Hardturm-Stadion

12. Juli 2016 17:24; Akt: 12.07.2016 18:04 Print

«Der Schattenwurf der Türme könnte stören»

Das künftige Fussballstadion auf dem Zürcher Hardturm-Areal wird konkreter. Vor allem die imposanten Hochhäuser stossen jedoch auf Kritik bei Anwohnern und Parteien.

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Blick auf das künftige Hardturm-Areal mit den beiden Hochhäusern. Die HRS Investment AG und Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse realisieren hier ein neues Stadion und zwei Wohn- und Geschäftshochhäuser. Das Team hat den Investorenwettbewerb mit dem Projekt Ensemble gewonnen. Die Architekten sind Pool Architekten (ZH), Caruso St John Architects (London) und Boltshauser (ZH). Die beiden Hochhäuser werden 137 Meter hoch ... ... und damit elf Meter höher als der 126 Meter hohe Prime Tower - aktuell das höchste Gebäude der Stadt. Aber zurück zum Hardturm-Projekt: Hier eine Visualisierung von der Pfingstweidstrasse her. Der Platz vor dem Stadion als Begegnungszone. Blick unter die (obere) Tribüne ... ... und ins Stadioninnere. In diesen Häusern werden die Genossenschaftswohnungen realisiert - und zwar von der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABZ). Die Wettbewerbsprojekte aller fünf Bieterteams sind vom 13. bis 23. Juli 2016 in den Wettbewerbsräumen des Amts für Hochbauten im Pavillon Werd, Morgartenstrasse 40 in Zürich, ausgestellt. Öffnungszeiten: Mo-Fr, 16-20 Uhr; Sa/So, 14-18 Uhr; 13. Juli 2016 nur von 18-20 Uhr. Nun folgen die vier unterlegenen Projekte: Zwei Hochhäuser hatte auch das Projekt Portal Hardturm Team 1, PSP Swiss Property AG mit den Architekten Adrian Streich (ZH), Bob Gysin (ZH) sowie Burkard und Meyer (Baden). Letztere hatten bereits das 2013 abgelehnte Stadion entworfen. Es sieht denn auch bei der Neuauflage ziemlich ähnlich aus. Das Mi-ca-do Kollektiv (Team 3) begnügte sich mit einem Turm, der dafür 150 Meter hoch geworden wäre. Dahinter stecken die Anlagestiftung Turidomus/Anlagestiftung Adimora vertreten durch Pensimo Management AG mit den Architekten Baumschlager Eberle (ZH), Chabanne (Lyon) und BIG Group aus Dänemark. Weit weniger hoch wäre das Projekt Jalkapallo (Team 4) der Schweizerischen Lebensversicherungsgesellschaft AG geworden. Entworfen hatten dieses die Architekten Theo Hotz Partner (ZH), Burkhalter Sumi (ZH) und Philippe Cabane (BS). Und so hätte dieses Projekt von oben ausgesehen. Schliesslich noch das vierte Projekt, das unterlegen ist. Es heisst Blau Weiss (Team 5) und stammt vom Konsortium Helvetic/Berninvest AG mit den Architekten Huggenbergfries (Limmat-Tower Dietikon), Schwaar + Parner sowie Maier Hess. Im obersten Stockwerk des höchsten Hochhauses war eine Sky-Bar eingezeichnet. Fast so imposant wie die beiden geplanten Hochhäuser beim Zürcher Stadion war der Aufmarsch der Redner anlässlich der Medienkonferenz am 12. Juli 2016, bei der die Stadt das Ergebnis des Investorenwettbewerbs präsentiert hat. Es sprachen Zürichs Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne), ... ... Hochbauvorstand André Odermatt (SP), ... ... Stadtrat Gerold Lauber (CVP) als Schul- und Sportvorsteher, ... ... Stadtbaumeister Patrick Gmür, ... ... GC-Präsident Stephan Anliker ... ... und FCZ-Geschäftsführer Thomas Schönenberger. Vorderhand bleibt das Hardturm-Areal aber eine Brache. Wann das Stadion und die Hochhäuser gebaut werden können, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Sicher ist: Das Stadtparlament muss sich auch noch damit befassen - und ziemlich sicher auch das Stimmvolk. Und eben genau an der Urne war das vorherige Stadionprojekt am 22. September 2013 gescheitert. Diese Miniausgabe in Tortenform am selben Tag vor dem Match GC - Thun im Letzigrund präsentiert, konnte das Nein nicht abwenden. Das waren noch Zeiten: Blick ins Hardturm-Stadion während des spektakulären Meisterschaftsfinales gegen Sion am 8. Juni 1991. 3:2 gewannen die Grasshoppers und konnten damit eine Runde vor dem Meisterschaftsende den Pokal entgegennehmen. Sie wurden damit zum 22. Mal Schweizer Meister. Zwei Hochhäuser sind übrigens auch das Markenzeichen des Luzerner Fussballstadions.

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Ein Stadion für maximal 18'500 Zuschauer, dazu zwei 137 Meter hohe Wohn- und Geschäftstürme sowie eine Wohnsiedlung mit 173 Genossenschaftswohnungen: Das wollen HRS Investment AG und die Credit Suisse auf der Hardturm-Brache bauen. Sie haben den Investorenwettbewerb gewonnen, wie die Stadt am Dienstag bekannt gab.

