Wolffs Ausstand

28. Oktober 2016 18:05; Akt: 28.10.2016 18:05 Print

«Als Sicherheits-Vorsteher ist er nicht mehr tragbar»

Dass AL-Sicherheitsvorsteher Richard Wolff in Sachen Koch-Areal erst jetzt in den Ausstand tritt, finden Experten und Parteien spät. Die Wiederwahl werde er trotzdem schaffen.

Richard Wolff sagt im Videointerview, warum er das Dossier Koch-Areal abgibt.
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«Lieber spät als nie»: So kommentiert Politberater Louis Perron die Nachricht vom Freitag, dass AL-Stadtrat Richard Wolff beim Koch-Areal «aus familiären Gründen» in den Ausstand tritt. Tatsächlich ist das Gerücht nicht neu, dass mindestens einer seiner Söhne in der Besetzer-Szene verkehrt.

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Schon 2013 zu Zeiten der Besetzung des Binz-Areals wurde Richard Wolff von den Medien darauf angesprochen. «Interessant, aber kein Kommentar», sagte er damals etwa zum «Tages-Anzeiger». Ebenfalls betonte er immer wieder, dass Privatsache sei, was seine volljährigen Söhne machten.

Sympathien in der Wählerschaft?

Was seine Söhne machen, sei tatsächlich Privatsache, eine mögliche Befangenheit jedoch nicht, sagt Perron dazu: «Deshalb ist der Ausstand der richtige Entscheid.» Perron vermutet, dass der wachsende politische und mediale Druck ihn letztlich zu diesem Schritt bewogen haben.

Trotzdem glaubt Perron, dass dies Wolffs Wiederwahl in eineinhalb Jahren kaum gefährden wird. «Zürich ist dermassen rot-grün. Vielleicht verschafft sich Wolff mit seiner Nähe zur Besetzerszene sogar auch Sympathien.»

Dass Wolff bei seiner bestehenden Wählerschaft kaum Stimmen verlieren wird, glaubt auch Polit-Kommunikationsberater Lahor Jakrlin: «Kritisch wird es für ihn höchstens, wenn Daniel Leupi als Wolffs Nachfolger nun in Sachen Koch-Areal mehr als er bewegen kann.» Zumal Corine Mauch im Video-Interview am Freitag gewisse Vorbehalte gegenüber Wolff geäussert habe.

Corine Mauch äussert sich zu Wolffs Ausstand beim Koch-Areal

SVP ist für Ämterrotation

Ob Wolff als Stadtrat künftig noch tragbar sein wird, will die Stadtzürcher SVP nicht beurteilen. Präsident Mauro Tuena findet aber, dass sich der Stadtrat ernsthafte Gedanken über eine Ämter-Rotation machen sollte: «Die Kontakte von Wolff zur Hausbesetzerszene sind ein zu grosses Risiko.» Die Partei ist der Meinung, dass er die Sicherheit in dieser Stadt nicht mehr umfassend garantieren könne.

Anders tönt es bei Wolffs Partei der AL. Vorstandsmitglied Stefan Wyss findet, dass der Sicherheitsvorsteher mit seiner pragmatischen Politik und der Deeskalation bei Hausbesetzungen sehr viel erreicht habe: «Die Vorwürfe in den letzten Wochen, dass Wolff aus familiären Gründen bei Hausbesetzungen befangen sei, treffen nicht zu – schliesslich hat er seine offene Haltung zu diesem Thema stets bekräftigt.» Von aussen bestehe aber offenbar trotzdem ein Anschein von Befangenheit: «Deshalb ist der Ausstand ein konsequenter Entscheid.»

«Leupi wird Doppelrolle aufgebürdet»

Erstaunt, dass Wolff seine Befangenheit erst jetzt erklärt, sind die Stadtzürcher Grünen. Zudem sind sie laut Mitteilung überrascht und befremdet, dass der Gesamt-Stadtrat die Stellvertretung für das Koch-Areal an Stadtrat Daniel Leupi überträgt: «Damit wird ihm eine Doppelrolle aufgebürdet.»

Unzufrieden mit dem Stadtrat sind auch die Stadtzürcher Juso. Sie finden, dass er nach der wochenlangen Quengelei durch die Bürgerlichen in Sachen Koch-Areal einknicke und Richard Wolff dazu dränge, die Zuständigkeit dafür abzugeben. «Damit legitimiert er deren inszeniertes Problem mit dem Koch-Areal», sagt Präsidentin Moira Pinkus. Die Sache sei aufgebläht worden, die Lärmklagen seien grösstenteils von den fünf gleichen Personen gemeldet worden.

(som)