu nehmen.