Letzigrund-Krawalle

13. Februar 2012 21:45; Akt: 13.02.2012 21:46 Print

Freispruch für FC Basel-Fan

von Atilla Szenogrady - In einem ersten Zürcher Strafprozess um die schweren Ausschreitungen beim Stadion Letzigrund vom Mai 2011 haben die Anklagebehörden eine Niederlage erlitten.

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Ausschreitungen beim Match FCZ – FCB im Mai 2011. (Nicola Pitaro)

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Es war am 11. Mai 2011, als es vor dem kapitalen Fussball-Spiel FC Zürich gegen den FC Basel vor der Partie zu schweren Ausschreitungen im Eingangsbereich des Stadions Letzigrund kam. 50 bis 100 rabiate Basler Fans gingen in der Einlassphase im Gastsektor plötzlich zum Angriff über. Dabei stürmten sie mehrere Verpflegungsstände, wobei sie zahlreiche Würste und Getränke plünderten. Als die privaten Sicherheitsleute der Firma Delta mit Schlagstöcken eingriffen, eskalierte die Situation. Die Basler warfen Flaschen sowie Steine und prügelten mit Stangen auf ihre Gegner ein. Die Auseinandersetzung dauerte über 15 Minuten und richtete einen Sachschaden für über 90 000 Franken an. Zudem wurden mehrere Personen verletzt.

Polizeiliche Internet-Fahndung

Um die gewaltbereiten Basler zu überführen, setzte die Kantonspolizei Zürich in der Folge eine nicht unumstrittene Internet-Fahndung ein. Davon war auch ein heute 32-jähriger Metzger aus Liestal betroffen. Nachdem der Fan das von ihm veröffentlichte Bild in den Online-Medien bemerkte hatte, meldete er sich nach dem Medienaufruf freiwillig bei der Zürcher Polizei. Worauf die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gegen den mutmasslichen Hooligan eine Strafuntersuchung einleitete. Als Hauptbeweis legte der zuständige Staatsanwalt ein eindrückliches Video über die Krawalle ins Recht. Darauf war der Angeschuldigte klar zu sehen.

Unschuld beteuert

Am Montag musste sich der Basler Beschuldigte wegen Landfriedensbruchs vor Gericht verantworten. Ihm drohte eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 70 Franken. Vor den Schranken beteuerte er allerdings seine Unschuld. Er verabscheue solche Szenen, versicherte er und machte geltend, dass er zwischen die Fronten geraten sei. Einerseits sei er von hinten geschoben worden. Andererseits hätten die Delta-Männer vorne alles dicht gemacht und mit ihren Stöcken auf die Gäste eingeschlagen, erklärte er.

Verteidigung verlangte Genugtuung

Der Verteidiger verlangte ebenfalls einen vollen Freispruch und eine Genugtuung von 1000 Franken. Der Basler Rechtsanwalt verneinte, dass sein Mandant ein Teil der gewalttätigen Gruppe gewesen sei. Der Video-Film zeige vielmehr auf, dass sich der Beschuldigte vom Geschehen entfernt habe. Er sei höchstens ein straflos bleibender «Gaffer» gewesen.

Klarer Freispruch

Das Gericht kam zu einem klaren Freispruch. Auf dem Film sei der Angeklagte in einer Wegwärts-Bewegung ersichtlich, sagte der zuständige Richter. Er habe aber keine Auswegmöglichkeit gefunden. Für den Angeklagten spreche zudem, dass er sich trotz seines Kapuzenpullovers seinen Kopf nicht bedeckt und sich später aus freien Stücken gestellt habe. Es sei nicht erstellt, dass er sich freiwillig in der Gruppe der gewaltbereiten Fans aufgehalten habe. Das Gericht sprach dem Basler eine Prozessentschädigung von 4300 Franken zu. Nicht aber eine Genugtuung, da die Grenze dafür noch nicht erreicht sei. Auch wenn er zwischenzeitlich infolge der Vorfälle vom 11. Mai 2011 vom Schweizerischen Fussballverband ein Rayonverbot für Fussballspiele erhalten hat.

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