Wetterpech

24. April 2016 12:19; Akt: 25.04.2016 12:23 Print

Brrrrr – Zürich Marathon ist nur für Hartgesottene

Schnee, Regen, eisiger Wind: Die 9024 Teilnehmer des Zürich Marathon 2016 mussten am Sonntag einiges aushalten – 185 davon schafften es nicht bis ins Ziel oder waren zu lange unterwegs.

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Gut aufgewärmt, ist halb gewonnen. Aber: Schon hier macht sich das garstige Wetter am Zürich Marathon vom 24. April 2016 ein erstes Mal unangenehm bemerkbar. Michaela Fässler (37) aus Richterswil ZH ist in Zürich ihren siebten Marathon gelaufen: «Ich war noch nie bei so schlechtem Wetter an einem Marathon, trotzdem lief es erstaunlich gut. Ich bin mit 3 Stunden und 56 Minuten meine persönliche Bestzeit gelaufen.» Regenschirme so weit das Auge reicht... ...sogar Läuferinnen sind damit ausgerüstet. Renato Rosic (42) aus Zürich hat zum zwölften Mal an einem Marathon teilgenommen: «Das Wetter war zwar bescheiden, aber immerhin bestand keine Gefahr für einen Hitzekollaps.» Laut Rosic war sein Lauf mit 4:36 Stunden bei weitem nicht sein Bester - 2004 war er beim Marathon in Lausanne 3:43 Stunden schnell - zufrieden ist er mit seinem Zürcher Ergebnis aber trotzdem. Nicht zuletzt, weil er wegen Rückenproblemen den Zürich Marathon im letzten Jahr nicht laufen konnte. Am zentralen Bellevue spenden nur wenige Zuschauer Applaus. ... kein Wunder, bei diesen Temperaturen. Premiere für Jacqueline Laufer (33) aus Rapperswil-Jona SG, sie ist am Sonntag ihren ersten Marathon in 4:23 Stunden gelaufen: «Es ist ein grossartiges Gefühl, es geschafft zu haben und dann noch 20 Minuten schneller als erwartet.» Weniger begeistert war Laufer aber über das Wetter: «Bereits nach fünf Minuten war man total durchnässt. Das war alles andere als angenehm, da man es aber nicht ändern konnte, musste man eben das Beste daraus machen.» Pelerinen sind dieses Jahr das Must-have. Blick auf die Strecke am General-Guisan-Quai. Jan Ochsner (24) aus Luzern ist in Zürich seinen zweiten Marathon gelaufen: «Erst Hagel, dann Regen, dann Schnee, der Niederschlag war echt mühsam. Die letzten 20 Kilometer waren dann aber trocken und gut zum Laufen.» Laut Ochsner war das Gefühl, es ins Ziel geschafft zu haben, unbeschreiblich - zumal er mit 3:57 Stunden eine persönliche Bestzeit lief. Richtig übel war es zeitweise am Vormittag ... ... so hat sich wohl keiner der Teilnehmer den glorreichen Zieleinlauf vorgestellt. Für Michèle Lechner (34) aus Richterswil ZH war es ihr erster Marathon: «Ich habe etwa 4:10 Stunden gebraucht - bei warmem Wetter wär mir das Laufen deutlich leichter gefallen. Wegen dem Regen waren meine Kleider und Schuhe schon von Anfang nass - so einen Marathon zu laufen, ist ziemlich unangenehm.» Auch die Zuschauer bleiben vom schlechten Wetter nicht verschont. Der schnellste Läufer am Zürich Marathon: Yuki Kawauchi. Der schnellste Schweizer: Julien Lyon. Joschka Roth (23) aus Appenzell Ausserrhoden in seinem Morphsuit im Smoking-Look ist zum ersten Mal überhaupt einen Marathon gelaufen. «Ich habe für die Strecke 4:32 Stunden gebraucht - es lief gut. Ab Kilometer 30 habe ich dann aber gespürt wie meine Beine nicht mehr richtig wollten. Die letzten zwölf Kilometer waren dann reine Kopfsache», sagt Roth.

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«Beste Laufbedingungen für die Läuferinnen und Läufer», meldeten die Organisatoren des 14. Zürich Marathon vergangene Woche. Nun ja, sie bezogen dies auf die Tatsache, dass die Laufstrecke für einmal nicht durch Baustellen beeinträchtigt ist. Damit haben sie zwar recht, dafür meint es Petrus heute Sonntag gar nicht gut mit dem Anlass.

