Bezirksgericht Dietikon

16. März 2017 11:13; Akt: 16.03.2017 12:42 Print

Mann fällt betrunken aus Auto – Kollegen verurteilt

Drei Kumpel, eine lange Nacht im Club und ein schlimmer Unfall auf dem Nachhauseweg. Der kuriose Fall wurde am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dietikon verhandelt.

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Im Gubristtunnel ist ein 23-Jähriger vor einem Jahr aus einem fahrenden Auto gestürzt – bei 90 km/h. Der Unfall, über den die Kantonspolizei Zürich am 6. März 2016 unter der Überschrift «A1 Weiningen: Mann aus Personenwagen gestürzt» die Öffentlichkeit informierte, sorgte für viel Aufsehen. Denn: Warum fuhren der Fahrer und Beifahrer, zwei enge Freunde des Verunfallten, einfach nach Hause?

Zunächst blieb unklar, wie es in der Tunnelröhre in Richtung Bern zu diesem Unfall gekommen war. Fahrer und Beifahrer waren kurz nach dem Vorfall festgenommen worden – ein Verfahren wegen versuchter Tötung wurde aber rasch wieder eingestellt. Der Verdacht, wonach die beiden Männer für den Sturz ihres Bekannten aus dem Auto verantwortlich gewesen sein sollen, erhärtete sich nicht. Dennoch mussten sich die beiden am Mittwoch laut «Limmattaler Zeitung» vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten, weil sie einfach weitergefahren sind und ihrem verletzten Freund nicht geholfen hatten.

Eine halbe Flasche Whisky intus

Der Unfall dürfte auf eine lange Nacht in einem Rümlanger Club zurückzuführen zu sein, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Zusammen mit dem Beifahrer habe der Verunfallte eine Flasche Whisky geleert und hatte dadurch zwischen 1,8 und 2,3 Promille im Blut.

Auf dem Nachhauseweg sei im Auto dann eine hitzige Diskussion entfacht: Der Verunfallte kündigte an, dass er nun aussteige – öffnete die Tür und sprang heraus. Er erlitt Kopfverletzungen, Prellungen und blieb auf der Fahrbahn liegen. Erinnerungen daran, wieso es so weit kam, hat er nicht mehr, wie er am Mittwoch vor Gericht sagte.

Fahrer: «Sah im Rückspiegel, dass andere sich um ihn kümmerten»

Der Fahrer und der Beifahrer machten geltend, dass sie sich nach dem Herausfallen ihres Bekannten in einem Schockzustand befunden hätten und wohl deshalb weitergefahren seien. Der Fahrer sagte, dass er im Rückspiegel gesehen habe, dass sich andere Autofahrer um den Verletzten gekümmert hätten.

Der Beifahrer gab an, selber ziemlich betrunken gewesen zu sein und sich zunächst keine weiteren Gedanken gemacht zu haben. Ihr Verteidiger forderte einen Freispruch: Niemand mache sich der unterlassenen Nothilfe schuldig, wenn bereits ausreichend Hilfe da sei.

Geldstrafe wegen unterlassener Nothilfe

Das Gericht sah dies aber anders. Es brummte dem Fahrer des Autos sowie seinem Beifahrer wegen unterlassener Nothilfe je eine Geldstrafe in Höhe von 230 Tagessätzen à 80 Franken auf. «Beiden Beschuldigten musste klar sein, dass der Geschädigte in Lebensgefahr schwebte – das war offensichtlich», hiess es in der Begründung. In den Rückspiegel blicken und vermuten, dass andere schon Hilfe leisten würden, reiche nicht aus.

(wed/sda)