Betrunken gegen Beamte

30. Oktober 2012 22:07; Akt: 30.10.2012 22:07 Print

Gericht spricht russischen Multimillionär frei

Ein russischer Multimilionär landet betrunken auf einem Zürcher Polizeiposten. Hier soll er auf Beamte losgegangen sein. Das Gericht sah es anders.

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Es war im letzten Juni, als die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl gegen einen eher aussergewöhnlichen Beschuldigten wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte Anklage erhob. Es handelte sich um einen millionenschweren Russen mit Schweizer Pass.

Laut Anklage hatte der heute 50-jährige Finanzberater aus Herrliberg in der Nacht auf den 29. Mai 2011 gleich zwei Beamte der Kantonspolizei Zürich auf einem Posten im Kreis 4 körperlich attackiert. Dabei soll er einen Geschädigten heftig gegen die Brust gestossen und das zweite Opfer zur Seite geschoben haben.

Grund für den Angriff: Die Fahnder hatten seine langjährige Ehefrau zuvor wegen Verdachts auf Alkohol am Steuer festgenommen und über eine Stunde lang zwecks einer Blutentnahme als verdächtige Blaufahrerin auf dem Revier arretiert.

Strafe von 90 000 Franken

Offenbar hatte der langjährige Bankdirektor die Geduld verloren. So wollte er plötzlich sofort seine Frau sehen und sich Zutritt zum Posten verschaffen. Dabei geriet er an die beiden Polizisten, die den angetrunkenen Manger packten und ihn zu Boden führten. Wobei sich der Beschuldigte den Kopf anschlug und danach mehrere Stunden ich in einer Zelle verbringen musste.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren ein und forderte für den in Wladiwostok geborenen Beschuldigten eine für das Delikt rekordverdächtige Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 3000 Franken, also insgesamt 90 000 Franken (!), sowie eine Busse von 6000 Franken.

In Beamte «hineingestolpert»?

Gestern stand der gebürtige Russe vor dem Bezirksgericht Zürich und beteuerte seine Unschuld. So habe er sich zwar auf dem Posten daneben benommen, jedoch keinen Polizeibeamten mit Gewalt angegriffen, versicherte der Familienvater.

Auch der Verteidiger forderte einen vollen Freispruch. So habe sein Klient früher in Russland ebenfalls für die Polizei gearbeitet und hätte deshalb nicht gewagt, einen Schweizer Beamten körperlich anzugehen. Zudem sei ein heftiger Stoss nur von der Staatsanwaltschaft, nicht aber von den Augenzeugen behauptet worden, plädierte Rechtsanwalt Thomas Bosshard. Es sei nicht auszuschliessen, dass sein alkoholisierter Mandant aus Versehen in die Polizeibeamten hineingestolpert sei.

Unglücklich abgefasste Anklage

Das Gericht folgte dem Verteidiger und kam zu einem vollen Freispruch. Die Anklage sei unglücklich abgefasst, lautete der zurückhaltende Kommentar des zuständigen Richters. Die Aussagen der Belastungszeugen seien zudem zu weit auseinander gegangen. Wobei die Aktion des Beschuldigten kein Ausmass einer Tätlichkeit erreicht habe.

Eine allfällige Hinderung einer Amtshandlung sei dagegen nicht umschrieben. Infolge des Freispruchs erhielt der Oekonome eine Prozessentschädigung von 5000 Franken. Zudem eine Genugtuung von 300 Franken.

(Attila Szenogrady)

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