Vierfachmord von Rupperswil AG

07. September 2017 09:52; Akt: 07.09.2017 14:25 Print

Bei Thomas N. wurden Kinderpornos gefunden

Rund eineinhalb Jahre nach dem Vierfachmord in Rupperswil AG hat die Staatsanwalt Anklage gegen Thomas N. (34) erhoben. Nun werden neue Details bekannt.

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Thomas N. hat am 21. Dezember 2015 in Rupperswil AG vier Personen getötet. Am 7. September 2017 hat die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau gegen N. Anklage erhoben - wegen mehrfachen Mordes, mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Freiheitsberaubung, merfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, Brandstiftung und weiterer Delikte. Am 13. März 2018 muss sich N. vor dem Bezirksgericht Lenzburg verantworten. Sie verteidigt den Vierfachmörder von Rupperswil: die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn. Matthias Fricker hat 2012 im Kanton Aargau den später verurteilten Mörder Daniel H. verteidigt. Er weiss, was seine Berufskollegin Renate Senn durchmacht. In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» äussert sich der Anwalt dazu. (Bild vom 29. Februar 2012) Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region. Hier wohnte der Täter: Blick in den Garten des Hauses in Rupperswil AG. Bekannte beschreiben ihn als Einzelgänger: In diesem Haus in Rupperswil wohnte der Täter. Der Täter ist gefasst: Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin, informiert in Schafisheim AG über den Vierfachmord von Rupperswil (13. Mai 2016). Hauptmann Markus Gisin, Abteilungschef Kriminalpolizei, und Barbara Loppacher (13. Mai 2016). Vertreter der Polizei und der Staatsanwaltschaft an der Medienkonferenz. In einem Rucksack, den die Polizei bei der Hausdurchsuchung fand, waren eine Pistole, Fesseln und Klebeband (13. Mai 2016). Die Spannung war gross vor der Medienkonferenz zu einem der grausamsten Verbrechen in den letzten Jahren: Mikrofone stehen bereit in Schafisheim (13. Mai 2016). Der Vierfachmord von Rupperswil gehört zu den grössten Fällen der Schweizer Kriminalgeschichte: Polizisten am Tatort (21. Dezember 2015). Die Tat: Am 21. Dezember 2015 werden in Rupperswil AG eine Mutter, ihre zwei jugendlichen Söhne und die Freundin des älteren Sohnes brutal ermordet. Ein Brand soll die Spuren der Tat verwischen. Ein Kriminaltechniker am Tatort. Spurensuche: Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt. Hier sind sie im Gespräch mit Anwohnern. (24. Dezember 2015) Hinweise: Diese Wohlener Apotheke sollen am Tag der Tat zwei Unbekannte mit Schnittwunden betreten haben. Zeugen gesucht: Die Polizei veröffentlichte ein Bild des 48-jährigen Opfers Carla S., das sie in der Filiale der Aargauischen Kantonalbank in Wildegg zeigt. (24. Dezember 2015) In der Kirche in Rupperswil wurde der Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vierfach-Mordes abgehalten. (8. Januar 2016) Im Gedenken an die Nummer 9: Die C1-Junioren des FC Aarau widmeten ihrem ermordeten Team-Mitglied einen Sieg. Sein Trikot war immer dabei. Ernüchterung: Die gefundenen DNA-Profile erzielten keine Treffer in den Datenbanken. Aargauer Ermittler und Staatsanwälte informierten in Schafisheim AG. (18. Februar 2016) Eine Sonderkommission aus rund 40 Ermittlern bearbeitet den Fall. Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. (18. Februar 2016) Die Tat schockiert die Gemeinde Rupperswil: Bewohner gedenken der Opfer mit Kerzen. (24. Dezember 2015)

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Der Vierfachmord von Rupperswil ist eines der brutalsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte. Am 21. Dezember 2015 rückte die Feuerwehr zu einem brennenden Einfamilienhaus in Rupperswil AG aus – und stiess dort auf vier Leichen.

Es stellte sich heraus, dass die Opfer getötet worden waren, bevor in dem Haus Feuer gelegt worden war. Bei den Toten handelte es sich um die Bewohner des Hauses: Carla S.* (48) und ihre Söhne Davin (13) und Dion (19) – sowie Simona F.* (21), die Freundin von Dion.

Thomas N. ist geständig

Erst fünf Monate nach der Bluttat, am 12. Mai 2016, konnte der Täter verhaftet werden: Der heute 34-jährige Thomas N.*, der nur wenige hundert Meter vom Haus der Familie S. lebte. N. wohnte mit seiner Mutter zusammen und war als Fussball-Juniorentrainer tätig.

Noch am Tag seiner Festnahme legte N. ein umfassendes Geständnis ab. Er war am Morgen des 21. Dezember 2015 in das Haus der Familie eingedrungen. Indem er den 13-jährigen Davin bedrohte, zwang er Carla S. dazu, ihren älteren Sohn und dessen Freundin zu fesseln und zu knebeln. Dann zwang er sie, an Bancomaten rund 10'000 Franken und 1000 Euro zu beziehen.

13-Jährigen sexuell missbraucht

Nach der Rückkehr von Carla S. fesselte er auch sie. Dann verging er sich sexuell am 13-jährigen Davin, bevor er alle vier Menschen mit einem Messer tötete. Um die Spuren zu verwischen, legte er daraufhin Feuer.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat nun Anklage gegen Thomas N. erhoben, wie am Donnerstag bekanntgegeben wurde. N., der sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug befindet, wird sich wegen wegen mehrfachen Mordes, mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Freiheitsberaubung, merfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, Brandstiftung und weiterer Delikte vor Gericht verantworten müssen.

Die Tatwaffe bleibt verschwunden

Weiter gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Ermittlungen keine Hinweise ergeben hätten, dass eine Drittperson in die Tat involviert war: Es sei davon auszugehen, dass N. als Einzeltäter gehandelt hat.

Die Waffe, mit der die Tötungen begangen wurden, ist bis heute nicht gefunden worden. N. sagte laut der Staatsanwaltschaft aus, er habe das Küchenmesser unmittelbar nach der Tat in Geschenkpapier eingewickelt und in einem öffentlichen Abfalleimer in der Stadt Aarau entsorgt.

N. hatte eine Kinderporno-Sammlung

Angeklagt wird N. auch wegen mehrfacher Pornografie: Auf seinen elektronischen Geräten ist umfangreiches kinderpornografisches Material gefunden worden, das er aus dem Internet heruntergeladen hatte. Untersucht wurde auch, ob N. sich bereits in der Vergangenheit an Kindern vergriffen hatte. Darauf hätten sich keinerlei Hinweise ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Welches Strafmass für N. verlangt wird, wird die Staatsanwaltschaft erst im Rahmen der Gerichtsverhandlung bekannt geben. Wie es beim Bezirksgericht Lenzburg auf Anfrage heisst, dürfte der Prozess erst im kommenden Jahr stattfinden.

Die Anwältin von Thomas N., Renate Senn, sagt zu 20 Minuten, sie habe die Anklage zur Kenntnis genommen. Äussern will sie sich erst bei der Gerichtsverhandlung.

*Namen der Redaktion bekannt.

(lüs/jen)