Zollikon ZH

10. Februar 2015 08:14; Akt: 10.02.2015 10:46 Print

Blochers Schwiegersohn auf 30 Quadratmetern

Mit einem 30'000 Franken teuren Plakat will Roberto Martullo (SVP) in den Kantonsrat. Dass er auf dem Mega-Poster mit einem CVP-Slogan wirbt, freut die Christdemokraten.

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Mit diesem 30 Quadratmeter grossen Poster will Roberto Martullo in den Kantonsrat. (Bild: Doris Fanconi/Tages-Anzeiger )

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Für seine Wahl in den Kantonsrat spart Roberto Martullo (52) nicht: Mit einem 30 Quadratmeter grossen Plakat wirbt der Schwiegersohn von Christoph Blocher und Ehegatte von Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher an der Seestrasse in Zollikon. Pro Monat kostet ihn das Poster, das bis Ende März bleiben soll, 17'040 Franken. Insgesamt wird das rund 30'000 Franken ausmachen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Zum Vergleich: Alle anderen Kantonsräte zahlen rund 300 Franken für ein offizielles Plakat für zwei Wochen oder plakatieren gratis auf privatem Grund. Nicht verwunderlich beäugt die Konkurrenz das Poster am denkmalgeschützten Haus aus dem 14. Jahrhundert, das laut der Firma Star Plakat AG auch anderen Parteien für Wahlwerbung zur Verfügung gestanden wäre, kritisch.

CVP mit der SVP verwechselt

Doch nicht nur die Protzigkeit sorgt für Aufsehen. «Liberal – sozial – fortschrittlich», steht in dicken Lettern auf dem SVP-Plakat. «Liberal, sozial» ist aber schon seit Jahren der offizielle Slogan der CVP, geprägt von Doris Leuthard, als diese noch Parteipräsidentin war. «Liberal-sozial» steht auch im Briefkopf der CVP Zürich, während der Begriff «sozial» von der SVP vor allem im Zusammenhang mit «Schmarotzern» und Missbrauch verwendet wird.

Laut Roberto Martullo ist das Echo am Plakat «durchwegs positiv»: «Man sieht es sogar von der S-Bahn aus.» Im Gegensatz zu anderen, die Hunderte von Plakaten aufstellten, konzentriere er sich auf ein einziges bezahltes Plakat, neben ein paar Gratisplakaten in Meilen und auf privaten Grundstücken. Der Slogan stamme aus dem Parteiprogramm, behauptet Martullo. SVP-intern jedoch stänkert man laut dem «Tages-Anzeiger», er habe die CVP mit der SVP verwechselt. Bei der CVP nimmt man den Sloganklau jedenfalls mit Humor, wie Parteipräsidentin Nicole Barandun sagt: «Wir könnten ihm ja ein Beitrittsgesuch schicken.»

Soziale Ader schon früher unter Beweis gestellt

Eine soziale Ader hat der aus einfachen süditalienischen Verhältnissen stammende Martullo schon in den Wahlen 2011 bewiesen. Damals kämpfte er «für tiefe Krankenkassenprämien, damit Gesundheit für Familien bezahlbar bleibt». 2013 machte er sich für die Abzocker-Initiative stark und erreichte mit einer engagierten Rede eine Ja-Parole der Zürcher SVP.

Daraufhin wurde er zum Rücktritt als Präsident der Ortssektion Meilen gedrängt. Zudem tauchten Berichte über seine früheren Pleiten und seine verspätete Einbürgerung auf. Immerhin machte er 2011 bei den Kantonsratswahlen sechs Plätze gut und ist heute auf einem Ersatzplatz. Allerdings hat ihm die Bezirkspartei mit dem Volketswiler Gemeindeschreiber Tumasch Mischol für 2015 prompt einen Neuen vor die Nase gesetzt.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flächen Brand am 10.02.2015 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Wohnung?

    Ich dachte schon der wohnt in 30 Quadratmetern. ;-)

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  • Gratuland am 10.02.2015 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Bonzenpartei

    Die es schafft, sich von Kleinverdienern wählen zu lassen.

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  • Shimu Trachsel am 10.02.2015 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    So arbeitet die Hochfinanz

    Eine Wahl in den Kantonsrat muss sehr lukrativ und erstrebenswert sein. Oder wird hier einmal mehr versucht, sich die Wahl mit viel Geld zu erkaufen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mebe am 10.02.2015 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gross zu gross

    Stellt euch nur kurz vor was passiert wäre, wenn die CVP oder die anderen Parteien einen solchen Plakat aufgehägt hätten, natürlich aus der Sicht der SVP?

  • Trans Parent am 10.02.2015 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    ich lese immer hier: transparente parteifinanzierung.... kopfschütteln!!! jeder kann dort spenden wo er will, auch anonym...was soll denn noch alles transparent werden...? einzig staat, kanton und gemeinden und öffentl. einrichtungen müssen transparent (100%) sein...der rest ist PRIVATsache...!!!

  • Cara am 10.02.2015 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich ist Roberto Martullo....

    ...auch mal wer, wenigstens auf dem Riesenplakat. Wie muss er sich fühlen, immer im Schatten seiner so mächtigen und resoluten Frau zu stehen. Beim Schwiegervater stösst er sicher auf Verständnis, sein Silveli hat auch die Hosen an. Jeder arme Schlucker der eine reiche Frau heiratet, steht meistens im Schatten und muss sich fügen.

    • Battori Danzo am 11.02.2015 00:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Volltreffer

      Mitten in die Mitte und versenkt.

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  • Martin Budi am 10.02.2015 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kantonsrat

    Das ist sehr gut, denn nur die SVP , ist für die Schweizerbürger ! Darum wähle ich SVP !

  • Hans Schweizer am 10.02.2015 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp für uns

    Es ist gut, wenn die SVP investiert. Die Partei darf und soll gewinnen. Nur sie garantiert uns Wohlstand und Freiheit. Zudem ist an seiner Seite die erfolgreichste Wirtschaftsführerin der Schweiz. Das kommt gut,