Zürich

10. Dezember 2015 05:59; Akt: 10.12.2015 15:01 Print

«Metzg» macht die Langstrasse fleischiger

Sie war Köchin in New York, liebt Fleisch und zieht Schweinskopf einem Poulet vor. Jetzt eröffnet Marlene Halter an der Langstrasse die «Metzg» – der Name ist Programm.

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«Kebab mit allem?», lautete bis vor Kurzem die ultimative Frage an der Langstrasse 31 in Zürich. Eine Döner-Bude und eine türkische Metzgerei teilten sich das Ladenlokal. Um Fleisch geht es auch in Zukunft – nach einem Umbau eröffnet Marlene Halter am Samstag die «Metzg». Sie ist Spezialitätenmetzgerei, Take-away und Restaurant mit 20 Sitzplätzen in einem.

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In einer Vitrine verkaufen die 39-Jährige und ihr Team ausgesuchte Wurstwaren wie Wollschweinsalami sowie Fleischstücke wie Damhirschkeulen. Alles von Lieferanten, mit denen Halter seit Jahren zusammenarbeitet. Darunter sind auch Jäger aus der Region, die sie mit Wild versorgen werden.

Über Mittag locken zudem Sandwiches – etwa mit Fleischkäse (11 Franken) oder gezupftem Rindfleisch (14.50). Diese setzen sich zusammen aus gekochtem Fleisch und Brot von John Baker. Am Abend kocht Halter à la carte. Die Menükarte wird aus maximal vier Vor- und vier Hauptspeisen bestehen. Das kann ein Blutwurst-Crostino (15 Franken) oder Siedfleisch mit Gemüse und Kartoffeln (35 Franken) sein.

«Weisses Fleisch finde ich eher langweilig»

Poulet hingegen sucht man auf der Karte vergebens. «Nichts gegen eine feines Huhn aus dem Ofen, aber geschmacklich finde ich weisses Fleisch eher langweilig», sagt Halter und setzt lieber auf Deftiges wie Schweinskopf, Steaks und Eintöpfe aller Art.

Dass die Gerichte ihren Preis haben, weiss Halter: «Unser Fleisch stammt aus artgerechter Haltung, ist teils bio, und das kostet.» Sie esse privat ebenfalls nur gut produziertes Fleisch, dafür längst nicht jeden Tag. «Das möchte ich auch meinen Gästen mitgeben», sagt Halter, die sich selbst ironisch als «praktizierende Fleischliebhaberin» bezeichnet.

Von der Journalistin zur Köchin

Dabei hat sie als Kind, aufgewachsen im tiefsten Aargau, Fleisch nicht mal gemocht. Auch beruflich verschlug es Halter zunächst nicht in die Küche, sondern an die Uni. Zudem schrieb sie Theaterkritiken für die NZZ. Dann aber folgte der Wechsel. Lehre als Köchin, Stellen in der Alpenrose im Kreis 5, im Italia im Kreis 4, im Reale in Kopenhagen und im Prune in New York.

Wieder zurück in Zürich arbeitete Halter zuletzt als Catering-Köchin. Eines Tages erhielt sie von einer Freundin den Tipp des frei werdenden Lokals. «Ich hab mich spasseshalber beworben», sagt sie. Als sie zu ihrer Überraschung in die engere Auswahl kam, entwarf sie das «Metzg»-Konzept.

Dieses ist fast schon gewagt in Zeiten, in denen selbst die WHO den Konsum von Würsten mit Verweis auf die Gesundheit geisselt und die halbe Stadt auf dem Vegan-Trip scheint. Halter sagt: «Fleisch fasziniert mich einfach. Ich liebe es, Fleisch von A bis Z zu verarbeiten.» Wenn sie könnte, würde sie gerne selbst bauern, schlachten, metzgen und kochen.

Renommierte Architekten am Werk

Zum Konzept passt das Interieur: Weisse Wandplättli, dunkler Parkettboden und rote Lampen sorgen für ein rustikales und gediegenes Ambiente zugleich. Dafür verantwortlich ist das Architekturbüro Grego – bekannt unter anderem durch den George Grill Zürich. «Was sie machen, gefällt mir, und es sind Freunde von mir», sagt Halter.

Wem jetzt ob des vielen Fleisches der Appetit vergangen ist, dem sei gesagt: In der Metzg gibt es jeden Mittag auch ein Vegi-Sandwich und am Abend je eine Vegi-Vor- und Hauptspeise. «Wobei ich das Gemüse nicht einfach nur aus dem Wasser ziehe, sondern genauso inspiriert zubereite wie das Fleisch», sagt Halter, «zum Beispiel Schwarzwurzel mit Bergamotte, einer Zitrusfrucht.»

www.metzg-grill.ch

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xelo am 10.12.2015 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal was anders

    Cooles Projekt! Viel Glück, ich hoffe es bewährt sich an der Langstrasse.

  • Willi am 10.12.2015 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mal etwas gescheiteres

    Mal etwas gescheiteres als die Gammelfleisch-Corps-Döner.

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  • F. Boula am 10.12.2015 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    ein Grund für einen Besuch an der Langstrasse...freu mich..und viel Glück und Erfolg

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 10.12.2015 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Erfolg

    Alles gute Marlene, ich werde auf Besuch und zum Essen kommen. Liebe Grüsse Thomas (ABZ)

  • Swinator420 am 10.12.2015 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super wir kommen....

    Ich wohne ganz in der Nähe und werde das Angebot sicher nutzten. Weniger aber besseres Fleisch ist meine Devise!

    • Swift am 11.12.2015 00:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swinator420

      im Kreis 4 gibt es nur 1 dass richtig gut ist, dass La Penisola an der Ankerstrasse bei Club Plaza! Sonst halt nur Kebab, schade

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  • Walter Spahni am 10.12.2015 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ja hat es denn an der Langstrasse nicht

    schon genug 'Fleisch'??

  • Destiny am 10.12.2015 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacklos

    Egal ob Kalb-,Rind oder Pouletfleisch, wenn ich die heutigen Tiermastfabriken ansehe, ist mir der Appetit auf Fleisch vergangen. Da kann auch die Marlene nichts ändern.

    • Fleischesser am 10.12.2015 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Destiny

      Danke, so bleibt mehr für mich ;-)

    • Mike. am 10.12.2015 09:56 Report Diesen Beitrag melden

      Musste ja so kommen,...

      ...dass Vegifundis zu einem solchen Artikel Ihren veganen Senf sazugeben. ;-)

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  • Frank am 10.12.2015 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch...

    Bin etwas skeptisch ob das funktioniert (obwohl ich die Idee durchaus gut finde). Hier in den Kommentaren liest man bei solchen Projekten immer wie toll dies sei, und viele wollen es "bestimmt ausprobieren", wenn man aber dann in der Welt draussen schaut, so hats beim Döner für 8 Franken eine Riesenschlange und nebendran beim "gesunder Fastfood"-Sandwich-für-12-Franken Schuppen steht die Bedienung sich die Beine in den Bauch.

    • Marco am 10.12.2015 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt leider,

      Dann aber im Nachhinein jammern wenn wieder ein Fleischskandal entdeckt wird... Geiz ist nicht immer geil!

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