Vorwurf Amtsmissbrauch

12. November 2013 11:26; Akt: 12.11.2013 16:23 Print

5 Polizisten nach Razzia in Zürcher Sex-Club verhaftet

Nach einer Razzia im Zürcher Sex-Club Chillis am Montagabend wurden fünf Stadtpolizisten festgenommen. Sie stehen im Verdacht, bestechlich zu sein.

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Fünf Stadtpolizisten von der Fachgruppe Milieu/Sexualdelikten wurden am Dienstagmorgen verhaftet - nach einer Razzia im Zürcher Club Chillis am Montagabend. (Bild: 20 Minuten/som)

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Im Zürcher Club Chillis beim berüchtigten Bermudadreieck haben die Kantonspolizei Zürich und die Staatsanwaltschaft am Montagabend eine Razzia durchgeführt. Der Inhaber und mehrere Angestellte des Clubs wurden gemäss einer Mitteilung kontrolliert. Insgesamt wurden neun Personen verhaftet, da sie im Verdacht stehen, Kreditkartenmissbräuche zum Nachteil von Gästen und Freiern begangen zu haben.

In Zusammenhang mit der Razzia wurden am Dienstagmorgen weitere Hausdurchsuchungen durchgeführt und sogar fünf Mitarbeiter der Stadtpolizei Zürich verhaftet. Die festgenommenen Personen der Fachgruppe Milieu/Sexualdelikten werden verdächtigt, sich bestochen lassen und der Begünstigung, des Amtsmissbrauchs und weiteren Delikten schuldig gemacht zu haben. Die Hinweise, die zu diesen Verhaftungen führten, seien von der Stadtpolizei selber gekommen, wie es bei der Kantonspolizei heisst. Laut Oberstaatsanwaltschaft Zürich steht noch nicht fest, für wie viele Personen ein Antrag auf Untersuchungshaft gestellt wird.

«Einen ähnlichen Fall gab es bei der Stadtpolizei noch nie»

«Es wäre ein Gau, falls sich die Bestechungsvorwürfe gegen die fünf Polizisten erhärten», so Werner Karlen, Präsident des Stadtzürcher Polizeiverbands. Einen derartigen Fall habe es bei der Stadtpolizei noch nie gegeben: «Ich erinnere mich, dass es zuletzt zu Lettenzeiten in den 1990ern ähnliche Straftaten gegeben hat – allerdings verstiessen nur einzelne Polizisten gegen das Gesetz», so Karlen. Im Vergleich zum Ausland sei Korruption bei der Schweizer Polizei äusserst selten: «Unsere Polizisten verdienen genug – sie müssen sich nicht auf diese Weise den Lohn aufbessern.»

Auch im Rotlichtmilieu wirft die Razzia hohe Wellen: «Ich habe gesehen, wie die Beamten schachtelweise Beweismaterial herausgetragen haben», sagt ein Kenner und fügt an: «Man munkelt ja schon länger, dass im Chillis krumme Dinge laufen.» Der Inhaber, ein algerischer Familienvater mit Haar-Rossschwanz als Markenzeichen, habe nicht den besten Ruf und sei ein Schlitzohr. «Dabei wollte er nun Schweizer werden.» Laut dem Kenner arbeiten im Chillis vorwiegend Frauen aus der Dominikanischen Republik.

«Grossaktionen machen mich stutzig»

Milieuanwalt Valentin Landmann wird einen der fünf verhafteten Stadtpolizisten verteidigen: «Ich kenne die genauen Vorwürfe noch nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass mein Mandant schuldig ist», bestätigt er eine Meldung von Tages-Anzeiger.ch Der Mann sei sehr gewissenhaft und erfahren. «Gewiss muss ein Polizist, der im Milieu arbeitet, mehr Nähe zu den Leuten haben als in anderen Bereichen – trotzdem gibt es Grenzen.» Es sei deshalb richtig, dass bei Verdacht im Polizeiumfeld genau so hart ermittelt werde wie bei anderen Personen. Landmann: «Insgesamt machen mich solche Grossaktionen wie diese Razzia aber eher stutzig.»

