Widerstand gegen Hardturm

16. Oktober 2017 05:45; Akt: 16.10.2017 05:45 Print

«137 Meter für ein Zürcher Hochhaus ist viel zu hoch»

Ein Komitee aus Zürich-Höngg kämpft gegen die Höhe der geplanten Hardturm-Hochhäuser. Mit dabei ist ein Architekt, der bereits den Swissmill-Turm stutzen wollte.

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Für Zürich ist es eine neue Dimension: Zwei Wohnhochhäuser mit je 137 Metern Höhe sind neben dem künftigen Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal geplant. 11 Meter höher als der Prime Tower als bislang höchstes Gebäude der Stadt – und dann erst noch im Doppelpack. «Das ist viel zu hoch und wird eine Signalwirkung haben», befürchtet Architekt Marcel Knörr aus Zürich-Höngg. «Andere Bauherren wollen danach auf 140 Meter hoch.»

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Darum haben einige Höngger das Komitee «Gegen den Höhenwahn, aber für das Fussballstadion» gegründet, wie die Lokalzeitung Zürich-West kürzlich publik machte. Knörr betont im Gespräch mit 20 Minuten auch, dass sie auf keinen Fall das Stadion verhindern wollen: «Ich besuche selber ab und zu ein Spiel.» In Höngg verstehe man nur nicht, warum die beiden Türme derart hoch werden müssen. «Eine unnötige Machtdemonstration.»

«Zürich verliert seine Identität»

Und nicht nur das: Zürich ist eingebettet zwischen den beiden Seitenmoränenhügeln des ehemaligen Linthgletschers. «Dass jetzt ausgerechnet an der Hangkante des Hönggerbergs die höchsten Häuser des Kantons gebaut werden, ist städtebaulich falsch», sagt Knörr. Damit werde das seit Generationen unverwechselbare Stadtbild zerstört. Zürich verliere seine Identität und werde austauschbar, «man wähnt sich bald in Frankfurt oder Berlin».

Dabei ginge es auch anders, wie Knörr anhand des Beispiels von Lyon zeigen will: Dort entsteht in einer Entfernung von 4 bis 7 Kilometern von der Altstadt ein neuer Stadtteil. Die Höhenbeschränkung liege bei 16 Etagen. «So wird das Stadtbild nicht tangiert», sagt Knörr. Anders in Zürich: Schon vor einigen Jahren hatte der Stadtrat mit einem Gestaltungsplan die Bauordnung, die eine Höhenbeschränkung von 80 Metern vorsieht (siehe Box), «ausgehebelt», wie Knörr sagt. Damit wurde der höchste Getreidesilo der Welt überhaupt erst möglich.

Diesen 118 Meter hohen Swissmill-Turm hatte der Architekt ebenfalls bekämpft – allerdings ohne Erfolg. «Als Demokrat habe ich die Niederlage an der Urne akzeptiert, zumal ich die Architektur gar nicht so schlecht finde», sagt er. «Trotzdem steht dieses Bauwerk am falschen Ort.» Erstens erzeugten seine Mehltransporte viel Verkehr, und zweitens werfe es im Sommer einen Schatten auf die Badi Unterer Letten.

Drei kleinere statt zwei hohe Türme?

Solche hohen Gebäude gehören für Knörr, der einst Präsident des Zürcher Heimatschutzes war, wenn überhaupt nach Zürich-Nord, aber nicht ins Limmattal. Darum schweben seinem Komitee im Fall Hardturm beispielsweise drei kleinere Türme vor. Wie hoch die sein sollten, sei noch nicht besprochen.

Das Komitee will nun mit der Bauherrschaft in Kontakt treten – unterstützt womöglich «von einer bürgerlichen Partei», wie Knörr sagt: «Die Höngger sind bekannt für ihre Wehrhaftigkeit – so haben sie etwa das Wohnprojekt Ringling gebodigt.» Ziel sei, jetzt eine Korrektur anzubringen, nicht erst dann, wenn das Stimmvolk über den Gestaltungsplan zu befinden hat.

Bis dahin dauert es noch eine Weile. Zuerst liegt der Entwurf des privaten Gestaltungsplans bis 20. November öffentlich auf, nächsten Frühling soll dann der Gemeinderat entscheiden, danach folgt der Urnengang. Der Stadtrat steht hinter der geplanten Höhe: Für ihn sind die Türme «gestalterisch hochwertig und reihen sich bestens in das Hochhäuser-Ensemble in Zürich-West ein», wie Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) im September vor den Medien sagte.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sommer am 16.10.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Viel zu hoch, verbauen wir lieber noch ein paar Wiesenflächen wer braucht die schon? Es wird Zeit so hoch zubauen. Ich frage mich ja echt ob Herr und Frau Schweizer keine andere Probleme haben.

  • Clöde am 16.10.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Hochhäuser gehören nunmal in eine Stadt. Wer diese nicht mag, soll aufs Land ziehen.

    einklappen einklappen
  • Zürich am 16.10.2017 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hochhinaus

    Einige scheinen es nach wie vor nicht verstanden zu haben... In der Zukunft gibts nur einen Ausweg und der geht nach oben! Schon jetzt ist der Wohnraum in Zürich zu knapp und die Stadtgrenzen sund ausgeschöpft...

Die neusten Leser-Kommentare

  • MamaKartoschka am 16.10.2017 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohnungsnot

    Zürich braucht bezahlbare Wohnungen ohne unnötigen Luxus. Aber bitte bloss keine leerstehenden Büroklötze mehr.

  • MamaKartoschka am 16.10.2017 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochhäuser mit eigenem Charakter

    Hochhäuser finde uch gut. Aber bloss keine vin diesen Stahl/Beton/Glas Klötzen. Die sind stillos und langweilig. Zudem schlecht heiz und kühlbar. Urban farming sollte zudem auch ermöglicht werden.

  • Karl am 16.10.2017 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit der Zeit gehen

    Wo nimmt das den was vom Stadtbild? Es würde das Stadtbild eher bereichern wenn der Kreis 5 zu einem schönen Hochhausstadtteil würde. Es brächte viele neue Wohnungen und gemischt mit den Industriebauten wäre es ein schöner Stilmix! Das Stadtbild von Zürich ist im übrigen das Seeufer bis zum Bhf.

  • Städtler am 16.10.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Durchblick

    So wie der Architekt auf Bild 2 dreinschaut, sieht er ja sowieso nicht bis in Areal hinunter! Aufhören..., dass ist reines Eigeninteresse und hoffentlich die Meinung aller Höngger....

  • Andreas Frey am 16.10.2017 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Landeier

    Mit solchen teuren Türmen kann man keine günstigen Wohnungen bauen. Die grösste Verdichtung erziehlt man mit Blockrandbebaungen und nicht mit solchen Prestigeobjekten die die einmalige Landschaft von Zürich zerstören. Vielleicht sehen dies die Landeier nicht oder sie wollen es.