Winterthur

07. Februar 2012 08:01; Akt: 06.02.2012 18:49 Print

Urteil gegen Lastwagen-Chauffeuse

von Atilla Szenogrady - Die Lenkerin eines Sattelschleppers hat in Winterthur einen Motorradfahrer übersehen, angefahren und lebensgefährlich verletzt.

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Bei Strafuntersuchungen gibt es einen festen Grundsatz: Nach einem Verbrechen sind die ersten Zeugenaussagen immer die wichtigsten. So geben die befragten Auskunftspersonen noch frische Erinnerungen zu Protokoll. Zudem sind sie noch nicht durch Anwälte oder andere Ratgeber beeinflusst. Häufig ändern sich im Laufe der Ermittlungen die Darstellungen. Sei es aus Eigeninteresse oder wegen der lange vergangenen Zeit seit dem Vorfall.

Motorradfahrer lebensgefährlich verletzt

Dieser Grundsatz spielte nun bei einem schweren Winterthurer Verkehrsunfall eine zentrale Rolle. Unbestritten war, dass eine heute 42-jährige Lenkerin eines Sattelschleppers am 18. November 2009 am späten Vormittag durch Winterthur fuhr. Um 10.45 Uhr bewegte sich der Laster bei guten Witterungs- und Sichtverhältnissen über die St. Gallerstrasse. Auf der Höhe der Liegenschaft im Schönengrund 1 passierte es. Die Beschuldigte fuhr von hinten in einen Motorradfahrer hinein. Der heute 58-jährige Thurgauer stürzte und erlitt lebensgefährliche innere Organverletzungen.

Zuerst nichts gesehen

Zwei Stunde nach dem schweren Unfall wurde die deutsche LKW-Chauffeuse von der Polizei einvernommen. Dabei gab sie an, dass sie keine Ahnung habe, wie es zur Kollision gekommen sei. Sie habe nur den Aufprall gehört, aber nichts gesehen, erklärte sie. Sie habe den Geschädigten erst nach dem Unfall auf dem Boden liegend neben seinem Motorrad wahr genommen, gab sie zu Protokoll und räumte ein, dass sie eventuell durch die Verkehrsschilder oder das Navigationsgerät abgelenkt geworden sei.

Erste Aussagen widerrufen

Im Laufe der Strafuntersuchung widerrief die Frau ihre ersten Aussagen und führte bei der Staatsanwaltschaft aus, dass sie den Motorradfahrer bereits vor dem Unfall gesehen habe. Er sei vor ihr gefahren. Bei einer dritten Einvernahme folgte die dritte Version, wonach sich der Geschädigte plötzlich neben ihr befunden habe. Ihre ersten falschen Angaben begründete die Angeklagte mit ihrem damaligen Schockzustand.

Winterthurer Schuldspruch bestätigt

Schon am Bezirksgericht Winterthur beteuerte die LKW-Lenkerin im letzten August ihre Unschuld und machte geltend, dass der Motorradlenker beim Einspuren einen Fehler gemacht habe. Ihr Verteidiger wiederholte diese Version kürzlich vor dem Zürcher Obergericht. Ohne Erfolg. So behafteten beide Instanzen die Beschuldigte auf ihre ersten Aussagen gegenüber der Polizei unmittelbar nach dem Unfall. Womit das Obergericht die neuen Versionen als nachträglich angepasst und deshalb als unglaubhaft einstufte. Mit dem bestätigten Schuldspruch wird es für die ostdeutsche Mutter teuer. So muss sie die Berufungskosten von 2000 Franken tragen und der Gegenseite eine Prozessentschädigung von 3270 Franken bezahlen. Zudem wurde sie dem Grundsatz nach verpflichtet, dem Unfallopfer Schadenersatz und Genugtuung in noch zu ermittelnder Höhe zu entrichten.

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