Bezirksgericht Dietikon

25. Januar 2017 05:54; Akt: 25.01.2017 14:50 Print

7-Jähriger die Brust gegeben? Freispruch

Eine Mutter soll ihrer Tochter noch mit 7 Jahren die Brust gegeben haben. Dahinter steckt ein erbitterter Streit unter Eheleuten um Fremdgehen, Eifersucht und Sorgerecht.

Das sagt die Verteidigerin der Mutter zum Urteil.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Bezirksgericht Dietikon ZH hat am Mittwoch eine Mutter vom Vorwurf der mehrfachen Schändung und mehrfachen sexuellen Handlung mit Kindern freigesprochen und ihr eine Genugtuung von 2000 Franken zugesprochen. Sie soll ihrer Tochter, als diese bereits sieben Jahre alt war, noch die Brust gegeben haben. «Wir sind nicht zur Überzeugung gelangt, dass es sich nicht so abgespielt hat – aber wir haben erhebliche Zweifel daran», sagte der Einzelrichter bei der Urteilsverkündung.

So seien die Aussagen des Ehemannes, der gleichtzeitig auch Anzeigenerstatter war nicht stimmig und teils «gewichtig widersprüchlich» gewesen. «Und das waren für uns die einzig verwertbaren Aussagen», so der Richter. Denn die Tochter habe die Aussage verweigert und die Mutter sich nicht selber belastet. Mit anderen Worten: «Der Sachverhalt der Anklageschrift ist für uns nicht rekonstruierbar.»

Laut dieser liess die Beschuldigte ihre Tochter teilweise täglich an ihrer Brust saugen, wobei die Tochter «ihre Hand auf die andere Brust legte, diese streichelte und in die Hand nahm». Sie soll 15 bis 20 Minuten an der Burst genuckelt haben, obwohl die Mutter längst abgestillt hatte.

Vor zweitem Geburtstag abgestillt

«Die Vorwürfe stimmen überhaupt nicht», sagte die Beschuldigte an der Verhandlung. «Mein Mann will mich vernichten, weil ich ihn damals mit unserer Tochter verlassen habe.» Sie habe die Kleine bis kurz vor deren zweiten Geburtstag gestillt. «Danach durfte sie noch eine Zeit lang die Hand auf meine Brust legen.» Die Tochter habe aber nie mehr daran genuckelt.

Die Verteidigerin der Beschuldigten forderte einen Freispruch. Sie sprach von einer «mehrfach eskalierten Ehekrise» und einem eigentlichen «Rachefeldzug» des Ehemannes. Demnach kriselte es zwischen den Eheleuten ab 2014 massiv. Ihre Mandantin sei fremd gegangen. Es kam zu Tätlichkeiten seitens des Ehemannes - sogar die Polizei musste an den Wohnort ausrücken.

Doch nicht nur das: Die Frau litt unter Depressionen und Alkoholproblemen. Auch die KESB wurde eingeschaltet. Dort habe die Tochter stets gesagt: Mit der Mutter kuschle sie, mit dem Vater spiele sie gerne. Das Eheschutzgericht entschied, dass für die Obhut beide Elternteile zuständig bleiben.

Aus Kuscheln werden erotische Gefühle

«Es gab in dieser Zeit zig Gespräche mit der Polizei oder auch der KESB – alle schauten hin – doch nirgendwo erwähnte der Ehemann den Vorwurf des Brustnuckelns», sagte die Verteidigerin. Diesen habe er erst ins Spiel gebracht, als die Frau mit ihrer Tochter Ende 2014 ins Frauenhaus geflüchtet sei. «Nun wurde aus Kuscheln plötzlich erotische Gefühle.»

Mitte 2015 spitzte sich die Lage laut der Verteidigerin zu: Der Mann habe den Unterhalt nur zum Teil gezahlt, ihre Mandantin sei ausserdem rückfällig geworden mit Trinken. Daraufhin stellte der Ehemann Strafanzeige. Nun behauptete er laut der Verteidigerin, seine Frau habe sich von der Tochter befriedigen lassen: «Komm an meine Brüste!» soll sie gesagt haben. Der Mutter wurde die Obhut entzogen. Seit Juli 2015 hat sie ihre Tochter nicht mehr gesehen. «Mein grösster Wunsch ist, sie bald wieder sehen zu können, damit wir uns annähern können.»

Vater wurde bereits verurteilt

Laut der Anwältin der Tochter, die als Privatklägerin auftritt, gibt es zwar wöchentlichen telefonischen Kontakt zwischen den beiden: «Doch das Mädchen will seine Mutter nicht sehen - es ist unsicher.» Das Ganze sei für die Kleine eine riesen Belastung - sie gehe deshalb auch in die Therapie. Sie forderte eine Genugtuung von 5000 Franken für die Geschädigte: «Posttraumatische Störungen können nicht ausgeschlossen werden.»

Nach der Urteilsverkündung zeigte sich die freigesprochene Mutter erleichtert. Ihre Verteidigerin sagte: «Ich bin froh über den Entscheid, eigentlich hätte es da kein Strafverfahren gebraucht.» Schlimm sei für ihre Mandantin vor allem die Vorverurteilung in den Medien gewesen: «Dieses Stigma wird sie wohl nie mehr loswerden.»

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der Vater wurde bereits letzten April per Strafbefehl verurteilt. Dies, weil er seine damalige Frau habe gewähren lassen und so quasi als Mittäter gelte. Gegen diese Strafe hatte er sich nicht gewehrt.

Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zudem hatte das Gericht strenge Auflagen erlassen - so durfte unter anderem nicht einmal das Alter der Beteiligten genannt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(rom)