Genossenschaft

05. April 2016 09:59; Akt: 05.04.2016 09:59 Print

Software entscheidet, wer die Wohnung bekommt

Die Familienheim-Genossenschaft Zürich setzt für die Wahl der besten Miet-Anwärter eine Software ein. Wer mit seinen Angaben punktet, hat bessere Chancen.

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Genossenschaftswohnungen in der Stadt Zürich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Die Wohnungssuche in der Stadt Zürich kann frustrierend sein. Weil die Konkurrenz unter den Anwärtern hoch ist, kommt man oft nur mit Vitamin B weiter. Vor allem bei den heiss begehrten Genossenschaftswohnungen existiert deshalb schon lange der Vorwurf der Vetternwirtschaft – man habe bei der Vergabe ohne Beziehungen gar keine Chance.

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Die Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ) will dem Abhilfe schaffen und ihre Vergabepraxis transparenter gestalten. Sie nimmt Bewerbungen laut dem «Tages-Anzeiger» deshalb nur noch online entgegen und speist die angegebenen Daten in die Software Mietselect ein. Diese erfasst die Anwärter nach mathematischen Kriterien und setzt sie auf eine Rangliste.

Prioritätspunkte sammeln

Das funktioniert so: Per Onlineformular werden zunächst Angaben zur Person, Anzahl Kinder und Einkommen erfasst. Erfüllt man die Mindestkriterien für die ausgeschriebene Wohnung, kommt im nächsten Schritt ein Algorithmus zum Einsatz, der den Anwärtern Punkte zuordnet. Dabei spielen vor allem die Gründe für den Umzug eine Rolle.

Wer zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen umziehen muss, bekommt mehr Punkte. Auch wer die aktuelle Wohnung gezwungenermassen verlassen muss – sei es wegen einer Sanierung oder weil das Haus abgerissen wird – wird von der Software bevorzugt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Bezug zum Quartier. Hier hat jener die Nase vorn, der schon lange im Quartier wohnt und sich dafür engagiert.

Betrügen geht nicht

Für all diese Kriterien gibt es Prioritätspunkte und schlussendlich eine Rangliste der Bewerber. Das System könne zwar nicht ausschliessen, dass jemand falsche Angaben mache, sagt FGZ-Geschäftsleiter Rolf Obrecht. Spätestens wenn jemand auf der Liste sei, müsse er jedoch entsprechende Unterlagen vorweisen, um seine Angaben zu bestätigen.

In einer Pilotphase wurden bereits 15 Ausschreibungen mit Mietselect erfasst und vergeben. Der Versuch läuft noch bis im Herbst. «Bis jetzt sind wir sehr zufrieden damit. Es sieht so aus, als ob die Software unseren Vorstellungen entspricht», sagt Obrecht zum «Tages-Anzeiger». Er hofft, dass die Anwendung in Zukunft noch weiter ausgebaut werden kann.

(ced)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kain Spam am 05.04.2016 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ich warte

    wie lange es geht bis der Mietselect-Optimizer für die Bewerbung kommt

  • mieterin am 05.04.2016 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    find ich fairer

    ich hab mit diesem vitamin-b nonsens mühe. nicht jeder hat ein grosses soziales netzwerk, da gehört auch glück dazu. deswegen ist man nicht automatisch ein schlechter mieter. ich werde lieber aus nachvollziehbaren gründen abgelehnt, wie eben zb. dass familien mit kindern bevorzugt werden oder dass bei genossenschaftswohnungen das einkommen eine rolle spielt. und nicht aus gründen wie: ja mein cousin kennt jemanden, der hat eine freundin und ihre tante sucht grad eine wohnung.. da haben auch persönliche gründe nix zu suchen, zumal man sich dem vermieter gegenüber eh von der besten seite zeigt.

  • Cavi33 am 05.04.2016 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Alternative

    Eine gute Idee, nebst SW sollte aber zu guter Letzt der Bewerber auch noch begutachtet werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • F.Müller am 06.04.2016 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist halt so

    Zahlbare Wohnungen in der Stadt ZH für Otto Normalverbraucher fallen schon länger in die Rubrik pro spezie rara.AL/IV Bezüger gehören in die Abteilung unerwünscht.Rentner auch.Wetten, dass die Mieter-Software dementsprechend eingerichtet wurde? Beileibe nicht nur in ZH, BE, BS, SG ebenso. In GE ist der Wohnungsmarkt seit Jahren völlig ausgetrocknet.Wer wenig verdient, muss ab in die Agglo.Wer Pech hat, gar in eine versyffte Mietskaserne.So tickt es in der heutigen CH und nicht anders.Das war früher mal völlig anders, als ich als blutjunges Bürschlein eine Loge in ZH suchte.Und auch eine zahlbare im Oberdorf fand.Tempi passati

    • Papierlischweizer am 06.04.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Eben nicht...

      Ich habe für genannte Genossenschaft gearbeitet und kann Ihnen versichern, dass ein nicht geringer Anteil der Wohnungen für sozial schlecht gestellte Menschen freigehalten wird, wovon Teile auch von den städtischen Sozialkassen subventioniert sind. Vergleichen Sie bitte nicht Wohnbaugenossenschaften mit profitorientierten, renditegeilen Immobilienhaien.

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  • Tim am 05.04.2016 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nimmt mich wunder

    Wie viel Grossverdiener in solchen Wohnungen Leben.

  • Exfriesenbergler am 05.04.2016 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warteschlaufe

    Ich bin dort aufgewachsen. Dannzumal musst man sich anmelden und dann warten. Meine Mutter meldete mich an, als ich 12 war, damit ich eine Wohnung erhalte, wenn ich heiraten werde.

  • Martin Fischer am 05.04.2016 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    .... und sich dafür engagiert

    Genau, da haben wir die Sache. Wer vereinsmeiert und politisiert, hat die Nase vorne, vorausgesetzt im richtigen Verein und mit der richtigen Gesinnung!

  • Herr Bünzli am 05.04.2016 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Soft Ware

    hat die Familienheim-Genossenschaft Zürich keine eigene Meinung mehr, das man diese billige Software braucht.