Polterabend-Unfall in Wohlen AG

23. Juli 2017 12:05; Akt: 24.07.2017 10:32 Print

«Die Leute hat es aus dem Wagen gespickt»

von J. Furer - Eine Poltergesellschaft ist am Samstag in Wohlen AG beim Feiern auf einem Traktor mit Anhänger schwer verunfallt. Anwohner schildern die Szene.

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Ein Polterabend endet am Samstag tragisch: 17 Leute feierten auf einem Anhänger, der von einem Traktor gezogen wurde. Bei der Abfahrt der steilen Hochwachtstrasse in Wohlen AG drückte das ganze Gewicht des nicht bremsbaren Anhängers gegen den Traktor und schob diesen trotz massivem Bremseinsatz vor sich her.

Der Chauffeur verlor dabei die Kontrolle über den Traktor, die Komposition kippte um und die 17 Personen der Poltergesellschaft sowie der Chauffeur wurden auf die Strasse geschleudert. Alle 18 Personen wurden verletzt, drei von ihnen schwer.

«Ich habe schnell gemerkt, dass etwas nicht stimmte»

Nachbar Beni Malgo berichtete gegenüber Tele M1 von dem Vorfall. Er sei gerade im Garten gewesen, als er den Traktor und die Feiernden gehört hat. «Ich habe schnell gemerkt, dass etwas nicht stimmte, denn es ist eine 30er-Zone und das Gespann war viel zu schnell unterwegs», erzählt er. Dann habe es gerumpelt, der Wagen sei umgekippt und der Traktor in seine Gartenmauer gekracht. «Die Leute hat es rausgespickt und sind dann zwischen Getränkeflaschen am Boden gelegen.»

Eine Anwohnerin hat den Unfall mitbekommen und sagt zu 20 Minuten: «Von überall her waren Sirenen zu hören. Viele Rettungswagen, Polizeiautos und auch Rega-Helikopter waren vor Ort.» Ihr Mann sei daraufhin zur Unfallstelle geeilt. «Es war schrecklich. Überall lagen Leute am Boden, die beim Unfall aus dem Traktoranhänger geschleudert wurden», so die Anwohnerin. Sie seien teilweise mit Decken zugedeckt gewesen. «Mein Mann dachte zuerst, es hätte Tote gegeben. Glücklicherweise war dem aber nicht so.»


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«Das waren unschöne Bilder»

Auch andere Anwohner haben den Unfall mitbekommen. «Wir haben gesehen, wie die Verletzten zu den Ambulanzen und Helikoptern gebracht wurden. Das waren unschöne Bilder. Ich hätte nie gedacht, dass in unserer Strasse so etwas Tragisches passieren kann», sagt einer.

Ein anderer kam gerade von einem Ausflug vom Hallwylersee nach Hause, als er die Helikopter, Polizeiautos und Krankenwagen sah: «Die Strasse war komplett gesperrt. Ich kam nicht mehr zu meinem Haus durch.»

«Es musste vermieden werden, dass der Traktoranhänger auf die Patienten fällt»

Marcel Christen war am Samstag als Kommandant der Feuerwehr Wohlen im Einsatz. «Zuerst haben wir die Meldung erhalten, dass wir die Strasse sichern müssen», sagt er zu 20 Minuten. Drei Minuten später habe der Rettungsdienst sie aber zum Unfallort gerufen. «Sie brauchten Hilfe, weil der Anhänger stabilisiert werden musste. Denn auf der Strasse lagen die Verunfallten. Es musste vermieden werden, dass der Traktoranhänger auf sie fällt.» Die Bilder gehen Christen auch heute noch durch den Kopf: «Wenn man so etwas sieht, erschrickt man. Solche Bilder sind nicht alltäglich und beschäftigen einen.»

Nachdem der Traktor gesichert war, unterstützen Christen und weitere Mitglieder der Feuerwehr Wohlen den Rettungsdienst. «Wir halfen die Patienten abzutransportieren. Sie hatten Schürfungen, Prellungen und einige haben geblutet.» Tele M1 berichtete, dass einer der Verletzten heute Morgen aus dem künstlichen Koma aufgewacht sei.

Vorher grilliert

Über den Zustand der Verletzten kann Daniel Saridis, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, derzeit keine Auskunft geben. Er sagt aber: «Die Poltergesellschaft hat oberhalb von Wohlen grilliert. Danach haben sie sich auf den Weg ins Dorf gemacht, als sich der Unfall ereignete.»