Stadt Zürich

08. November 2017 11:18; Akt: 08.11.2017 18:14 Print

«Schneekönig» weitere 7,5 Jahre hinter Gitter

Einmal mehr muss der «Schneekönig» zurück ins Gefängnis: Das Bezirksgericht Zürich hat den 62-jährigen notorischen Kokain-Dealer R. L. zu einer Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren verurteilt.

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«Sie haben es schon wieder verbockt», sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. Von Reue und Einsicht sei wie immer keine Spur. «Ihnen tut es einfach leid, dass sie jetzt in ihrem Alter wieder in die Kiste müssen.» Die Geschichte des «Schneekönigs» sei keineswegs faszinierend. «Sie sind einfach ein Schwerverbrecher.»

«In die Kiste» geht es für den Kokain-Händler R. L., weil er alten Kollegen aus dem Milieu «ein paar Gefallen tat», wie er es selber ausdrückte. Diese bestanden darin, Kokain zu lagern und weiterzugeben. Insgesamt waren es dieses Mal 1,6 Kilogramm. Zudem schickte er eine Botin nach Rotterdam, die Kokain in die Schweiz schmuggeln sollte.

Dafür wurde er am Mittwoch zu 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Dazu kommen weitere 2,5 Jahre, die von einer Verurteilung aus dem Jahr 2011 im Kanton St.Gallen stammen. 2016 wurde er auf Bewährung freigelassen. Kaum in Freiheit, klickten schon wieder die Handschellen. Deshalb muss L. die 2,5 Jahre nun «nachholen».

«In kleinerem Umfang tätig»

Sein Anwalt argumentierte am Mittwoch vergeblich, dass die 1,6 Kilogramm für seinen Mandanten eine vergleichsweise geringe Menge seien. «Er ist heute in deutlich kleinerem Umfang tätig.» Somit sei er auf gutem Weg und müsse milder bestraft werden. Er forderte eine Freiheitsstrafe von lediglich 3 Jahren.

Als Motiv für seinen erneuten Rückfall in den Drogenhandel nannte der «Schneekönig» den Druck im Alltag. Es sei schwierig gewesen, als er 2016 raus gekommen sei. Die alten Kollegen würden ihn leider immer noch als Kokain-Händler ansehen. Er habe sogar ein Burn-out erlitten. «Deshalb habe ich wieder einen Blödsinn gemacht.»

Heute stapelt er Tupperware-Dosen

Der «Schneekönig», wie er im Milieu genannt wird, kam als 16-jähriger Teenager erstmals mit dem Drogenhandel in Kontakt. Seit 1977 wurde er zu insgesamt 32 Jahren Gefängnis verurteilt. Er sass also mehr als sein halbes Leben im Gefängnis.

In der Zeit, die er in Freiheit verbrachte, pflegte L. einen schillernden Lebensstil, wohnte zeitweise in einem Penthouse am Zürichberg und fuhr mit dem Rolls Royce durch die Langstrasse.

Heute stapelt er im Gefängnis Horgen Tupperware-Dosen. Über sein Leben «drinnen» und «draussen» schreibt er seit einigen Jahren eine Biografie. Er habe schon 305 Seiten fertig. Allerdings sei es gerade etwas mühsam, da er im Gefängnis keinen Laptop benutzen dürfe.

Seine Zukunft stellt er sich unspektakulär vor, als «normaler AHV-Rentner». Allerdings nicht in der Schweiz, wo immer das Milieu lockt, sondern im Ausland. Er träumt davon, mit seiner deutlich jüngeren, kolumbianischen Freundin nach Südamerika auszuwandern.

*Name der Redaktion bekannt

(sda/20m)