Am Vormittag zogen heftige Regenfälle über die Region Zürich, es schneite sogar kurzzeitig. Hinzu kommt ein für die Jahreszeit eisiger Wind. Will heissen: Kälte und Nässe kombiniert, Temperaturen im einstelligen Bereich. Doch die meisten Läufer nahmen es cool.

«Das Beste daraus machen»

«Das Wetter war zwar bescheiden, aber immerhin bestand keine Gefahr für einen Hitzekollaps», sagt Renato Rosic (42) aus Zürich, der zum zwölften Mal an einem Marathon mit dabei war. Auch Jacqueline Laufer (33) aus Rapperswil-Jona SG liess sich bei ihrem ersten Marathon nicht vom garstigen Wetter beirren: «Total durchnässt nach nur fünf Minuten – alles andere als angenehm. Da man das Wetter aber nicht ändern konnte, musste man eben das Beste daraus machen.»

Julien Lyon war der beste Schweizer beim Zürich-Marathon. Bei seinem Debüt über die 42,195 km lief der Romand nach 2:16:17 Stunden ins Ziel und war um drei Minuten schneller als Adrian Lehmann. Michael Ott gab das Rennen auf.

Nur zwei Prozent der Läufer schafften es nicht rechtzeitig ins Ziel

Der Schnellste am diesjährigen Zürich-Marathon kam aus Japan. Yuki Kawauchi holte am Sonntagmorgen den verpassten Sieg aus dem Vorjahr nach. Der Vollzeit-Beamte, der Wert grossen Wert auf seinen Amateur-Status legt, setzte sich mit einer Minute Vorsprung vor dem Äthiopier Abere Bealy durch.

Von den ursprünglich 9973 angemeldeten Läufern starteten am Sonntagmorgen schliesslich 9024, so die Organisatoren in einer Mitteilung. 185 Teilnehmer, zwei Prozent der Läufer, schafften es nicht bis ins Ziel oder hatten die erlaubte Maximalzeit von 5:30 Stunden überschritten.

41 Einsätze für die Sanität

Die Sanitätsdienste mussten sich laut Leiter Björn Kuratli um 41 Läuferinnen und Läufer kümmern, von denen vier für weitere Abklärungen ins Spital verwiesen wurden. Neben Verstauchungen, Prellungen und Schnitten war Unterkühlung ein häufig auftretendes Problem.

Eine halbe Stunde nach Rennschluss konnte OK-Präsident Bruno Lafranchi ein positives Fazit zum 14. Zürich Marathon ziehen: «Die Siegerzeiten haben natürlich unter dem Wetter gelitten. Und die vielen Breitensportler erst recht», wird er in einer Mitteilung zitiert. «Ich ziehe daher meinen Hut vor allen Finishern.»

(rad/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Benni Bettnässer am 24.04.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nasse Hose

    Konnte durch den Regen wertvolle Sekunden gewinnen, da durch die Nässe eine Pinkelpause nicht mehr von Nöten war.

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  • martin am 24.04.2016 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation!

    Gratulation allen Teilnehmern! ich hoffe, alle hatten trotzdem Spass! gute erholung!

  • Flu Borg am 24.04.2016 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cityrun

    Schön wars. Regen und Schnee haben nicht gestört.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jane38 am 25.04.2016 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kompliment

    an alle läufer..hut ab.

  • Trallalla am 24.04.2016 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück gibts Briefkastenfirmen

    Für so einen Mist zahle ich steuern! Da lob ich mir eben doch Panama!

    • Flu Borg am 24.04.2016 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Trallalla

      Keine Angst, nicht alles bezahlt der Steuerzahler, was auf dieser Welt passiert. Jeder Teilnehmer bezahlt sein Startgeld selber.

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  • Jericho am 24.04.2016 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Zürich muss alles haben

    Typisch Zürich, die müssen auch alles nachmachen. Streetparade, Film Festival, Open Air Alles nur eine Farce.

  • Veloce Renner am 24.04.2016 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Besser als Hitze

    Wenigstens hat man nicht geschwitzt;)

  • Julio am 24.04.2016 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Absperrungen ignorieren

    Warum haben die das Recht, allgemein zugängliche Strassen zu sperren? Das mache ich nicht mehr mit, nächstes Mal ignoriere ich alle Absperrungen!

    • Klartexter am 24.04.2016 19:49 Report Diesen Beitrag melden

      @julio

      Gute Idee, komm wir stürmen die Strecken, mal schauen, wie die reagieren!

    • Aryan am 25.04.2016 00:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Julio und @Klartexter

      Viel spass mit der Polizei, bei der Verfolgungsjagd ;)

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