Koch-Areal

22. September 2016 08:49; Akt: 22.09.2016 09:28 Print

Selbst linke Politiker ärgern sich über Besetzer

Laute Partys, illegale Bauten und Hanfplantagen vor den Augen der Polizei. Sogar linke Politiker nerven sich über die Besetzer vom Koch-Areal im Zürcher Kreis 9.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auch wenn der Zürcher Stadtrat zurzeit nichts zum Thema sagt: Für die Polizei ist das besetzte Koch-Areal in Albisrieden offenbar tabu. Das legt nicht nur ihr passives Verhalten trotz gehäufter Lärmklagen nahe, sondern auch die Erlebnisse mehrerer Leser des «Tages-Anzeigers». Einer von ihnen hatte die Kantonspolizei per Mail angefragt, ob sie interessiert sei an einem Hinweis auf eine grosse Hanfplantage. Natürlich, kam die Antwort, er solle die Adresse angeben.

Umfrage
Finden Sie es in Ordnung, dass die Besetzer im Koch-Areal bleiben dürfen?
78 %
8 %
14 %
Insgesamt 5351 Teilnehmer

Als er die Adresse des Koch-Areals angab, bekam er einen Anruf von der Stadtpolizei. Der Fahnder sagte, dass ihnen diese Plantage schon bekannt sei. Gefragt, warum die Polizei nichts unternehme, druckste er herum: Das sei halt so eine Sache. Es hänge auch vom THC-Gehalt der Pflanzen ab und davon, ob es sich um Eigenbedarf handle. Dann verabschiedete er sich mit dem Hinweis, man bleibe am Thema dran. Als der Informant später einer Stadtpolizistin im Kreis 9 den gleichen Tipp gab, reagierte diese abwehrend: «Dazu sage ich gar nichts, das ist eine politische Sache.»

Getränkepreise wie im Club

Ähnlich erging es einem Anwohner, der vor einem Monat auf einen neu entstandenen Holzaufbau auf dem Dach hoch über dem Koch-Areal hinwies. Ob es dafür eine Baubewilligung gebe, wollte er von den Behörden wissen. Eine Antwort steht bis heute aus. Gewundert haben sich letztes Wochenende auch Besucher eines Konzerts auf dem besetzten Areal. Der Wodka Lemon kostet dort zwischen 12 und 14 Franken, das Bier zwischen 4 und 5 Franken. Das sind Preise, wie man sie aus kommerziellen Clubs kennt.

Wird das Koch-Areal zu einem rechtsfreien Raum, wie Kritiker monieren? Der Stadtrat hat das in ähnlichen Fällen bisher stets bestritten. Die Polizei sorge auch in besetzten Liegenschaften für Recht und Ordnung. Aber nicht um jeden Preis: Wenn etwa spätnachts eine laute Party im Gang ist, aber die Veranstalter nicht gesprächsbereit oder gar feindselig sind, verzichtet die Polizei meist darauf, mit einem Grossaufgebot einzufahren. Sonst drohe die Lage zu eskalieren. Es sei generell schwierig, in besetzten Häusern die Vorschriften durchzusetzen, heisst es in einer Stadtratsantwort von 2012.

Dieses Laisser-faire könnte Grund dafür sein, dass sich die Besetzer immer mehr Freiheiten herausnehmen. So argumentieren nicht mehr nur bürgerliche Politiker wie FDP-Gemeinderat Michael Schmid, sondern auch linke. Alan David Sangines (SP) aus dem Kreis 9 vermutet, die Besetzer seien «übermütig» geworden, weil man ihnen stets entgegengekommen sei. Und sein Parteikollege Pascal Lamprecht, ebenfalls aus dem Kreis 9, hat den Eindruck, dass auf dem Areal derzeit mehr Party gemacht werde als auch schon – allen Klagen und Vermittlungsversuchen zum Trotz.

Bei Lärm den Strom abschalten?

Für Lamprecht ist aber klar, dass punkto Lärm Handlungsbedarf besteht. Sonst verspiele die Besetzerszene den Goodwill, den sie bei vielen habe. Sangines sagt, die Besetzer hätten mehrfach Grenzen überschritten. «Wenn sie Toleranz erwarten, müssen sie auch anderen Respekt entgegenbringen.»

Er verlangt, die Nutzungsvereinbarung fürs Areal um Lärmauflagen zu ergänzen – wie das der Stadtrat vorhat. Man müsse diese Regeln dann allerdings auch durchsetzen, sagt Sangines, mit Geldbussen oder dem Abstellen des Stromes. Eine Räumung, wie sie die FDP verlangt, sei das allerletzte Mittel. Aber denkbar.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

(som)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ENU am 22.09.2016 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einsperren

    Würde ein normaler Bürger das gleiche tun wie diese Chaoten wäre er schon längs eingesperrt und müsste für all die Schäden aufkommen. Doch in Zürich sind nicht Alle vom Gesetze gleich. Traurig, sehr traurig

  • Dani am 22.09.2016 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht endlich was!

    Polizei erledigt endlich euren Job. Höhrt auf nur Parktickets zu verteilen und Automobilisten abzuzocken! Sonst würde die Stadt mit 1/3 von euch auskommen....

    einklappen einklappen
  • Beeli1 am 22.09.2016 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Selber schuld die Stadt Zürcher...wer einen linken Chaot in den Stadtrat wählt hat'nicht anderes verdient...ist ja logisch das er 'seine Jungs' schützt..sollen doch die zahlenden und arbeitenen Menschen wegziehen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Security am 26.09.2016 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verzogene Bande

    Finde die heutige "Besetzerszene" hat gar nichts mehr mit politischen Idealen zu tun. Das ist ein Haufen von Egoisten, Kleinkriminellen und wenn es nicht so läuft wie sie wollen gewalttätig. Beanspruchen für sich Toleranz und Verständnis aber nehmen keine Rücksicht auf die andern Anwohner. Zudem geht es ihnen auch nur ums Geld (siehe Getränkepreise bei Konzert). Kommen mir vor wie kleine verzogene Kinder.

  • Samira am 22.09.2016 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    von nichts kommt nichts

    ich glaube wen sie von Anfang an etwas gemacht würde es nicht so weit kommen aber der steuer zahler muss am schluss wieder zahlen

  • SECUREX am 22.09.2016 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volkes Wille!

    Nicht jammern! Wählen. Das Volk wollte das so haben.

  • Denkpause am 22.09.2016 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lange untätig zuschauen ...

    ... und dann so tun, als wären sie überrascht und spielen dann die Verärgerten?

  • Beeli1 am 22.09.2016 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Selber schuld die Stadt Zürcher...wer einen linken Chaot in den Stadtrat wählt hat'nicht anderes verdient...ist ja logisch das er 'seine Jungs' schützt..sollen doch die zahlenden und arbeitenen Menschen wegziehen...

    • Schnabias am 22.09.2016 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beeli1

      Leider hast Du sowas von recht! Aber mindestens steht er vorbehaltlos hinter seiner 'interessanten Alternative'. Bedenklich finde ich allerdings, dass er und seine Steigbügelhalter immer und immer wieder gewählt werden.

    einklappen einklappen