Stadt Zürich

06. Oktober 2017 11:30; Akt: 06.10.2017 11:30 Print

Polizei filmt heimlich vor Restaurant – wegen Lärm

Zwei genervte Anwohnerinnen haben genug von lauten Restaurantgästen: Sie gehen mit etlichen Lärmklagen gegen das Lokal im Seefeld vor.

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Was einst im Zürcher Seefeld ein Kino für Softpornos war, ist seit 2014 ein Edelrestaurant. Die Rede ist vom Razzia neben der Tramhaltestelle Feldeggstrasse. Doch im Moment haben die Gastronomen zu kämpfen – wegen Lärmklagen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

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Finden Sie es unangemessen, wenn sich Restaurantgäste nach 22 Uhr vor dem Lokal verabschieden?

Einer der Inhaber, Stefan Roth, wurde im September 2016 mit einer Vorladung überrascht: Ein Quartierpolizist zeigte Roth heimlich aufgenommene Videoaufnahmen, wie sich Gäste nach 22 Uhr vor dem Restaurant verabschiedeten – für den Polizisten eine Nachtruhestörung. Deshalb müssten sich die Gäste ab sofort im Innern des Restaurants verabschieden. Und als Roth nachfragte, ob es normal sei, dass Restaurantbesucher und Passanten ohne deren Wissen gefilmt werden, erwiderte der Polizist, Roth solle sich nicht in die Ermittlungen einmischen.

«Sicherheitsdienst, der unsere Gäste vertreibt»

Zur «Gefahrenabwehr» und «Erkennung von Straftaten» darf laut Artikel 32 des Kantonalen Polizeigesetzes heimlich gefilmt werden. Doch «im Bereich Lärmschutz erfolgt die Massnahme nur in Ausnahmefällen», wie Judith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei Zürich, sagt.

Verantwortlich dafür, dass das Restaurant Razzia als ein solcher Fall gilt, sind die zahlreichen Lärmklagen – von zwei Anwohnerinnen. Eine der Frauen begebe sich sogar regelmässig um 22 Uhr ans Fenster. «Befinden sich dann noch Gäste auf der Strasse, zückt sie das Handy und schiesst Fotos», sagt einer der Razzia-Gastronomen, Erik Hämmerli.

Securitys schicken Gäste weg

Schon vor der Vorladung reagierten die Inhaber des Razzia im Frühling 2016 mit Security-Mitarbeitern, die Gäste wegbitten sollten, falls diese sich nach 22 Uhr noch vor dem Eingang des Restaurants aufhalten würden. «Man muss sich das einmal vorstellen, wir bezahlen einen Sicherheitsdienst, damit dieser unsere Gäste vertreibt», sagt Hämmerli zum «Tages-Anzeiger».

Und trotz des hohen fünfstelligen Betrags, den man pro Jahr für diesen Dienst ausgebe, hätten die Klagen der Anwohner nicht abgenommen. Auch eine Einigung am runden Tisch konnte nicht erzielt werden. Eine der Anwohnerinnen spricht von «Sodom und Gomorrha», das sich jeden Abend vor dem Razzia abspiele.

40 Vollzeitstellen stehen auf dem Spiel

Die Gastronomen und Betreiber sehen das Razzia bedroht und mussten schon die Öffnungszeiten anpassen: Früher waren Restaurant und Bar unter der Woche bis zwei Uhr und am Wochenende bis vier Uhr morgens geöffnet – neu schliesst das Lokal um Mitternacht. «Wir verlieren damit jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag», sagt Hämmerli. Wegen der neuen Öffnungszeiten und der heimlichen Videoaufnahmen habe das Restaurant schon Stammgäste verloren. Sollte sich nichts ändern, seien 40 Vollzeitstellen bedroht.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Semi-Bünzli am 06.10.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Undank ist der Welten Lohn

    40 Vollzeitstellen in Gefahr, heimliche Polizeiaufnahmen, Verweisung auf einen Gesetzesartikel, Bezahlung eines Securitydienstes zur Wegweisung von Gästen. Ist das wirklich die Schweiz in der wir uns befinden wollen?

  • Jack Lee am 06.10.2017 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wer im Stadtzentrum wohnt, hat eine höhere Lärmbelastung zu tolerieren. Unverständlich, dass hier die Behörden nicht mehr Fingerspitzengefühl zeigen.

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  • Maler50 am 06.10.2017 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total unverhältnismäßig

    Total unverhältnismäßig! Es scheint mir so zu sein dass die zwei Damen grundsätzlich gegen das Restaurant sind!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wipkinger am 09.10.2017 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    riesen Theater

    Auf den Bildern sieht man klar, das vor dem Restaurant das Trottoir ist. Dieser Bereich ist allgemein zugänglich und somit öffentlich. Was können die Betreiber des Restaurants dafür, was auf dem öffentlichen Trottoir passiert. Andererseits fragt man sich auch, was zuerst da war, Restaurant oder die beiden Mieter. In der Stadt gibt es Lärm, wem das nicht passt, der soll aufs Land. Erst nehmen kann ich es so oder so nicht, wenn man es mit besetzten Häusern oder den Partys beim Letten vergleicht

  • K.s. am 09.10.2017 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sssss

    Wenn diese zwei damen so lärmempfindlich sind, sollten sie nicht mitten in der stadt wohnen. Hat die nichts besseres zu tun als nach zehn uhr auf die strasse zu schauen ob da noch leute sind.

  • james wilson am 08.10.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weil es das seefeld ist...

    ... und weil es um einen legal ordentlich angemeldetem gastrobetrieb handelt, schreitet die polizei schon bei zwei anwohnern, die reklamieren, ein. das tut sie mit dem segen ihres chefs! bei kochareal tut sie nach wie vor nichts. egal wie viele anwohner reklamieren. merkt einer was? besetzter haben mehr rechte, als legale gastrobetriebe! das ist das eine. das andere ist, dass leider zuvile menschen, sowas wie respekt nicht mehr kennen. egla von welcher szene...

  • Sandra M. am 08.10.2017 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Lärm ist gesundheitsschädlich

    Einen Dank an die Polizei, welche sich bemüht, dass die Anwohner zu ihrem Recht kommen. Die Stadt ist kein Partykeller für die Spassgesellschaft, sondern es wohnen und leben (immer noch) ganz normale Leute dort.

  • Erica am 06.10.2017 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jesses Maria...

    ...was sind dies für zwei Tanten. Wer an solchen Orten wohnt, darf nicht jeden Sonntag in die Kirche rennen. Wenn ich lese, dass die Tanten von Sodom und Gomorrah sprechen, dänn guet Nacht am sächsi....das heisst ja für die Nobelbeiz, dass dort Dekadenz, Völlerei, Wollust und all die Todsünden herrschen, die diese Tanten wohl noch nie erleben durften. Und wegen solchen zwei Mumien die nie richtig gelebt haben, muss eine Beiz zu Grunde gehen.