Selbstversuch

25. Dezember 2016 23:58; Akt: 25.12.2016 23:58 Print

Eine schmerzfreie Geburt dank Hypnose?

von M.Sommerhalder - Geburtshypnose verspricht eine schmerzfreie Geburt. Nicht verwunderlich, boomen solche Angebote. Doch ganz so einfach ist es nicht, wie ein Selbstversuch zeigt.

Susanne Keller zum Thema Geburtshypnose.
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Bin im Endspurt – noch etwa (drei) Wochen dauert es, bis mein erstes Kind zur Welt kommt, die Vorfreude ist riesig. Was die Geburt angeht, so habe ich gemischte Gefühle. Mal denke ich, dass ich das schon packe – dann kommen wieder Zweifel auf und ich würde am liebsten ganz viele Betäubungsmittel auf Vorrat bestellen.

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Aber eigentlich will ich das Ganze so natürlich wie möglich hinkriegen – und so stiess ich auf das Thema Geburtshypnose. Dank mentaler Vorbereitung sollen Schmerzen ganz oder fast vermieden werden – eine schöne und schnellere Geburt also. Nicht verwunderlich boomen bei diesen Versprechungen Hypnobirthing-Kurse in Zürich. Zahlreiche Therapeuten preisen ihre Dienste an.

Keine Lust auf Regenbogenentspannung

Für einen mehrwöchigen Kurs ist es für mich definitiv zu spät. Ich fange an, ein Buch zu lesen über die Methode, die aus den USA stammt. Von Wellen statt Wehen und von Gefühlen statt Schmerzen ist da die Rede. Ausserdem sind zahlreiche Übungen aufgeführt, die man monatelang mindestens einmal pro Tag machen sollte. Nur bleiben mir keine Monate mehr, und ehrlich gesagt fehlen mir etwa für die sogenannte Regenbogenentspannung auch Lust und Disziplin.

Zwei Hebammen empfehlen die Hypnosetherapeutin Susanne Keller, eine zweistündige Einzelsitzung für 250 Franken bei ihr sollte reichen. So sitze ich wenige Tage später bei ihr in der Praxis in Wipkingen. Alles ist hell und freundlich eingerichtet, in der Ecke steht eine Liege – keine Räucherstäbchen und keine esoterischen Kerzen.

Keine Garantie für eine schmerzfreie Geburt

Keller ist 49, hat blonde, kurze Haare und Tätowierungen – sie ist mir sympathisch mit ihrer direkten und bodenständigen Art. Auch redet sie nicht von Wellen oder Regenbogenentspannung, sondern kritisiert das amerikanische Hypnobirthing: «Den Frauen wird suggeriert, dass Schmerzen ausbleiben, wenn sie brav ihre Übungen machen.» Viele fühlten sich dann als Versagerinnen, wenn es doch anders sei, dabei gebe es «keine Garantie für eine schmerzfreie Geburt».

Klingt ehrlich, aber nicht unbedingt beruhigend. «Doch Hypnose kann einen schmerzunempfindlicher machen», sagt sie gleich, als ich auf dem Korbsessel etwas nervös hin- und herrutsche. Denn laut Keller schüttet der Körper sowieso schon Hormone aus, die der Frau während der Geburt Entspannung und Schmerzlinderung bringen: «Mit Hypnose kann dieser Zustand vertieft werden.»

Positive Bilder im Unterbewusstsein

Sie fragt mich, was mir gewöhnlich gegen Schmerzen hilft – und wie ich mich entspannen kann. «Beim Wandern oder Joggen in der Natur», sage ich ihr, dann geht es auf die Liege. Ich fühle mich zuerst etwas merkwürdig, als mir Susanne Keller mit langsamer Stimme sagt, dass ich meine Gesichtsmuskeln entspannen soll. Doch bald fällt es mir schwer, ihr zu folgen. Ich döse weg, zwischendurch höre ich etwas von Waldspaziergängen.

Nach 18 Minuten holt sie mich in das Hier und Jetzt zurück – ich fühle mich gut, bin voller Energie. Doch hat die Übung auch etwas gebracht, wenn ich alles quasi verschlafen habe? «Ja, durch die Hypnose sind die positiven Bilder in deinem Unterbewusstsein», sagt mir Keller. Während der Geburt könnten sie abgerufen werden, «man erinnert sich automatisch daran».

