Rumänin erpresst Zürcher

05. Dezember 2013 07:07; Akt: 05.12.2013 07:27 Print

«Sie stellte mein Nacktvideo auf Facebook»

von Marco Lüssi - Der Zürcher Daniel F. (26) ist in eine Sex-Falle getappt: Ein Video, das ihn beim Chat nackt bis auf die Boxershorts zeigt, veröffentlichten die Erpresser auf Facebook.

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Daniel F. (Name geändert) lernte am Montagabend auf der Dating-Plattform Badoo die 24-jährige «Susan» kennen. «Ich hatte ein paar Bierchen getrunken, bevor ich online ging», berichtet der 26-Jährige aus dem Kanton Zürich. Im Chat erzählte ihm die gutaussehende Susan, sie sei halb Engländerin und halb Rumänin und halte sich derzeit bei Verwandten in der Schweiz auf. Sie sagte F., sie wolle ihn sehen, er solle die Webcam einschalten und sie per Skype kontaktieren. F. wollte erst nicht: «Ich sagte ihr, ich würde sie lieber mal treffen und sei jetzt sowieso müde», so der Zürcher Single.

Doch Susan liess nicht locker, bis F. einwilligte und die Skype-Verbindung stand. Dann kam sie in Fahrt: «Sie zog sich aus, spielte mit ihren Brüsten», berichtet F. «Daraufhin forderte sie mich auf, mich ebenfalls zu entkleiden.»

Opfer sollte 700 Euro nach Rumänien überweisen

Am Ende hatte F. nur noch die Boxershorts an: «Ich bin halt auch nur ein Mann.» Susan drängte ihn, auch die Unterhosen auszuziehen, sie wolle seinen Penis sehen. «Ich hatte schon von Sextortion gehört und wurde misstrauisch. Deshalb fragte ich sie: Woher weiss ich, dass du das nicht ins Internet stellst?» In diesem Moment war es vorbei mit der knisternd erotischen Stimmung: Susan offenbarte ihm, dass sie genau dies vorhabe, wenn er ihr nicht 700 Euro zahle.

Und sie schritt gleich zur Tat, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen: «Sie schickte mir mehrere Youtube-Links, die zeigten, dass das Video bereits online war.» Wenn ich nicht zahle, werde es auch an meine Facebook-Freunde geschickt. F. erklärte sich zum Schein bereit, die Zahlung zu machen. «Ich hoffte, dass die Infos, die sie mir für die Überweisung geben würde, der Polizei später helfen könnten, die Täter zu fassen.»

Tatsächlich erfuhr er, dass er das Geld nach Rumänien überweisen sollte und erhielt auch einen Namen. Gezahlt hat F. nicht – er gab vor, er habe technische Probleme bei der Transaktion.

Im Internet als «Pädophiler» bezeichnet

Das rächte sich: Tatsächlich stellte Susan das Video auf Facebook, alle seine Freunde konnten es sehen. «Das war natürlich peinlich, doch glücklicherweise haben meine Freunde locker reagiert, viele fragten mich, wie sie mir helfen könnten.» Natürlich sei er aber froh, dass er sich geweigert habe, seine Boxershorts auch noch auszuziehen. Schlimmer noch als die Veröffentlichung des Videos ist für ihn, dass Susan den Film mit einem Begleittext versah, in dem sie seinen vollen Namen, seinem Wohnort und Bezeichnungen wie «Pädophiler» und «Kinderschänder» aufführte. «Das könnte mir sehr schaden, weil ich beruflich mit Jugendlichen zu tun habe.»

Aus dem Internet konnte F. das Video wieder entfernen, indem er es bei Youtube als «anstössig» meldete. Von Susan hat er nichts mehr gehört. «Ich traue der Sache noch nicht ganz, aber ich vermute, dass ihr und ihren Hintermännern der Aufwand mit mir zu gross ist und sie sich bereits neue Opfer gesucht hat», sagt F. Er werde aber bei der Polizei Anzeige wegen versuchter Erpressung erstatten.

«Mehrere Tätergruppen»

Ähnliches wie F. erleben viele Schweizer Männer. Im Sommer dieses Jahres hat die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) des Bundesamts für Polizei vor der Sextortion-Masche gewarnt – solche Fälle würden sich häufen. Trotz der Warnung haben die Fälle seither nicht abgenommen: «Der Meldungseingang ist stabil», sagt Sprecherin Danièle Bersier.

Die Kobik kennt mehrere Fälle, in denen wie bei F. die Drohung, das Sexvideo ins Netz zu stellen, umgehend wahrgemacht wurde. Die Betroffenen könnten aber – wie es F. auch gemacht hat – bei den Online-Plattformen veranlassen, dass das Video wieder gelöscht werde: «Bei Facebook und Youtube sind pornografische Inhalte beispielsweise nicht erlaubt und werden in der Regel relativ rasch gelöscht», so Bersier. Das Vorgehen, das Opfer zusätzlich unter Druck zu setzen, in dem man es im Internet als «pädophil» bezeichnet, sei der Kobik bekannt.

Aussergewöhnlich ist im Fall von F., dass die Erpresser offenbar aus Rumänien stammen. Der Kobik seien vor allem Fälle bekannt, in denen Geld nach Westafrika überwiesen werden sollte, so Bersier. Aber: «Es ist von mehreren Tätergruppen auszugehen.»

Sind Sie auch Opfer von Sextortion geworden? Schildern Sie uns Ihren Fall per Mail an feedback@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baschti am 05.12.2013 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Wer in der heutigen Zeit sowas macht ist einfach selber Schuld... Entweder man hat Hirn oder man lebt halt mit Nackvideos auf Facebook^^

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  • Rumpel Stilz am 05.12.2013 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Menschen sind klug!

    Die einen vorher und die Anderen nachher!

  • Der Erpresser-erpresser am 05.12.2013 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die krieg ich!

    Ich werde sie auf Badoo finden, kontaktieren, mich zum Videochat verabreden, warte bis sie sich auszieht und mit "ihren Brüsten spielt", nehme das ganze natürlich heimlich auf, mache ein bisschen mit und warte auf die Drohung....wenn es soweit ist zeig ich ihr die Aufnahme auf der sie zu sehen ist, und drehe das spielchen um. "stell mein video online und ich werde das selbe mit deinem tun. Und der polizei schicke ich es auch noch".....dann will ich ihre Reaktion sehen :D

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ohne Anschluss am 05.12.2013 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gruss vom Netz

    Ich habe kein Facebook , Twitter , oder was auch immer. Erstaunlich: ich lebe noch und das ohne solche Probleme!

  • Stonis am 05.12.2013 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Schick einfach kein Nacktfoto!!

  • Tali Ban am 05.12.2013 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Dumm und Dümmer.

    Dumm, das man sowas macht. Dümmer, es auch noch in die Öffenlichkeit zu tragen.

  • Oli am 05.12.2013 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie blöd muss man sein...

    Ich beginne mich schon nach Niveau zu sehnen wenn ich das Wort 'Badoo' höre. Dabei gibt es soviele kontrollierte Datingplatformen *autsch* Ist jeder selber Schuld wenn er in solche Fallen tappt und dann noch einer unbekannten Person Name und Wohnort angibt. Mann hin oder her... das ist keine Entschuldigung.

  • selbstschuld am 05.12.2013 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Traumfrau

    Natürlich ziehen sich solche Frauen nicht aus Lust und Liebe vor der Webcam aus. Naiv, wer so etwas denkt. Ich bin auch nur ein Mann, aber nicht ganz blöd...