Protest gegen Sparen

08. Februar 2017 17:45; Akt: 08.02.2017 17:53 Print

Schüler-Demo zieht illegal durch die Zürcher City

Unter dem Motto «Wir sind mehr als Kapitalanlagen» gingen am Mittwoch mehrere hundert Schüler in Zürich auf die Strasse. Die Polizei tolerierte den friedlichen Umzug.

Mit den Schülern unterwegs an der Demo durch Zürich. (Video: bec)
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In der Kantonsschule Stadelhofen war am Mittwochmittag gegen 13.30 Uhr Ausnahmezustand. Schüler von acht verschiedenen Schulen - sechs Gymnasien, einer Sekundarschule und einer Berufsschule - versammelten sich dort zur angekündigten Schulbesetzung. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen die Sparmassnahmen, die sie direkt betreffen.

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Auf zwei Stockwerken verteilten sich die mehreren hundert Schülerinnen und Schüler und gaben ihre wichtigsten Anliegen bekannt. «Wir sind mehr als Kapitalanlagen», lautete ihr Leitspruch. Eine Protestteilnehmerin: «Wir wollen, dass man auch mal auf die Jugendlichen hört und nicht nur auf Politiker und Erwachsene.» Die Organisatoren des Protests mahnten die Teilnehmenden daran, den Unterricht in den Schulzimmern nicht zu stören und sich friedlich zu verhalten.

«Es schisst mi eifach huere ah»

Insbesondere die Freifächer liegen ihnen am Herzen: «Es schisst mich eifach huere ah, dass ez gspart wird», ruft ein engagierter Schüler ins Megafon. Ein anderer: «Freifächer sind da, wo man sich wirklich anstrengt, wo es wirklich Spass macht.» Es nehme den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit, ihre Individualität auszuleben, sagt eine Schülerin. Danach teilten sie sich in kleine Diskussionsrunden auf. Ab und zu verfolgten Lehrer das Geschehen, griffen aber nicht ein.

Später lief eine Schülerin mit einem Zettel herum, auf dem stand: «Demo 14.30». Langsam bewegte sich die Masse nach draussen. Hier stand auch ein Lehrer der Kantonsschule Rämibühl: «Als politischer Bürger finde ich es gut, dass die Schüler sich so schnell organisiert haben, um zu protestieren.» Er habe von der Schulbesetzung gewusst, aber nicht, wo genau sie stattfindet.

Umzug zur Bildungsdirektion

Eine der Schülerinnen griff wieder zum Megafon: «In der Bildungsdirektion werden die Sparmassnahmen durchgesetzt, ab Mai sollen noch neue dazukommen, da laufen wir jetzt hin.» Dann gings los mit der Demo: Mit lauten Parolen, wenigen kleinen Feuerwerkskörpern und mit viel Überzeugung zogen die Schülerinnen und Schüler los.

Obwohl die Demo nicht bewilligt und somit illegal war, zogen die Teilnehmenden durchs Dörfli, am Central vorbei zur Kantonalen Verwaltung. Nach der Bildungsdirektion ging es weiter durch die Bahnhofshalle und über die Bahnhofsstrasse zurück Richtung Stadelhofen.

Passanten und Touristen staunten nicht schlecht, als die Jugendlichen an ihnen vorbeizogen. Am Paradeplatz angekommen, gab es eine weitere Verkündigung. Hier läge das Geld, dass bei der Bildung fehle, ihre Parole lautete: «Die Reichen zahlen keine Steuern, bei uns wird dafür gekürzt.» Damit meinten sie auch Konzerne, und sprachen sich auch noch gerade gegen die Unternehmenssteuerreform III aus. Schliesslich zogen sie zurück zum Stadelhofen, wo sie die Demo friedlich beendeten.

Kein Nachspiel

Die Stadtpolizei Zürich hatte Kenntnis von dem Protest, stand mit den Schulleitungen in Kontakt und beobachtete die unbewilligte Demo durch die Innenstadt. «Diese wurde von der Polizei toleriert – es ist alles friedlich verlaufen», sagt Sprecherin Judith Hödl. Der Umzug werde für die Organisatoren des Protests kein Nachspiel haben.

(bec)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DJ am 08.02.2017 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!!

    Bravo! Endlich zeigt die Jugend dass ihnen die Politik nicht einfach egal ist! Danke der Polizei fürs tollerieren. Es ist wichtig dass die Kinder und Jugendlichen ihre Meinung äussern. Weiter so!!

  • Fall63 am 08.02.2017 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal: "Züri brännt ! "

    ...hoffe die Politik wird sich daran erinnern was passieren kann, wenn man die Jugend nicht ernst nimmt... 1980 - 1982 Züri brännt! Hoffentlich nicht.

  • oli g am 08.02.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wow !

    mal eine sinnvolle Demo,und das in Zürich,und ohne horrende Sachschäden...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Blablavater am 09.02.2017 03:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sparen?

    Es ist richtig, es muss überall gespart werden, die Frage ist nur wo ist es sinnvoll und wo schadet es mehr. Warum fühlt sich die Gesellschaft im Moment ärmer als früher, wo weniger Geld vorhanden war? Es gibt genügend Möglichkeiten richtig zu evaluieren, aber die meisten Politiker sind immer irgendwelchen Interessenverbänden verbunden und der Intelekt ist niergends vertreten und Schüler erst recht nicht.

  • Drizzt am 08.02.2017 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatsbetriebe -> Rechenschaft dem Volk gegenüb

    Hm. Ich war 10 Jahre in der Privat Wirtschaft als normaler Fübü tätig. Sagen wir mal Hausmeister. Nun 5Jahre und immer noch aktiver Staats/Kantons-Angestellter. Ich habe sowohl mit dem CEO/Chef/ChefChef/ChefChefChef arbeite aber bei/mit den Dienstleistern. Was ich sehe ist: Das Problem beim Staat ist der Mensch, mehr als in der Privat Wirtschaft. :-) ! Wieso? Weil beim Staat niemand das Gefühl hat das er etwas aus eigener Tasche bezahlen muss und es gibt einfach keine richtige Kostenkontrolle. Wie auch? Es muss ja nirgends Rechenschaft abgelegt werden und der Staat klagt sich nie selber an

  • Sehnsucht 67 am 08.02.2017 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demostunde

    Gute Lehrstunde in Sachen demonstrieren. Sind die Eltern auch mitgelaufen? Ich finde Sparmaßnahmen in Sachen Schulbildung absolut nicht gut. Bei der Bildung sollte nie gespart werden.

  • Nera2626 am 08.02.2017 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Müssten wir Luzerner auch mal machen...

  • remohavefun am 08.02.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oke

    was ist daran illegal durch die stadt zu laufen?