Doch noch Hausaufgaben

Ich bin gespannt. Damit mein innerer Film wirklich gestartet wird, kriege ich doch Hausaufgaben in Form eines USB-Sticks. Auf diesem hat Keller die Worte aufgenommen, die sie mir während der Hypnose erzählt hat. Täglich hören muss ich die Aufnahme aber nicht, sagt Keller: «Lieber, du machst es zwei- oder dreimal richtig», sagt sie.

Mit diesem Aufwand kann ich leben. Da bleibt auch noch genug Zeit, um Babykleider einzuräumen, Kuchen zu essen mit Freundinnen und für Spaziergänge im Wald – so dass ich möglichst entspannt bin, wenn es losgeht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • adri.b am 26.12.2016 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    positive Erfahrungen

    ich bin von hypnose überzogen.ich gehe zur hypnose ,wegen meinen Depressionen und meiner Gemütsschwankungen, und ich kann nur sagen, es hilft!!!

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  • Lisa am 26.12.2016 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer muss gebären?

    Spannend zu lesen, dass Männer offenbar besser Bescheid wissen, als manche Mütter hier in den Kommentaren. "Ironie off!"

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  • Mariann Frank-Gabathuler am 26.12.2016 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Jede Schwangere hat eigene Bedürfnisse

    Ich bin selbst Hypnosetherapeutin in Zürich und habe jahrelange Erfahrung in mentaler Geburtsvorbereitung bzw. Hypnobirthing. Ich verstehe unter zeitgemässer Geburtsvorbereitung keine wolkigen Reklameversprechen, sondern zu erklären, was bei der Geburt passiert, wie und warum Schmerzen entstehen, um dann Strategien zu vermitteln mit der Geburtssituation umzugehen. Das heisst, auf die Paare einzugehen. Von den Rückmeldungen "meiner" Frauen weiss ich, dass die Methode funktioniert. Es gab weniger Ängste, dadurch mehr Vertrauen in den Körper und das Baby und die Fähigkeit zu gebären.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grosmami am 27.12.2016 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geburt

    Eine Kind zu bekommen,geht nun mal nicht ohne etwas Schmerzen zu haben vorüber aber diese Schmerzen sind bald vergessen wenn die Geburt vorbei ist! Bei Hypnose wird man manipuliert und begibt sich auf gefährliches Terain! Unter Umständen wird man ein Leben lang darunter leiden! Alles Gute für die Geburt!

  • andrea am 27.12.2016 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kanns nur empfehlen

    ich, kopletter faktenmensch, habe selbst zwei kinder zur welt gebracht. hypnobirthing hat mir geholfen vertrauen in meinen körper und die natur zu gewinnen. da im kurs der mechanismus der gebärmutter gut erklärt wurde und einem werkzeug zur entspannung mitgegeben wurde, waren die geburten zwar nicht schmerzfrei aber auch ohne pda gut zu schaffen (beide kinder um 4kg und 50cm). allerdings gibts das nicht umsonst - entspannen auch unter unbekannten umständen will geübt werden!

  • Jane Doe am 27.12.2016 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es kommt eh anders

    Ich hatte eine komplikationlose, absolut traumhafte erste Schwangerschaft. Deshalb dachte ich, naiv wie ich war, dass die Geburt auch schön verlaufen würde. Solche Schmerzen hätte ich mir allerdings im Traum niemals vorstellen können. Deshalb mein Rat an alle Gebärenden: seid nicht allzu sehr auf eine Art zu gebären fokussiert (unbedingt mit/ohne PDA, Kaiserschnitt ja/nein, im Wasser, usw.), wenn's anders kommt, ist man sonst masslos enttäuscht, oder meint sogar man hätte versagt.

  • Emma am 27.12.2016 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geburt

    Ich habe nur Horror von meinen Geburten. Ich kann bis heute nicht begreifen was daran so schön und intensiv sein soll . Aussage einiger Hebammen die sich oft überschätzten.

  • doris am 26.12.2016 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schmerzfrei

    heutzutage wollen frauen kinder, sind jedoch nicht bereit zur natürlichen geburt. es muss schnell, schmerzlos und schön sein. was wollt ihr eigentlich? eine geburt verursacht schmerzen, bei einigen mehr oder weniger. bei einigen ist sie schnell bei anderen länger. bleibt doch nicht im bett liegen und wartet ab! bewegt euch, lauft umher denn das kind im bauch hilft ja mit rauszukommen. beim umherlaufen hilft die schwerkraft das kind nach unten zu drücken und somit geht dies einfacher. badewanne, geburtsschaukel was noch? ihr seid verwöhnt und nicht mehr belast bar. ist das aus liebe zum baby? wohl kaum!