Anwalt von Kiko

23. Mai 2017 05:54; Akt: 23.05.2017 18:22 Print

«Wir werden das Urteil weiterziehen»

Hassan Kiko ist wegen Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen schuldig gesprochen worden. Die Verteidigung ist damit nicht zufrieden und wird das Urteil weiterziehen.

Jürg Krumm vertrat bei der Urteilsverkündung Valentin Landmann. Was er vom Urteil hält, sagt er im Interview. (Video: jen)
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Mit umgekehrtem Cap und weissem T-Shirt betrat der syrische Häftling Hassan Kiko am Dienstag den Gerichtssaal. Er musste sich wegen Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen am Bezirksgericht Dietikon verantworten und wurde verurteilt: Er kassiert eine unbedingte sechsmonatige Freiheitsstrafe.

«Der Entschluss von Magdici ist entscheidend auf die Fragen von Kiko zurückzuführen, ob sie ihn freilasse», begründete der Richter das Urteil. Zudem sei auch eine Bitte als Anstiftung zu werten.


Die Staatsanwältin Anette Schmidt ist zufrieden mit dem Urteil.

«Das hätten wir nicht erwartet»

Jürg Krumm vertrat bei der Urteilsverkündung Valentin Landmann, den Anwalt von Hassan Kiko. Er ist überrascht vom Entscheid der Richter: «Das hätten wir nicht erwartet.» Deshalb werde man bereits am Mittwoch Berufung anmelden und das Urteil vor das Zürcher Obergericht ziehen.

Zufrieden war hingegen die Staatsanwältin Anette Schmidt: «Das Gericht ist uns in allen Punkten gefolgt. Ich finde es richtig, dass man nicht straffrei bleibt, wenn man eine Beamtin zu einer Flucht anstiftet.»

Wir haben die Heiratspapiere eingereicht»

Am Prozess anwesend war auch Kikos Verlobte Angela Magdici, mit der er am 9. Februar 2016 aus dem Gefängnis Limmattal geflüchtet war. Nach dem Prozess küsste sich das Liebespaar und erhielt vom Richter die Erlaubnis, ein paar Minuten miteinander zu verbringen. Schon zu Beginn der Verhandlung hatte Kiko über seine Beziehung zu Magdici gesagt: «Wir haben die Heiratspapiere eingereicht.» Angela Magdici stand wegen der Flucht bereits am 24. Januar vor dem Bezirksgericht Dietikon. Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt verurteilt.

Begleitet wurde Magdici von ihrem Anwalt Urs Huber. Er zeigte sich vor dem Prozess noch zuversichtlich, als eine Journalistin Magdici fragte, ob sie aufgeregt sei: «Es gibt keinen Grund, nervös zu sein. Das Urteil ist klar: Es wird einen Freispruch geben, denn es handelt sich hier um eine straflose Selbstbegünstigung.»

Hassan Kiko wird im Mai der Prozess gemacht

Wie Bonny und Clyde

Auch der Anwalt von Kiko, Valentin Landmann, sah das so. Er plädierte vor Gericht auf Freispruch. «Eine Frage oder Bitte ist keine Anstiftung zur Gefangenenbereiung, sondern etwas, das eine Wärterin ablehnen muss.» Zudem hielt Landmann in seinem Plädoyer fest, dass eine Flucht nicht strafbar sei: «Es liegt in der Natur des Menschen, dass dieser in Freiheit leben will. Der Staat trägt die Verantwortung, dass Häftlinge nicht entweichen.»

In seinem Plädoyer führte Landmann nochmals die Liebesgeschichte zwischen Kiko und Magdici aus und sagte: «Das war eine höchst romantische Flucht.» Landmann zog den «Bonny und Clyde»- Vergleich: «Einfach ohne Maschinenpistolen.» Unter anderem, weil eben auch keine Köperverletzung, Sachschäden oder Ähnliches auf der Flucht begangen worden seien, sei Kiko freizusprechen.

Gefängnisstrafe von fünf Monaten gefordert

Anders sah das die Staatsanwältin Anette Schmidt: «Als Anstiftungsmittel kommt auch eine Bitte in Frage.» Kiko habe zudem Magdici immer wieder auf die Flucht angesprochen, bis sie schliesslich zugesagt habe. «Obwohl Kiko wusste, dass Magdici nicht befugt war, über eine Entlassung zu entscheiden, stiftete er sie an, ihre Pflichten zu verletzen und ihre Kompetenzen zu überschreiten», so die Staatsanwältin.

Sie forderte, dass Kiko wegen Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Monaten verurteilt wird. Sie soll zusätzlich zu der Freiheitsstrafe von vier Jahren, die Kiko wegen Vergewaltigung kassiert hat, vollzogen werden.

Angela Magdici kam mit ihrem Anwalt zum Prozess. Dieser war von einem Freispruch überzeugt:

Auch Valentin Landmann zeigte sich vor dem Prozess siegessicher:

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(jen)