Linkes Zürichseeufer

06. Oktober 2017 05:55; Akt: 06.10.2017 05:57 Print

Zürcher bauen CBD-Gras an – als Medizin

Am linken Zürichseeufer bauen fünf Zürcher CBD-Hanf an – aber nicht für Zigaretten, sondern als Medizin etwa gegen Epilepsie. Inspiriert wurden sie von einem Mädchen.

Sprecher Reto Jörimann und Projektleiter Christian Jäger erzählen im Interview, was es mit Heidi's Garden auf sich hat.
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Von aussen sieht es wie ein gewöhnliches Gewächshaus aus, erst beim Näherkommen fällt einem ein penetranter Geruch auf. Hier am linken Zürichsee-Ufer wird ganz legal CBD-Gras angebaut – aber nicht zum Rauchen: Die Firma Heidi's Garden hat rund 1000 CBD-Pflanzen für medizinische Zwecke gezüchtet.

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Hintergrund dieser Geschäftsidee ist die Geschichte von Charlotte Figi, einem Mädchen aus den USA, das pro Woche bis zu 300 schwere epileptische Anfälle erlitt. Seit sie jedoch Cannabis-Öl-Tropfen verabreicht bekommt, ist sie zu 99 Prozent frei von Anfällen. Dieses Öl wird aus Hanfpflanzen gewonnen, die sehr wenig vom psychoaktiven Stoff THC und sehr viel vom nicht psychoaktiven CBD (Cannabidiol) enthalten.

Das hat die fünf Freunde, die das Gewächshaus am Zürichsee betreiben, dazu motiviert, Ähnliches zu tun. Also gründeten sie ihre eigene Firma. Und weil einer der fünf ein gelernter Gärtner ist, ist das notwendige Know-how vorhanden. Ende Oktober eröffnen sie ihren ersten Laden im Zürcher Seefeld.

«Wir verkaufen nichts Schädliches»

Damit sich Heidi's Garden von den anderen Geschäften, die CBD verkaufen, abhebt, haben die Jungs schon einen Plan: «Wir werden nur Produkte verkaufen, die man nicht rauchen kann», sagt Reto Jörimann, Sprecher von Heidi's Garden. Man wolle nichts anbieten, was dem Konsument schaden könnte.

Ohnehin wird der Hype ums CBD-Rauchen in der Schweiz bald wieder abflachen, ist der US-Amerikaner Josh Stanley überzeugt, der das Öl für Charlotte Figi herstellt. In den USA sei dies sowieso nie ein Thema gewesen. «Und hier in der Schweiz ist es einfach ein legaler Ersatz fürs Kiffen, und teurer dazu, weil CBD nicht high macht.» Die Zukunft des CBD liege ganz klar in der Medizin. Stanley: «Wenn man die Hanfpflanze als ganze braucht, hat sie riesiges Potenzial, gegen verschiedenste Krankheiten zu helfen.»

Aussagekräftige Studien fehlen

«Helfen soll CBD-Gras beispielsweise Epileptikern, Personen die an Parkinson erkrankt sind, sowie Menschen mit Altersgebrechen oder auch solchen, die an Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen leiden», so Christian Jäger, Produktionsverantwortlicher bei Heidi's Garden, der ausgebildeter Mediziner ist.

Im Moment habe man allerdings noch nicht genug aussagekräftige Studien zur Wirkung der einzelnen Bestandteile der Hanfplanze, um die Wirksamkeit zu beweisen. Jäger: «Doch wir sehen grosse Erfolge jener, die mit CBD ihre Krankheit behandeln. Deshalb sind wir uns sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.»

Zulassung der Aufsichtsbehörde notwendig

Dass im Moment noch so wenig Studien zur Wirksamkeit von CBD vorliegen, könnte sich bald ändern: «Wenn die Pharma-Industrie sieht, dass die Bestandteile der Cannabispflanze heilend sein können, wird früher oder später in die Forschung investiert», so Judith Fischer, Sprecherin der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz.

Die Pharma-Konzerne hätten ein Interesse an einer guten Gesundheitsversorgung mit vielfältigen Therapieoptionen in der Schweiz, sagt Fischer. Die grösste Hürde, die die vips-Sprecherin sieht, liegt bei der Zulassung der Aufsichtsbehörde Swissmedic, welche korrekterweise klinische Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit für die Zulassung benötigt. Die Kriterien, dass man einen Wirkstoff als Medikament mit dem entsprechenden Heilversprechen verkaufen darf, sind aufgrund der klinischen Forschung und Entwicklung teuer und streng. Denn ohne diese Zulassung sei es rechtlich unzulässig, die medizinische Wirksamkeit eines Produktes anzupreisen.

(tür)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glaibasel am 06.10.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besser mit thc

    gras mit thc gehalt wäre medizinisch wertvoller. ein mancher schmerzpatient wäre grottenfroh darüber.

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  • Tom am 06.10.2017 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlafen Schmerzen

    Wieso reden die Herren nicht von der Wirkung für Krebspatienten dort sollte man richtig ansetzten. Leider kenne ich mich sehr gut aus was Menschen für Medikamente bekommen sei es chronische Schmerzen wo schnell Morphium eingesetzt wird. Oder chronische Schlafstörungen Benzodiazepine wie Valium Temesta. Dies macht Körperlich sowas von abhängig und die Lebensqualität ist voll eingeschränkt. Aber die Pharmaindustrie ist nich begeistert wenn CBD besser wirkt es geht wider ums Geld. Medizinisch gesehen bin ich für das CBD keine Abhängigkeit kein Entzug. Kk würden auch sparren bei Entzugsklinik

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  • Stefan am 06.10.2017 06:03 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich kommt etwas zum "rollen.

    Pharma Industrie weiss schon lange bescheid. Nutzreichste Allzweckpflanze überhaupt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vincenzo Figlioli am 08.10.2017 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hanfoel gegen Eptelesie auf jeden Fall!

    Wir haben einen sehr Kranken Sohn (5) mit Behinderung und starken Epileptische Anfälle über 200 Aktivitäten am Tag, ich habe diesen Artikel gerne gelesen, macht weiter denn ich kann nur positives erzählen . Es ist wirklich schwer in der Schweiz mit der sogenannten Schuhlmedizin. Wir werden Kunde sein, den nur so kann mein Sohn ein fast Anfallfreien Tag Leben.

  • chrigeli am 06.10.2017 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lustig

    Die Pharma-Konzerne hätten ein Interesse an einer guten Gesundheitsversorgung. Das ich nicht lache!

  • Daniel Meier am 06.10.2017 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweifelhaft

    300 Epileptische Anfälle pro Woche? Da die Woche 168 Stunden hat müsste das Mädchen also fast alle 30 Mimuten einen gehabt haben und dabei niemals schlafen.

  • Jéremie am 06.10.2017 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewerbung

    Ich bin ein 25-jähriger Detailhandelsangestellter EFZ (Lebensmittel). Gerne würde ich mich für Euren Laden im Seefeld bewerben. Wo kann ich das? Finde Heidi's Garden im Netz nicht. Danke für Eure Unterstützung.

  • lightning 6 am 06.10.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren

    Ich möchte das ganze Gras Legalisieren inkl THC, solange Alkohol und Tabak erlaubt ist (viel härterer Stoff) soll auch Gras Legal sein. Es kann nicht sein das die ganze Bevölkerung das Saufen unterstützt und Gras aber verbietet.