Roger Köppel

26. Februar 2015 20:03; Akt: 26.02.2015 20:03 Print

«Meine Kandidatur ist eher ein Müssen»

«Weltwoche»-Chef Roger Köppel wollte gar nicht Nationalrat werden. Und auch seine Frau ist nicht unbedingt begeistert. Warum er trotzdem kandidiert, verrät er im Interview.

Roger Köppel an der Medienkonferenz der SVP im Hotel Schweizerhof in Zürich. (Video: Vincent Freigang)
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Sie werden in einem Monat 50 und wollen jetzt noch eine politische Karriere starten. Ist das ein Zeichen einer Midlife-Crisis?
Roger Köppel: Im Gegenteil. Ich suche nicht mal eine neue Herausforderung. Meine Kandidatur ist eher ein Müssen und hat nichts mit Selbstverwirklichung zu tun. Ich bin alarmiert über die politische Entwicklung in Bern, die ich als Journalist beschreibe. Nun reicht es mir nicht mehr, nur an der Seitenlinie zu stehen.

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Vor einem Jahr sagten Sie aber in einem Interview, dass ein politisches Engagement unwahrscheinlich sei.
Ich habe mich zwar schon damals über die politische Situation geärgert, aber ich ging davon aus, dass es gut kommt. In den letzten Monaten beobachtete ich aber eine dramatische Fehlentwicklung der Berner Politik, die durch die linke Mehrheit geprägt wird. So wird etwa die direkte Demokratie nicht mehr ernst genommen und man liest der EU jeden Wunsch von den Lippen ab. Der Auslöser für meinen Entscheid war aber der Auftritt von Simonetta Sommaruga an der SVP-Albisgüetli-Tagung.

Warum?
Ich fand es unglaublich, dass die Bundespräsidentin die SVP in den Senkel stellte und ihr politische Positionen unterstellt, die sie nicht hat – namentlich, dass sie gegen die Menschenrechte ist und das Folterverbot aufweichen will.

In Bern wären Sie einer von 246. Reicht Ihnen dieser Einfluss?
Zuerst muss ich mal gewählt werden. Der Nationalrat ist aber ein wichtiges Forum der Politik – hier möchte ich denen helfen, die sich für die richtige Seite einsetzten. Dafür kommt für mich nur die SVP in Frage, da ich mit der Partei in den wichtigen Positionen übereinstimme. Etwa was die Unabhängigkeit der Schweiz und die kritische EU-Haltung angeht. Ich würde mich im Nationalrat aber auch für eine bessere bürgerliche Zusammenarbeit einsetzen.

Sie wollen als SVP-Nationalrat weiterhin Chefredaktor und Verleger der «Weltwoche» bleiben. Sind Sie dann als Journalist noch glaubwürdig?
Meine Glaubwürdigkeit wird steigen, da meine Kompetenz durch dieses Amt grösser wird. Es wäre beunruhigend, wenn man seine Glaubwürdigkeit verliert, weil man seine Verantwortung für eine liberale, unabhängige und bürgerliche Schweiz wahrnehmen will.

Sie gelten als intelligenter und unabhängiger Denker. Werden Sie nun zum Parteisoldaten der SVP?
Es ist nicht das Verständnis der Politik, dass man seinen Charakter in der Garderobe des Bundeshauses abgibt. Ich gehe als Journalist und Unternehmer in dieses Parlament – und ich werde dort weiterhin für meine heutigen Positionen eintreten. Jeder kann sich dann in der «Weltwoche» davon überzeugen, dass ich von meiner unabhängigen Linie nicht abrücken werde.

Familie, Beruf und jetzt auch noch die Politik. Was sagt Ihre Frau dazu?
Ich bin der Diskretion verpflichtet, aber Sie können sich ja vorstellen, was eine Frau von einer Familie mit drei kleinen Kindern dazu sagt. Natürlich gibt es nicht nur Applaus. Aber da waren schon andere vor mir in dieser Situation und haben es überlebt. Das gehört halt dazu.

Wie wollen Sie als urbaner und intellektueller Typ den Draht zur eher ländlichen SVP-Basis finden?
Ich habe einen klassischen schweizerischen Hintergrund, meine Urgrosseltern waren Bauern und mein Vater machte eine Maurerlehre. Es ist bemerkenswert, dass in der Schweiz die sogenannten einfachen Leute eine bürgerliche Politik pflegen. Wir haben der SVP viel zu verdanken – etwa, dass wir nicht in der EU sind. Die Partei hatte stets den Mut, wichtige, aber unbequeme Themen auf den Tisch zu bringen. Ich finde, man soll endlich aufhören, die SVP gesellschaftlich zu ächten.

Wurden Sie von der SVP angefragt oder haben Sie sich selbst gemeldet?
Es gab mal Anfragen, aber damals war ich noch abwehrend. Im Gefolge der Missstände, die ich sah, ging ich aktiv auf die SVP zu.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ralf am 26.02.2015 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut

    meine stimme hat er !

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  • Mario am 26.02.2015 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere!

    Ein wirklich kompetenter und gescheiter Mensch, dem die Schweiz am Herzen liegt. Toi Toi Toi! :)

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  • Rafael am 26.02.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    tiptop

    Obwohl man sich schon die Frage stellen muss, ob er wirklich grösseren Einfluss im NR als nun mit der Weltwoche nehmen kann. Meine Stimme hat er!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jucker heidi am 27.02.2015 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Entscheidung

    Eine sehr gute Entscheidung. Wir brauchen dringend Leute die für unsere Schweiz einstehen und die Dinge beim Namen nennen. Wirklich eine gut, eine sehr gute Nachricht.

  • Ursula am 27.02.2015 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neue Hoffnung

    hoffe er wird gewählt, solch intelligente Leute braucht es ! Von mir und meiner Familie hat er die Stimme !

  • Maria Müller am 27.02.2015 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht!!

    Der hat uns gerade noch gefehlt! Jedesmal wenn ich Köppel mit Dauergegrinse sehe, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Köppel nein danke!!

  • Pius Schnyder am 27.02.2015 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!!!

    Super!!! Ein richtiger Eidgenoss der ersten Stunde, hoch intelligent, redegewandt, bringt die Sache auf den Punkt. Freu mich riesig darauf wiedermal ein richtiger und ehrlicher Politiker in Bern zu sehen.Gratuliere Roger

  • Bernereidgenosse am 27.02.2015 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mal was positives

    Meine Stimme hat er! Die Linken haben sicher schon Schaum vor dem Mund.