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Bei den Anwohnern beurteilt man das Siegerprojekt mit gemischten Gefühlen. «Architektonisch scheint es mir gelungen, aber es ist schon sehr massiv», sagt Karin Rykart, Co-Präsidentin der IG Hardturm Quartier und Fraktionschefin der Grünen im Gemeinderat. Vor allem die Höhe der Hochhäuser werde womöglich zu Diskussionen führen. Die IG war in den Jurierungsprozess mit eingebunden. «Dem Stadionprojekt stehen wir grundsätzlich positiv gegenüber – aber der Preis dafür ist hoch mit Blick auf die Höhe der Türme», so Rykart.

Parteien sind skeptisch

Skeptisch, was die Hochhäuser angeht, sind auch die anderen Stadtzürcher Parteien. SP-Fraktionschef Davy Graf fragt sich, ob solch hohe Türme auch ins Quartier passen: «Der Schattenwurf könnte stören und auch, dass die Wohnungen dort wohl teuer sein werden.» Der Ruf nach einem Stadion in Zürich sei aber legitim. Trotzdem sind für Graf noch viele Fragen offen: «Etwa ob sich das Projekt finanziell für die Stadt wirklich lohnt.»

Auch FDP-Fraktionschef Michael Schmid fragt sich, ob diese hohen Türme nicht etwas zu viel des Guten sind: «Überhaupt entsteht der Eindruck, dass man mit dem ganzen Projekt zu viele Sachen unter einen Hut bringen will. Daran ist schon das letzte Stadion gescheitert.»

«Wir freuen uns, wenn es in Zürich wieder ein richtiges Fussballstadion gibt»

Bei der SVP findet man, dass die Verknüpfung mit dem gemeinnützigen Wohnungsbau nicht unbedingt nötig ist, sagt Präsident Mauro Tuena: «Sonst ist es aber sehr positiv, dass man einen privaten Investor fürs Stadion gefunden hat.» Dass dieser Hochhäuser bauen will, sei legitim: «Trotzdem sind grosse Diskussionen um den Schattenwurf jetzt schon sicher.»

CVP-Fraktionschefin Karin Weyermann findet, dass es zu erwarten war, dass bei diesen knappen Platzverhältnissen in die Höhe gebaut wird: «Es ist verständlich, dass ein Investor nicht nur fünf Wohnungen bauen will.» Dem Stadionprojekt sei man wohlgesinnt: «Wir freuen uns, wenn es in Zürich wieder ein richtiges Fussballstadion gibt.»

(som/rom/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Marty am 12.07.2016 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Max, 23 Jährig

    Schade erlebe ich die Eröffnung nicht mehr.

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  • jioerckel am 12.07.2016 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Versenken.

    Und dann kommt das Projekt zur Abstimmung und wie aus der Vergangenheit hinlänglich bekannt ist, werden die Zürcher auch diesen Tempel versenken und alles bleibt beim alten.

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  • Benz am 12.07.2016 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Ein paar Bilder vom Gewinnerporjekt wären schon schön zum sehen und dann an der Umfrage teilzunehmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Yves S. am 15.07.2016 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Eine weitere Verwüstung unserer Stadt

    Die grässlichen Türme sind viel zu hoch für das Quarier und überschatten leider die gute Idee eines Stadions. Die 2 Türme sind noch höher als der schreckliche Swiss-Mill Tower. Warum planen sie nicht halb so grosse Blöcke, die auch in Zürichs Stadtbild passen würden?

    • Archi Tekt am 15.07.2016 15:50 Report Diesen Beitrag melden

      Die Stadt muss verdichtet werden

      Verdichtung ist bei Wachstum nun mal das A und O in der Schweiz (unsere Landschaft ist zu kostbar). In dem Quartier (Industrie/Kreis 5) stehen schon einige Türme. Die neuen werden das Stadtbild bereichern. Gerade an der Lage (umschlossen von Hauptstrassen) kann ruhig in die Höhe gebaut werden. Die Bernoulli-Häuschen sind genug weit weg, als dass diese beeinträchtigt werden. Lieber 137 Meter hohe Wohn- / Bürotürme als ein 120 Meter hohes Kornsilo ohne Fenster (ja das finde ich auch schrecklich). Ich hoffe, dass der oberste Stock öffentlich sei wird, dann haben alle etwas davon.

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  • Fridolin am 15.07.2016 05:13 Report Diesen Beitrag melden

    Oede

    Weitere zwei langweilige quader, wie es deren schon zuhauf in der stadt gibt. Eine augenweide ist das sicher nicht.

  • WillTell am 14.07.2016 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schmiergeld

    Ein perfektes Beispiel von ein Investor, der solche unerwünschte Hochhäuser baut, wegen ein "geschenktes" Objekt (Stadion).

  • will grigg am 14.07.2016 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weltstadt?

    Von einem Land wie die Schweiz kann man doch mittlerweile von einem fussballbegeistertem land sprechen. immerhin war man in den letzten 12 jahren (ausnahme euro 2012) bei jedem grossen fussballevent dabei! und dann will man mir klar machen dass unsere grösste stadt nicht mal in der lage ist ein reines fussballstadion zu bauen? sorry aber da stinkt doch gewaltig was.

  • Ch.U.R. am 14.07.2016 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wähler lassen sich erneut von den

    Politikern über den Tisch ziehen. Von wegen das kostet uns nichts, das erinnert mich an den Campus Brugg. Erst, das kostet uns nichts, weil vollständig fremd finanziert, dann, wenige Jahre später, wir können viel Geld sparen, indem wir alles aufkaufen damit wir nicht mehr so viel Miete bezahlen müssen.