Tierhalter aus Hinwil ZH

05. April 2017 20:09; Akt: 13.04.2017 10:27 Print

«Hinter der Razzia steckt meine Schwester»

Schlangen, Waschbären und Lamas: Polizei und Veterinäramt haben in Hinwil ZH einen halben Zoo geräumt. Laut dem Tierhalter geht es dabei auch um einen Erbschaftsstreit.

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Mehrere Polizisten und mehrere Mitarbeiter eines Tierrettungsdienstes kreuzten am frühen Mittwochmorgen auf dem Gelände des privaten Tierparks Heuweidli in Hinwil auf. Im Auftrag des Veterinäramts beschlagnahmten sie gegen 50 Tiere: Schlangen, Leguane, Hirsche, Aras, Lamas, Alpakas, Süsswasserrochen, Wasch- und Nasenbären, einen Husky und weitere Tiere. «Wir hatten von der Polizei und von Drittpersonen entsprechende Meldungen erhalten», sagt die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel.

Bereits ein erster Eindruck habe gezeigt, dass verschiedene Tiere unter Folgeerscheinungen mangelhafter Haltung leiden würden wie etwa Verletzungen, Magerkeit oder auch Fell- und Gefiederschäden. Doch damit nicht genug: «Die einen Gehege waren zu klein, bei anderen fehlten Einrichtungen oder es waren Tiergruppen falsch zusammengesetzt, die Hygiene teils ein Problem oder dann gab es hochsoziale Tiere, die isoliert gehalten wurden», so Vogel weiter. Die beschlagnahmten Tiere würden nun veterinärmedizinisch versorgt und tierschutzkonform untergebracht.

Trotz Verbot weiter Tiere gehalten

Es ist nicht das erste Mal, dass das Veterinäramt im Heuweidli eine Razzia durchgeführt hat. Bereits vor knapp zwei Jahren waren hier zahlreiche Wild- und Haustiere beschlagnahmt worden. «Wir haben damals verfügt, dass der Tierhalter nur noch bestimmte Tiere halten darf, etwa Kaninchen oder Hühner, doch er hat sich nicht daran gehalten», sagt Vogel.


Die Gehege von Fritz Masshard sind nun leer.

Das damalige Verfahren wegen Tierquälerei ist immer noch hängig. Man habe auch verschiedentlich Gespräche mit dem Mann gesucht und auf Einsicht gedrängt. «Leider erfolglos», sagt Vogel. Deshalb habe man jetzt durchgreifen müssen.

Da sich der Tierhalter nicht an die Auflagen gehalten habe, sei davon auszugehen, dass er mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müsse. «Wir werden zudem prüfen, ob wir die Auflagen gegen ihn verschärfen werden», so Vogel.

«Keines meiner Tiere war krank»

Betreiber des Tierparks ist Fritz Masshard. Er sagt zur jüngsten Razzia: «Keines meiner Tiere war krank – was das Veterinäramt hier macht, ist reine Schikane.» Er habe für die Haltung jedes Tieres ein Gesuch eingereicht, doch der Kanton habe ihm keine Bewilligung mehr geben wollen. «Dabei habe ich zig Tier-Ausbildungen gemacht.»

Für Masshard liegt der wahre Grund der Razzien ohnehin woanders: «Dahinter steckt meine Schwester – sie war am Morgen bei der Beschlagnahmung der Tiere sogar dabei.» Laut dem 52-Jährigen geht es um einen Erbschaftsstreit: «Meine Schwester will das Areal hier, auf dem unter anderem unser Elternhaus steht, verkaufen – nun versucht sie mich zu vertreiben.» Wegen ihr habe er auch eine Anzeige wegen ein paar Cannabis-Pflanzen am Hals.

«Ich kann schlecht Nein sagen»

Masshard betont, dass er keinen eigentlichen Tierpark mehr betrieben habe, sondern einen Gnadenhof. «All die jetzt beschlagnahmten Tiere gehören gar nicht mir – diese habe ich von anderen Leuten übernommen, die sie zum Teil vernachlässigt hatten, darum auch ihr Zustand.»

Es sei ihm klar, dass er eigentlich seit zwei Jahren bestimmte Tiere nicht mehr hätte halten dürfen. «Doch ich kann schlecht Nein sagen, wenn andere Hilfe benötigen.» Er wisse, dass er fähig sei, Tiere zu halten. «Ich liebe Tiere über alles», sagt der Familienvater. Viele sind ihm nicht geblieben: Nur noch ein paar Vögel, Kaninchen, Katzen und ein kleiner Hund.

(rom)