Wie Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte, ist der Fall dank verschiedener Hinweise ins Rollen gekommen. «Als sich im Zuge der internen Vorermittlungen der Verdacht erhärtete, haben wir die Staatsanwaltschaft informiert.» Aus Rücksicht auf das eben erst eingeleitete Verfahren erteilte die Oberstaatsanwaltschaft keine weiteren Informationen. Am Mittwochnachmittag will sie jedoch weitere Angaben zum Fall machen.

(wed/som/sda/rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marvin heider am 12.11.2013 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    praktikum

    naja, wenn die 5 polizisten aus der fachgruppe milieu kommen, haben sie vielleicht einfach eine praxisorientierte schulung besucht, wo sie tiefer in die materie eingedrungen sind.

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  • LUAR am 12.11.2013 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Polizei hat viel Arbeit vor sich!

    Ui, ui das ist schlecht für das Ansehen der Polizei! Begünstigung und Amtsmissbrauch und das von der Fachgruppe Milieu/Sexualdelikte,das ist heikel. Ein guten Ruf verlieren das geht schnell,einen guten Ruf aufzubauen und und vertrauen zu schaffen ist umso schwerer. Da wird die Polizei hoffentlich offen kommunizieren und alles daran setzten das alles aufgeklärt wird.

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  • Nadja T. am 12.11.2013 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sympathisch

    Ich für meinen Teil finde es angenehm zu erfahren, dass ich in einem Land lebe, in dem das Gesetz mehr zählt, als die Loyalität von Polizist zu Polizist. Viele andere Nationen können das nicht von sich behaupten. Natürlich gibt es überall schwarze Schafe, aber wir dürfen nur deshalb nicht alle in denselben Topf werfen. Also, Hut ab für eine sehr sympathische Nachricht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonas Lanter am 14.11.2013 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Stapo-Beamter half seinem Sohn

    Eine Polizeifamilie, dessen Vater WMmbA war (frühpensioniert) hat seinen Sohn X-mal aus der Klemme geholfen. Anzeige wg. Hausfriedensbruch, illg. Besetzung etc. wurden immer wieder sistiert. Sein Vater sagte selbst: "Im Ausland da kann auch ich Dir nicht helfen". Also sind die Leute priviligiert, deren Vater und oder Sohn bei der Polizei arbeiten / gearbeitet haben. Ist ja soweit menschlich und nachvollziehbar. Aber für Otto-Normalverbraucher manchmal schwer nachzuvollziehen.

  • Jonas Lanter am 14.11.2013 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Parteien werden sich einigen

    Da die Stapo ZH betroffen ist, muss die Untersuchung durch die KAPO ZH erfolgen. Denke aber, die Parteien werden sich einigen und die ganze Angelegenheit wird in den Medien totgeschwiegen. Schliesslich geht es um das Image der STAPO/ZH!

  • Bürger am 12.11.2013 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung?

    Mich überrascht nicht der Korruptionsskandal, sondern viel eher, dass in unserem Land tatsächlich mal gegen die Polizei ermittelt wird! Und darüber bin ich froh, danke Staatsanwaltschaft und KaPo. Zum Thema Bestechung: Jeder ist bestechlich, nur der Preis unterschiedlich.

  • Atel am 12.11.2013 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amüsant

    Haha ich finde das einfach nur geil, ich meine wie oft kommt schon so ein riesen Skandal der Zürcher Stadtpolizei an die öffentlichkeit?

  • ehem. Bewerber am 12.11.2013 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    reine veste oder menschlich stark?

    wenn ich sowas lese werde ich wütend. Bestechliche Polizisten die ihre Amtsgewalt missbrauchen, wieso tun die sowas? Habe mich vor einiger Zeit beworben, gute bis sehr gute Resultate - "hätten" mich gerne genommen hiess es ganz am Schluss; aber geht nicht, wegen einem Billetentzug von vor über 8 Jahren (!)... (zu schnell gefahren, mehr nicht) "man müsse eine reine Veste haben..." alles klar.... blabla. Die 5 genannten Polizisten hatten sicher vorher eine reine Veste ja klar, aber waren als Mensch wohl eher weniger geeignet...

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